Geely E2 im Test: Chinas 20.000-Euro-Angriff auf VW und Renault

Chinas Autogigant Geely bringt mit dem E2 den meistverkauften Elektro-Kleinwagen der Welt nach Deutschland. Für 19.990 Euro will der Stromer die Konkurrenten ID.Polo und Renault 5 E-Tec platt machen. Hat er echte Chancen?

Das Wichtigste zuerst

Der Konzern Geely – zu dem auch Volvo, Polestar und Anteile an Mercedes-Benz gehören – bringt den erfolgreichen E-Kleinwagen E2 nach Europa. Mit 465.000 verkauften Exemplaren im Jahr 2025 war er der meistverkaufte Elektro-Kleinwagen der Welt. Geely setzt vor allem auf den Preis: Das Einstiegsmodell soll 19.990 Euro kosten. Damit unterbietet der E2 Konkurrenten wie den VW ID.Polo um 5.000 Euro und Renaults R5 um über 6.000 Euro.


Stärken, Schwächen, Alternativen

Was uns gefällt

Das Premium-Interieur. Gute Qualität zum vernünftigen Preis.

Was wir vermissen

Einen schnellen Antritt. Elf Sekunden von null auf 100 sind langweilig.

Ideal für …

… Menschen, für die ein Auto ein reines Fortbewegungsmittel ist.

Die Alternativen

VW ID.Polo, Renault 5 E-Tech, Citroen e-C3


Stärken

  • Wertiges Interieur
  • Geringer Verbrauch
  • Gutes Preis-Leistungsverhältnis.

Schwächen

  • Schwache Ladeleistung
  • Beliebiges Design
  • Keine ebene Ladefläche

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Geely wer? Die Chinesen mischen bei Mercedes und Aston Martin mit

Die Preisbrecher kommen. Chinesische Autohersteller ändern ihre Taktik und greifen nun bei den Kleinwagen an. Geely, Chinas siebtgrößter Fahrzeug-Konzern, schickt seinen erfolgreichen E2 ins Rennen um die deutsche Kundschaft. Der 4,13 Meter lange Stromer aus China ist ein echter Senkrechtstarter. Seit Modellstart wechselten 465.000 Exemplare den Besitzer, weshalb Geely sich jetzt mit dem Titel „meistverkaufter Elektro-Kleinwagen der Welt“ schmückt. Geely – wer?

Bislang haben die Chinesen mit Ihrer Holding hauptsächlich im Hintergrund agiert. Zumindest in Europa. Zum Konzern gehören als prominentester Vertreter die Marke Volvo mit ihrer Schwester Polestar und der ehemalige britische Sportwagenhersteller Lotus. Mit Lynk & Co und Zeekr besetzt Geely weitere Felder – vom Lifestyle- bis hin zum absoluten Luxus-Segment. Beteiligt sind die Chinesen mit knapp zehn Prozent auch an Mercedes-Benz – und damit auch an Smart. Der Anteil beim britischen Sportwagen-Hersteller Aston-Martin liegt bei rund 14 Prozent. Mit etwas über 1,4 Millionen verkauften Autos im ersten Halbjahr 2026 zählt Geely zu den Schwergewichten der Branche. Und jetzt bringt das an der Hongkonger Börse notierte Unternehmen auch noch seine eigenen Fahrzeuge nach Europa.

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Mit 19.990 Euro unterbietet Geely VW und Renault

Der E2 ist dabei die Nummer 3. Mit dem E5 tritt bereits ein reines Elektro-SUV in der VW-ID.4-Klasse an. Während der Starray EM-i (ebenfalls ein SUV) als Plug-in-Hybrid Toyota RAV4 und Konsorten in die Parade fahren will. Im B-Segment warten ebenfalls illustre Konkurrenten auf den E2. Von Renaults Retro-Stromer R5 E-Tec bis hin zum Wolfsburg-Newcomer ID.Polo. Um hier bestehen zu können, dreht Geely an der größten Schraube, die es gibt – am Preis.

Mit 19.990 Euro buhlt das Einstiegsmodell um die preisbewusste Kundschaft. Das sind 5.000 Euro weniger, als der Volkswagen kostet. Zu den Franzosen beträgt der Abstand sogar über 6.000 Euro. Und damit nicht von vorneherein ein Billigheimer-Image entsteht, legen die Chinesen bei der Garantie noch einen drauf: Acht Jahre oder 200.000 Kilometer auf Fahrzeug und Batterie (70 Prozent) – das ist schon eine Ansage. Dünn sind noch Händler- und Werkstattnetz, aber es soll wachsen. Und bei der Ersatzteilversorgung beruhigt Geely mit dem Hinweis, dass man ein eigenes Lager in Europa einrichtet für die wichtigsten Komponenten – und dass alles andere innerhalb von drei Tagen eingeflogen wird.

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Kleinwagen mit edlem Interieur aber Schwächen im Kofferraum

Aber nun zum Geely E2, dem Stromer mit den freundlichen Froschgesicht. Unser Testwagen kommt dazu passend in leichtem Grün daher. Polarlicht-Grün, um genau zu sein. Das Auto sieht knuffig aus – aber auch ein wenig nichtssagend. 4,13 Meter misst die Karosserie in der Länge, in der Höhe sind es 1,58 Meter und der Radstand bietet mit 2,65 Metern ausreichend Platz für die Passagiere. Im Fond gibt es zwar drei Sitze mit Kopfstützen, der Raum reicht aber höchstens für zwei schlanke und biegsame Erwachsene. Denn das Einsteigen hinten ist ein wenig mühsam.

Mit zwei pfiffigen Ideen überraschen die Chinesen ihre Kundschaft im Innenraum. Unter der Rücksitzbank gibt es ein zusätzliches Fach, in dem man zum Beispiel einen Rucksack verstauen kann. Und das Handschuhfach ist eine Schublade, in der man weit mehr unterbringt als die namensgebenden Handschuhe. In den Kofferraum passen 375 Liter – und damit deutlich mehr als in den Renault 5 (271l), aber weniger als in den ID.Polo (441l). Aber dafür hat der E2 als einziger vorne einen Frunk, der noch mal 70 Liter fasst. Kleines Qualitäts-Detail am Rande: Die Motorhaube wird von einer Hydraulikfeder gehalten.

Überraschend fein und hochwertig präsentiert sich auch das Interieur. Das weiße Kunstleder sieht gut aus, und fühlt sich hochwertig an. Hinter dem Lenkrad blickt man auf einen flachen Digital-Tacho mit den notwendigsten Informationen. Der Hauptakteur im Cockpit ist hingegen der 14,6 Zoll große Zentral-Bildschirm, der sich nach einiger Übung gut bedienen lässt. Ein Sonderlob gebührt den Geelys dafür, dass man nervende Assistenten wie Geschwindigkeits- und Aufmerksamkeitswarner gruppieren kann und sie mit einem einzigen Touch ausschalten lassen. Apropos Assistenten: Sie reagieren wie so oft bei chinesischen Herstellern zu nervös, um nicht zu sagen, hysterisch. Hier wäre mehr Gelassenheit eine gute Idee.

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Bei der Beschleunigung hilft Gelassenheit

Gelassen muss man auch sein, wenn man zum Thema „Beschleunigung“ kommt. Sportliche Attitüden kann man dem Geely E2 nämlich nicht nachsagen. Den Kleinwagen gibt es mit zwei Layouts. Mit einem 35-kWh-Akku (Reichweite 252 Kilometer) und 60 kW/82 PS oder mit einer 47-kWh-Batterie (345 km) und 85 kW/116 PS. Letztere Variante kostet fast 4.000 Euro mehr – und braucht elf Sekunden von 0 auf 100. Ein Quantensprung im Vergleich zum Einstiegsmodell, das mit 14 Sekunden eher im Schneckentempo unterwegs ist.

Das gilt auch für die Höchstgeschwindigkeit! In beiden Fällen ist bei 130 km/h Schluss. Ausflüge auf die deutsche Autobahn dürften damit nur rein sporadisch sein. Dennoch fährt sich der Geely E2 nicht völlig spaßbefreit, denn er vertraut im Vergleich zur Konkurrenz auf einen Heckantrieb. Fahrwerk und Lenkung sind in Ordnung, nicht ganz so gefühllos wie bei vielen anderen chinesischen Herstellern. Dafür hat das Entwicklungszentrum in Raunheim bei Frankfurt gesorgt. Zumindest für den Hausgebrauch. Schaut man etwas näher hin, entpuppt sich das Einsteuern als eher schwammig, das Fahrwerk reagiert in scharf gefahrenen Kurven nicht immer sattelfest. Und bei nassem Asphalt würden wir die Hand nicht ins Feuer legen.

Überzeugt hat uns der Verbrauch. Mit 13,2 kWh auf der von uns relativ flott gefahrenen Teststrecke haben wir die offiziellen Angaben (15,5 bis 15,9 kWh) glatt unterboten. Von daher halten wir die Reichweiten-Angaben für realistisch. Enttäuschend sind hingegen die Ladezeiten. Bei Wechselstrom (AC) fließen 3,7 bis 6,6 kW und bei Gleichstrom je nach Akkuvariante nur 60 oder 80 kW. Das ist solides Mittelfeld. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Erstes Fazit

Emotional hat uns der Kleinwagen zwar nicht mitgerissen, aber wenn man statt dem Herzen das Hirn einschaltet, spricht viel für den kleinen Chinesen. Zunächst einmal die hochwertige Ausstattung, dann der geringe Preis und schließlich fährt sich der Stromer ja auch ganz ordentlich. Für den Betrieb im urbanen Umfeld ist der Geely jedenfalls eine echte Option. Ob man 5.000 Euro mehr ausgeben will für die deutsche Konkurrenz, das ist nicht nur eine Frage des Patriotismus. Der ID.Polo ist insgesamt betrachtet, das erwachsenere Auto. Aber der E2 von Geely rückt dem Volkswagen-Stromer schon stark auf die Pelle. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Torsten Weigl / Hersteller).

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Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.