Dacia Duster hybird-G 150 4x4 im Test: Allrad und 1.500 Kilometer Reichweite

Der Dacia Duster Hybrid G-150 4x4 auf einen Blick
Was uns gefällt
Das Preis-Leistungsverhältnis.
Was wir vermissen
Eine bessere Abstimmung des Hybrid-Antriebs.
Ideal wenn …
… man ab und zu ins Gelände muss.
Die Alternativen (mit Allrad)
Suzuki S-Cross Allgrip, Subaru Crosstrek, Jeep Avenger 4xe
Stärken
- Faire Preisgestaltung
- Sehr alltagstauglich
- Gut für leichtes Gelände
Schwächen
- Ruppiger Hybrid-Antrieb
- Teils sehr einfache Materialien
- Kleinerer Kofferraum
An der Tankstelle braucht man zwei Zapfsäulen
Während andere Hersteller noch vom Besten aus zwei Welten reden, legt Dacia einfach noch eine(n) drauf. Das Beste aus drei Welten - das bietet der neue Antrieb des Duster. Der Hybrid G-150 4x4 verbrennt neben Benzin nämlich auch Gas und hat zudem noch eine E-Maschine an Bord.
Ausgerüstet mit zwei 50-Liter-Tanks schafft er so eine Reichweite von bis zu 1.500 Kilometern. Da wird jedes Elektroauto blass. Hybrid G-150 4x4 - das hört sich kompliziert an und ist es auch. Denn die Technik ist komplex. Fangen wir beim Verbrenner an. Der 1,2-Liter-Dreizylinder wird von einem 48-Volt-Netz und einem Startergenerator unterstützt. Seine Kraft (120 PS/ 230 Nm Drehmoment) schickt er ausschließlich auf die Vorderräder. Auf der Hinterachse sitzt eine E-Maschine (31 PS / 87 Nm) mit einem Zweigang-Getriebe. Sie ist exklusiv für den Heckantrieb zuständig.
Dacia verspricht: 60 Prozent elektrischen Fahranteil in der Stadt
Interessant: Zwischen den beiden Achsen gibt es keine mechanische Verbindung. Das Auto fährt also je nach Anforderung entweder im Front-, Heck- oder Allradmodus. Im Gelände etwa, wenn zusätzliche Traktion und Drehmoment gefragt sind, arbeiten beide Antriebe Hand in Hand. Geht es auf die Autobahn, wird der Elektromotor weitestgehend ruhiggestellt. Im langsamen Stadtverkehr wiederum hat der Benziner Pause, und nur die elektrische Heckmaschine sorgt für Vortrieb.
Unterstützt wird die E-Maschine bei ihren Aufgaben von einem 0,84 kWh großen Akku, der beim Bremsen aufgeladen wird, und den nötigen „Saft“ zur Verfügung stellt. In der Stadt, so rechnet Dacia, kann der Duster so bis zu 60 Prozent rein elektrisch fahren.
LPG-Antrieb: Höherer Verbrauch, trotzdem billiger
Warum dieser enorme technische Aufwand? Dacia möchte mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens sinkt durch den LPG-Einsatz der CO₂-Ausstoß – rund zehn Prozent weniger im Vergleich zum Benzin. Zweitens senkt Gas auch die Betriebskosten. Auf 100 Kilometer benötigt der Duster laut Herstellerangaben 6,0 Liter Benzin (entspricht etwa 10,50 Euro) oder 7,3 Liter LPG (rund 7,50 Euro). Macht eine Ersparnis von drei Euro. Drittens: Durch die beiden 50-Liter-Tanks kommt der Duster bis zu 1.500 Kilometer weit.
Damit ist dieser Antrieb weit mehr als ein Diesel-Ersatz. Und viertens schließlich: Das System bietet Allradantrieb und damit auch ordentliche Geländetauglichkeit. Zumindest für den Hausgebrauch. Wegen der fehlenden Kardanwelle gibt es nämlich auch keine Mittelsperre, die bei ernsthaftem Offroad-Einsatz schon fast Pflicht ist. Warum ein Zweigang-Getriebe an der Hinterachse? Durch die kurze Übersetzung kann die E-Maschine dadurch schnell maximales Drehmoment liefern für extreme Steigungen oder im schweren Gelände. Der zweite Gang sorgt dafür, dass der Motor effizient läuft, auch bei höheren Geschwindigkeiten.
Antrieb und Bremsen unharmonisch, Fahrwerk und Lenkung gut
Viel Theorie, aber wie fährt sich das Auto im Alltag? Erstaunlich unspektakulär ist unser erster Eindruck. Die Beschleunigung des 1,6 Tonnen schweren Gefährts erfordert wie erwartet Geduld: Null auf Tempo 100 in 10,2 Sekunden. Will man Drehzahl, um vorwärtszukommen, reagiert der Dreizylinder brummig, laut und unwirsch. Hohe Touren lassen die Ohren klingeln. Beim Tritt aufs Gaspedal legt das Doppelkupplungsgetriebe die ein oder andere Gedenksekunde ein. Das wirkt unharmonisch.
Leider trifft das auch auf die Bremsübergänge zu. Das Blending, also wenn es von der elektrischen Bremse auf die mechanischen Scheiben übergeht, ist nicht so sauber, wie es sein könnte. Aber das lässt sich sicher über die Software nachbessern. Spaß macht dieser Antrieb, wenn man das Gaspedal nur streichelt, dann gleitet der Dacia Hybrid-G 150 4x4 ganz entspannt über die Straßen. Mit einer sauberen Lenkung, die gute Rückmeldung gibt, und auch mit der Rückstellung sind wir einverstanden. Das Fahrwerk des Duster reagiert präzise und robust. Wer adaptives Dämpferwerk liebt, der wird hier nicht glücklich. Wer ein Fahrgefühl haben will, das sich echt anfühlt, ist im Dacia genau richtig. Nicht geschafft haben wir den angegebenen Verbrauch von 6,0 Litern Benzin, bei uns waren es gute zwei Liter mehr.
Mehr Leistung für das ganze Motorenprogramm
Neben dem neuen Allrad-Antriebsstrang hat Dacia auch die anderen Motorisierungen überarbeitet. Der Hybrid 155 ersetzt den Hybrid 140, bietet, wie der Name schon sagt, jetzt 15 PS mehr und will dank eines 1,4 kWh großen Akkus in der Stadt 80 Prozent der Fahrten elektrisch erledigen. Der schon bekannte Mild-Hybrid bekommt ebenfalls einen Leistungsaufschlag mit zehn PS. Und das LPG-Modell Eco-G steigert sich auf 120 PS. Mit den zwei Tanks ist eine Reichweite von 1.380 Kilometern drin.
Sonst bleibt auch der neue Duster ein Duster. Ein robustes Auto, das seit der Einführung der dritten Generation 2024 sogar schick aussieht und auch über alle möglichen Ausstattungsmerkmale verfügt, die frühere Besitzer vermisst haben könnten. Also auf Wunsch ein 10,1 Zoll großes Display, Rückfahrkamera, eine automatische Heckklappe (nachrüstbar) oder ein Heer von elektronischen Helfern wie ein Notbremssystem mit Fußgängererkennung.
Erstes Fazit
Auch der technisch erneuerte Dacia Duster zeigt, warum er unter den Top Ten bei den Verkaufszahlen in Europa ist. Ein preisgünstiges Auto, das entgegen der ursprünglichen Werbeaussage nun doch ein Statussymbol geworden ist. Ob man Hybrid-G 155 4x4 braucht – das lassen wir mal dahingestellt. Der große Nachteil: Mit 348 bis 1.414 Litern fällt der Kofferraum deutlich kleiner aus als beim frontgetriebenen Mildhybrid (517 – 1.609 Liter). Dafür bekommt man ein Allradfahrzeug, das auch im Gelände eine gute Figur macht. Und er kann ziehen: Bis zu 1,5 Tonnen, das reicht für einen Pferdeanhänger. Zumindest mit einem Gaul. Die Preise starten bei 27.490 Euro für diese Motorisierung. Und beweisen wieder einmal, dass ein preisgünstiges Auto nicht billig sein muss. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)
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