Kurztest Denza Z9 GT: Rauchzeichen aus Fernost

Bis zu 1.156 PS, 1.210 Newtonmeter und Technikshow aus China: Der Denza Z9 GT will in der elektrischen Oberliga mitspielen. Doch schon nach wenigen schnellen Kilometern wird klar: Leistung allein macht noch lange kein souveränes Auto.

Der neue Denza Z9 GT auf einen Blick


Was uns gefällt

Trotz aller Unbill freilich die schiere Beschleunigung.

Was wir vermissen

Eine ganze Menge: Vor allem Vertrauen in die Technik.

Ideal wenn ...

... einem die Fahrdynamik nicht so wichtig ist.

Die Alternativen

Porsche Taycan Turbo GT, Mercedes-AMG GT 4-Türer, Tesla Model S Plaid


Stärken

  • Sehr hohe Antriebsleistung
  • Laden mit bis zu 1,5 MW
  • Großzügiges Platzangebot

Schwächen

  • Schwache Bremsen
  • Unausgewogene Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung
  • Hohes Fahrzeuggewicht

Denza Front

Willkommen im "Club der 1.000"

Es ist ja mittlerweile schon ein Wahnsinn, was dieser Tage im Automobilbereich an Leistungswerten aufgefahren wird. Erinnert sich überhaupt noch jemand daran, als 500 PS noch eine Ansage waren? Vor kaum 20 Jahren war diese Marke Supersportlern vorbehalten, oder allenfalls einem BMW M5 beziehungsweise einem Audi RS 6. Heute fährt schon die Basisvariante eines BMW iX3 mit knapp 470 PS vor. Und ein Audi e-tron GT quattro tut es gar nicht erst unter 500 PS. Früher hätte man dafür ehrfürchtige Blicke geerntet. Heute fragt der Nachbar höchstens, ob’s den auch mit Wärmepumpe gibt.

Da ist es dann in gewissem Maße nur konsequent, dass die Hersteller nach noch mehr Leistung streben, um besonders ihre Technologieträger vom Rest der Flottenherde abzugrenzen. Porsche tut dies, Mercedes ebenso und BMW wird auch nicht mehr ewig vom Spielfeldrand aus zuschauen. Aus China gesellt sich nun mit dem Markeneintritt von Denza, der Premiumtochter von BYD, ein weiterer Hersteller zum „Club der 1.000“ hinzu. Genau genommen leistet der im Rahmen des German Car of the Year Award gefahrene Denza Z9 GT heftige 850 kW / 1.156 PS und 1.210 Newtonmeter - und das aus gleich drei Elektromotoren. Der Einstandspreis liegt hierzulande bei etwa 140.000 Euro.

denza-z9gt-2026-cockpit

Die Keramikbremse ist mit den 2,9 Tonnen des Denza Z9 GT schlicht überfordert

Um das Unausweichliche nicht unnötig herauszuziehen: Wir verstehen ehrlicherweise nicht den Hype um den Z9 GT, der aktuell in YouTube und anderen sozialen Marketingkanälen breitgetreten wird. Es ist uns schon ein Anliegen, das eindeutig zu schreiben: In seiner jetzigen Form, in seiner jetzigen Abstimmung hinterlässt dieses Auto keinen wirklich souveränen Eindruck - ja, gar einen etwas bedenklichen.

Während ein geübter Autofahrer selbst einen Porsche Taycan Turbo GT problemlos beherrschen dürfte, gestaltet sich das beim Denza Z9 GT deutlich schwieriger. Weder das sehr weiche Luftfahrwerk noch die bis zu zehn Grad einschlagende, ausgesprochen nervöse Allradlenkung können überzeugen. Unter kräftiger Beschleunigung zeigt sich zudem, dass Fahrwerk, Lenkung und Antrieb nicht harmonisch zusammenspielen: Der Vorderwagen richtet sich spürbar auf, die Vorderachse wird entlastet und das Auto wirkt plötzlich erstaunlich beschäftigt damit, einfach nur geradeauszufahren.

Noch "spannender" wird es dann beim Bremsen. So lässt die serienmäßige Keramikbremsanlage, deren Dosierbarkeit und Standfestigkeit ziemlich ausbaufähig ist, bei uns alle Alarmglocken ertönen. Bereits nach wenigen 0-100-0-km/h-Sprints und einer kürzeren Kurvenhatz zeigte der Denza deutliche Rauchzeichen aus den vorderen Radkästen. Schön ist das nicht, wenn man dieses Trumm erst mit spürbarer Verzögerung wieder sauber eingebremst bekommt.

denza-z9gt-2026-fond

Techniche Spielereien ohne Mehrwert

Jetzt kann der eine oder andere vielleicht zurecht anmerken, dass man so nicht fährt. Im Alltag nicht und mit dem Denza Z9 GT ganz sicher nicht auf der Rennstrecke. Aber, werte Herrschaften und liebe Leserinnen: Dieses Auto beschleunigt innert 2,7 Sekunden auf 100 km/h und hat eine eingetragene Höchstgeschwindigkeit von Tempo 270. Da wird uns dann schon ein bisserl mulmig zumute, wenn wir daran denken, dass nachts auf einer zweispurigen Autobahn plötzlich ein Brummi zum Überholen ausschert, während wir mit einer Reisegeschwindigkeit jenseits der 200 angeflogen kommen. Da hilft dann auch kein großes Display und kein noch so gut temperierter Küschlrank mehr.

Auch sonst zeugt der Denza nun nicht gerade von jenem überlegenen Automobilbau, wie er uns von gewissen Experten gerne vorgebetet wird. Nein, wir werden weder von Porsche noch von Mercedes entlohnt. Aber wir meinen dann doch, dass selbst in einem Dacia Sandero die Sitze nahttechnisch sauberer verarbeitet sind.

Wenig Sinn erkennen wir zudem im sogenannten „Krabbengang“ des Denza und schon gar nicht im reifenmordenden 360-Grad-Turn, der wegen Schäden am Asphaltbelag höchstens die Ordnungshüter auf den Plan ruft. Die Ergonomie ist ebenfalls nur Durchschnitt, während einzig der Beinraum im Fond als ziemlich fürstlich durchgeht. Dass der 122,8 kWh große Akku dank Flash-Charging binnen weniger Minuten wieder vollgeladen sein soll, ist zwar fein. Dass wir in Deutschland im Jahr 2026 aber flächendeckend mit bis zu 1,5 MW (oder auch nur 400 kW) laden können sollen, wäre uns neu.

Denza Heck

Erstes Fazit

Um es am Ende einigermaßen höflich auszudrücken: Der Denza Z9 GT kann viel, was andere Hersteller in ihren Autos nicht anbieten. Nur eines kann er (noch) nicht: Vertrauen schaffen! Längsdynamisch mag der Z9 ansatzweise auf Porsche-Niveau unterwegs sein, in Sachen Fahrwerk, Lenkung und besonders bei der Bremse herrscht aber großes Nachholpotenzial. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Peter Ruch + Hersteller)

Artikel teilen

vogelhuber.avif

Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat gilt seine besondere Leidenschaft klassischen Fahrzeugen - sein Traumwagen bleibt der Audi RS 6 Avant C5 in Goodwood Grün.