Kurztest BYD Dolphin G DM-i: Überraschung aus Fernost

Der neue BYD Dolphin G DM-i auf einen Blick
Was uns gefällt
Der tatsächlich sehr gute Hybridantrieb.
Was wir vermissen
Eine Taste, um all die Überwachung zu deaktivieren.
Ideal wenn ...
... Preis und Leistung im guten Verhältnis stehen sollen.
Die Alternativen
MG 4 Urban, VW (ID) Polo, VW Golf e-hybrid, Hyundai Ioniq 3, Kia EV2
Stärken
- Hohe Gesamtreichweite
- Bequeme Sitzposition
- Ab "Boost" mit DC-Laden
Schwächen
- Nervige Assistenten
- Wenig Platz im Fond
- Kofferraum mit hoher Ladekante
Die Lernkurve von BYD ist steil
Bevor uns jemand vorhält, wir würden China-Bashing betreiben, die heimische Autoindustrie in Watte packen oder ohnehin zu den influencenden Personen hiesiger Hersteller gehören: Das hier ist der BYD Dolphin G DM-i, wobei DM für Dual Mode steht. Ein auf den ersten Blick ziemlich überzeugender Kompaktwagen, dessen Hybridantrieb kombinierte Reichweiten jenseits der 1.000 Kilometer ermöglichen soll. Ob das tatsächlich so ist, konnten wir aufgrund der Kürze der Zeit beim GTEST 2026 des German Car of the Year Award im hessischen Alsfeld noch nicht final herausfinden. Wohl aber hinterlässt der 4,16 Meter kurze Dolphin eine heftige Duftmarke, die ausdrücklich nichts mit chemiewaffenähnlichen Ausdünstungen anderer China-Modelle im Innenraum zu tun hat.
Schlichtweg: Die Lernkurve von BYD ist steil. Sehr steil. Deshalb ist auch anzunehmen, dass der Denza Z9 GT schon bald in verbesserter Form in Bremerhaven oder Wilhelmshaven anlanden wird. Schließlich wollen sich die Asiaten nicht die Schweineschwarte vom Reis ziehen lassen.
Augen auf bei der Namenswahl
Aber zurück zum Dolphin G DM-i. Etwas mehr Augenmerk bei der Namenswahl könnte helfen, die Unterscheidung zwischen den einzelnen Produkten zu verbessern. Gemeinhin hat der Dolphin G wenig mit den beiden anderen „Dolphins“ zu tun. Er ist größer, technisch ausgereifter und insgesamt deutlich erwachsener. Wobei man schon sagen muss, dass Sitzen im Fond jenseits der 1,94 Meter weiterhin keine Freude bereitet. Da wird es hinten dann eher kontemplativ als komfortabel.
Wie das besser geht, zeigt der MG 4 Urban, aber das ist eine andere Geschichte vom GTEST 2026. Der BYD Dolphin G DM-i startet derweil bei 28.990 Euro. Selbst mit voller Ausstattung dürfte er durch Rabatte und Förderanspruch kaum die Marke von 35.000 Euro knacken. Das ist preislich eine klare Ansage an VW und die Modelle Polo, Golf und ID.3. Äußerlich gefällig gezeichnet, muss es dann vielleicht auch nicht gerade Kommunalorange als Wagenfarbe sein. Es sei denn, man möchte in der Innenstadt direkt für die Stadtreinigung gehalten werden.
Kein Feigenblatt: Der DM-i-Antrieb ist auf häufigen E-Betrieb optimiert
Während Geschmäcker verschieden sind, schlummert das eigentliche Highlight unter der Motorhaube. Dort steckt immer ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Saugbenziner, der nach dem effizienten Atkinson-Prinzip arbeitet und primär als Stromgenerator dient. Eigentliche Antriebseinheit ist der modellabhängig zwischen 129 kW / 179 PS und 156 kW / 212 PS starke Elektromotor an der Vorderachse. Er gewinnt seine Energie aus einer ebenfalls modellabhängig 7,8 bis 18,3 kWh großen BYD-Blade-Batterie. Die jeweils stärkere Ausbaustufe des Dual-Mode-Systems ist den Ausstattungslinien Boost, Comfort und Sport vorbehalten. Einzig der Dolphin G DM-i Active als Basisvariante setzt auf die schwächeren Antriebskomponenten.
Gefahren sind wir beim GTEST 2026 die Comfort-Variante, und die sorgte schon für große Augen. Seit wann können die Chinesen so gute Plug-in-Hybride bauen, denkt man sich. Im Hybrid-Modus schaltet der Vierzylinder beinahe unmerklich zu und ab, wobei die Bordelektronik versucht, den Verbrenner so selten wie möglich zu bemühen. Die reine E-Reichweite liegt mit der großen Batterie bei für die Fahrzeugklasse beachtlichen 105 WLTP-Kilometern, die Gesamtreichweite gibt der Hersteller mit bis zu 1.040 Kilometern an. Selbst wenn es im Alltag etwas weniger sein sollte, ist das am Ende weiterhin Diesel-Niveau.
Dolphin G kann mit bis zu 39 kW DC-Schnellladen
Auch beim Laden bieten die Chinesen ein solides Paket. Die Basisvariante des Dolphin G DM-i lädt zwar nur mit sehr mageren 3,3 kW, muss aber auch nur die kleine 7,8-kWh-Batterie füttern. Der 18,3 kWh große Blade-Akku kann dagegen mit 6,6 kW AC oder deutlich besser mit 39 kW DC laden. Zehn auf 80 Prozent werden in gut 26 Minuten angegeben. Das sollte reichen, um die Batterie während des Supermarktbesuchs wieder aufzuladen, sofern man sich nicht nur schnell ein Packerl Milch holt.
Positiv überrascht waren wir auch vom Ausstattungsniveau des getesteten Comfort-Modells. Hier will man bei BYD eindeutig nicht kleckern, sondern klotzen. Zum Umfang zählen unter anderem ein Panorama-Glasdach mit elektrischem Sonnenschutzrollo, was in dieser Klasse gewiss nicht selbstverständlich ist, ein Head-up-Display, Sitze mit teilweisem Kunstlederbezug, elektrische Sitzverstellung mit Lendenwirbelstütze für den Fahrer sowie 18 Zoll große Räder. Das 12,8 Zoll große Infotainment-System integriert Google Dienste, Google Maps und Google Assistant.
Fahrverhalten auf europäischem Niveau
Positiv fiel beim Kurztest zudem auf, dass man den Dolphin G anscheinend wirklich für europäische Bedürfnisse entwickelt hat. Das Fahrwerk verdient durchaus seinen Namen, macht den Kompaktwagen zwar nicht zur Sänfte, vermittelt aber auch in schnelleren Kurven viel Vertrauen. Gleiches gilt für die Lenkung, die ihre Sache ordentlich verrichtet. Einzig das Thema Assistenten haben sie im fernen Osten weiterhin nicht ganz im Griff. Eine Schnellwahltaste zum Deaktivieren der reichlich vorhandenen Bevormundungssoftware gibt es nicht, der Aufmerksamkeitswarner gehört mitunter zu den strengeren Exemplaren der Industrie. Dass sich der Spurhalteassi jenseits der 130 km/h ausschaltet, ist in Deutschland ebenfalls nicht ideal.
Die Fahrleistungen des kleinen Chinesen sind dabei durchaus ansehnlich. Mit dem 212 System-PS starken Hybridantrieb geht es in 8,3 Sekunden auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird bei Tempo 180 erreicht. Die Kabine bleibt selbst bei Landstraßentempo angenehm ruhig. Leichte Windgeräusche darüber müssen aufgrund des Preises wohl oder übel toleriert werden. Dafür hält sich der an ein E-CVT-Getriebe gekoppelte Verbrenner beim Zuschalten überwiegend akustisch im Hintergrund. Einzig bei Kickdown-Fahrten begehrt der Vierzylinder leicht, aber nie störend auf.
Ein Blick in den Bordcomputer zeigt: Der Dolphin G DM-i kann wirklich sparsam
Auch wenn wir die Reichweite von über 1.000 Kilometern nicht final beurteilen können, entnahmen wir dem Bordcomputer nach Fahrtende 17,3 kWh auf 100 Kilometer beim elektrischen Fahren sowie 4,9 Liter auf 100 Kilometer im reinen Benzinbetrieb. Und am Ende sei noch für alle deutschen Leser erwähnt: Auch der BYD Dolphin G DM-i qualifiziert sich für die aktuelle E-Auto-Förderung der Bundesregierung. Werden mit Rabatt und Förderung alle Register gezogen, kann der Dolphin G im Basistrimm bereits ab 18.900 Euro übernommen werden.
Erstes Fazit
Der BYD Dolphin G DM-i hat uns tatsächlich überrascht. Und zwar positiv. Besonders in der Comfort-Variante ab 33.490 Euro brennen die Chinesen ein Technikfeuerwerk ab, das nicht nur auf dem Papier gut aussieht, sondern auch unter realen Bedingungen funktioniert. Der Hybridantrieb ist kräftig und sparsam, das Fahrwerk erfreulich europäisch abgestimmt. Auch bei Materialauswahl (natürlich überwiegt Hartplastik) und Verarbeitung konnten wir in der Kürze der Zeit keine groben Schnitzer entdecken. Einzig bei den Themen Software und Assistenten darf BYD gerne noch stärker auf hiesige Bedürfnisse eingehen. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
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