Mazda CX-6e im Test: Halb Japaner, halb Chinese - kann das gut gehen?

Das Wichtigste zuerst
Der Mazda CX-6e (258 PS, Heckantrieb) bietet ein edles Interieur mit einem 26-Zoll-Flachbildschirm ohne klassischen Tacho. Dafür gibt es ein Head-up-Display. Die Software ist teilweise unpraktisch, wichtige Funktionen wie Spiegel- und Lenkradverstellung sind in Untermenüs versteckt, Assistenzsysteme reagieren nervös. Geladen wird die 78-kWh-Batterie mit max. 200 kW (DC) oder 11 kW (AC). Die reale Reichweite liegt eher bei rund 350 km statt der offiziellen 484 km.
Stärken, Schwächen, Alternativen
Was uns gefällt
Die rasiermesserscharfe Front.
Was wir vermissen
Einen stärkeren Antrieb, am besten mit Allrad.
Ideal, wenn …
… man ein unaufgeregtes elektrisches Familienauto zum akzeptablen Preis sucht.
Die Alternativen
BMW iX3, Audi Q4 e-tron, BYD Sealion 7, VW ID.4. Kia EV5
Stärken
- Das luxuriöse Interieur
- 26-Zoll-Bildschirm mit 5K-Auflösung
- Präzise Lenkung und straffes Fahrwerk
Schwächen
- Die kamerabasierten Außenspiegel
- Zum Teil umständliche Bedienung
- Durchschnittliche Ladezeiten
Violett oder Schwarz – dieser Lack kann beides
„Schön, schön, schön sind wir sowieso!“ Schnell schraubt sich dieser Neue-Deutsche-Welle-Hit von Markus ins Ohr. Schön ist er wirklich, der neue Mazda CX-6e. Sogar herausragend schön. Die kühne, rasiermesserscharfe Front mit der beleuchteten, flügelartigen Querspange, die in die Tagfahrlichter übergeht – das sieht schon nach was aus. Abgesehen von den akzentuierten Radhäusern hält sich die Seite vornehm zurück.
Erst im Heck sind die Designer wieder in die Vollen gegangen. Kräftige Schultern, dicke Backen und dazwischen ein zartes Lichtband, das die Ecken zusammenhält. Besonders gut wirkt das Auto in einer völlig neuen Mazda-Farbe. Sie heißt Nightfall Violet Black und wechselt, wie der Name schon sagt, zwischen Violett und Schwarz, je nach Lichteinfall. Bei der Kundschaft kommt sie sehr gut an. 50 Prozent bestellen laut Mazda diesen ungewöhnlichen Farbton.
Riesen-Bildschirm mit 5K-Auflösung und Kino-Optik
Kann der Mazda im Interieur das große Versprechen halten, welches das Exterieur verspricht? Auch hier fällt es uns schwer, nicht begeistert zu sein. Hässliches Hartplastik findet man kaum, höchstens an unzugänglichen Stellen wie zum Beispiel an den unteren Türtafeln. Stattdessen verwenden die Japaner jede Menge Maztex-Kunstleder, das sich seidenweich anfühlt und das großzügig und großflächig zum Einsatz kommt. Soft-Touch heißt das in der Fachsprache. Auch das halbmatte, silber- bis titanfarbene Metall wirkt edel.
Ein weiteres Stilelement ist das Licht. Schon das riesige Panoramadach sorgt für eine luftige Atmosphäre. So richtig Stimmung bringt aber erst das dezent eingesetzte Ambientelicht, das zum Beispiel die große, flügelartigen Spange illuminiert, die sich über das Cockpit bis hin in die Türen erstreckt und die Passagiere wie in einem Kokon umhüllt. Dominiert wird das Armaturenbrett von einem 26 Zoll großen Bildschirm im 32:9-Format. Ist der flach, Mann! Assistiert wird er einzig vom Head-up-Display in der Scheibe. Einen eigenen Tacho spart sich Mazda konsequenterweise.
Im Cockpit verzichtet Mazda auf Überflüssiges – das hat einen Haken
Das Cockpit wurde ganz nach der japanischen Ma-Philosophie, der Kunst der Leere, gestaltet und macht einen aufgeräumten Eindruck, weil hier auf alles Überflüssige verzichtet wird. Wirkt elegant, hat aber einen Pferdefuß. Weniger Knöpfe und Schalter – das führt zu Stress, weil man im Untermenü vom Untermenü Funktionen suchen muss, wie zum Beispiel Spiegel- und Lenkradeinstellung. Umgesetzt werden die Befehle dann wieder über die haptischen Tasten auf dem Lenkrad. Logisch? Nein! Aber an dieser Schnittstelle merkt man, dass der CX-6e ein Kooperationsprojekt zwischen Mazda und dem chinesischen Hersteller Changan ist. Drei Mal dürfen Sie raten, wer die Software designt hat.
So beeindruckend der Riesenbildschirm auch ist, es gibt einen weiteren Haken. Zwar kann der Beifahrer seine Hälfte bespielen, aber es gibt nur wenig, was er tun kann. Zum Beispiel das Navi bedienen oder den Radiosender einstellen. Recht viel mehr geht nicht. Warum dann 13 Zoll für den Mitreisenden, fragen wir uns. Die Antwort: Weil es cool aussieht. Und vielleicht kommt ja irgendwann mal mehr.
Ein V für ein Selfie – Mazda bringt die Gestensteuerung zurück
Bedient wird das Infotainment-Display auf drei Arten. Auf Fingerdruck, mit Sprache und ja: mit Gesten. Während andere Hersteller wieder darauf verzichten, fängt Mazda wieder damit an. Ein V geformt mit zwei Fingern: Die Kamera im Rückspiegel macht ein Selfie. Ungenügend ist die Sprachsteuerung. Nach ein paar Versuchen geben wir auf. Wird ja vielleicht mal over the air nachgebessert. Noch mal schnell in die Mecker-Ecke: Dass man die Rekuperation nur umständlich über den Bildschirm steuern muss und nicht über Lenkrad-Wippen, das ist unpraktisch und deshalb ärgerlich.
Dass die Assistenzsysteme viel zu nervös sind, nervt ebenso. „Hände ans Steuer“, motzt das System beispielsweise. Dabei sind die Hände am Steuer. Und das Abschalten von Tempowarner, Spurhalte-Assi und Aufmerksamkeitsassistent ist trotz der Belegung von Sondertasten immer wieder ein Abenteuer. Das angebotene Einstellen des Öffnungswinkels an der Heckklappe hingegen funktioniert tadellos. Aber hier stellt sich die Sinnfrage.
Reichweite von 484 Kilometern – ist das realistisch?
Fast hätten wir es vergessen. Der Mazda CX-6e kann nicht nur gut aussehen, sondern auch gut fahren. Na ja, so einigermaßen. Die 190 kW / 258 PS der E-Maschine bespaßen die Hinterachse mit 290 Nm Drehmoment. So richtig Dampf entwickelt das schicke SUV damit nicht. 7,9 Sekunden von 0 auf 100. Da macht man im Auto-Quartett kaum einen Stich. Dafür fährt sich der CX-6e schon sehr ruhig. An der Dämmung haben sie bei Mazda nicht gespart. Die Lenkung ist präzis und leichtgängig. Das Fahrwerk arbeitet stabil und unaufgeregt. Für manchen Geschmack vielleicht zu straff. Aber es wurde, wie man bei Mazda betont, speziell auf europäische Bedürfnisse angepasst.
Unruhig reagieren Dämpfer und Federn auf lange Bodenwellen bei hohem Tempo. Speziell bei 110 km/h. Hier darf noch nachgearbeitet werden. Entsprechenden Bedarf gäbe es auch beim Laden der 78-kWh-Batterie. Hier geht es bei Gleichstrom maximal mit 200 kW zu Werke. Da sind andere Hersteller schon weiter. Bei AC sind nur 11 kW drin, ein Upgrade auf 22 kW wird nicht angeboten. Wie weit kommt man mit einer Batterieladung? Versprochen werden 484 Kilometer. Wir hatten 18,9 kWh auf der Uhr – und das bei megaentspannter Fahrweise. Realistisch sind deshalb eher so um die 350 Kilometer, im Winter tendenziell weniger.
Das sollte man im Konfigurator besser nicht tun
Einen kleinen Wermutstropfen steckt auch in den Ausstattungen. Es gibt zwar nur Takumi und die um 3.000 Euro teurere Takumi plus. Allerdings muss man hier dann die digitalen und nicht abwählbaren Außenspiegel in Kauf nehmen. Sie sind aus zweierlei Gründen nicht gut. Zum einen stören die langen Kamerafühler die gelungene Gesamtoptik des CX-6e. Zweitens sitzen die Monitore unglücklich in den Seitentafeln unterhalb der Scheiben und damit nicht in der natürlichen Blickrichtung. Außerdem verdeckt man sie teilweise mit dem Arm, wenn er auf der Auflage liegt.
Wie man so etwas richtig macht, zeigt die japanische Konkurrenz. Beim Honda e sind die Bildschirme an den äußeren Rändern des Armaturenbretts platziert. Zurück zum Mazda-Konfigurator: Natürlich könnte man Takumi mit den gewünschten Sonderausstattungen wie 21-Zoll-Felgen oder den wirklich aparten zweifarbigen Sitzbezügen (Amethyst / Weiß) aufrüsten – da landet man dann aber bei deutlich höheren Preisen, als wenn man gleich Takumi plus nimmt.
Erstes Fazit
Schönheit ist nicht alles, oder doch? Diese Frage muss man sich beim Mazda CX-6e ernsthaft stellen. Die Reichweite ist solide, aber nicht überragend. Die Ladeleistung passabel, aber auch nicht besonders gut. Und der Verbrauch in Ordnung, aber nicht gerade effizient. Auf der Habenseite steht das Design mit seiner progressiven Optik. Es ragt wie ein Leuchtturm aus dem einfallslosen Einheits-Allerlei der vielen China-SUVs. Auch bei der Ausstattung gibt es nichts von der Stange. Das Interieur sieht nicht nur luxuriös aus, es fühlt sich auch so an. Wer also Elektro-SUV mit dem gewissen Etwas haben will und nicht unbedingt ein Technik-Freak ist, der ist beim Mazda CX-6e genau richtig. Zumal das Preis-Leistungsverhältnis mit knapp unter 50.000 Euro für so ein Auto schon seine Reize hat. (Text: Rudolf Bögel | Fotos: Hersteller)
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