Erster Test: BMW 5er Facelift – Kleinkram. Haufenweise.

Auf den ersten Blick hat sich nichts getan. Die ersten Verdächtigen beim Blick auf ein Facelift sind die Lichter, doch man muss schon zweimal gucken, um den Unterschied der neuen Scheinwerfer zu erkennen und das klappt auch nur, wenn man sie einschaltet. Das gleiche Bild bei den Rückleuchten, deren grazilere Leuchtstäbe sich erst leuchtend zu erkennen geben.
Kleine Ursache
Auch die Frontschürze hat nur marginale Modifikationen erfahren, sie nimmt jetzt Stilelemente der Ausstattungslinien des 3ers auf. Und zwischen Niere und Scheinwerfern hat sich ein kleiner dynamischer Knick eingeschlichen. Und um das Kapitel der äußerlichen Kleinigkeiten abzuschließen: Im Innenraum bleibt alles gleich, Armaturenbrett, Knöpfe, Bedienung. Es gibt neue Ledervarianten, aber das war‘s dann schon.
Große Wirkung
Die Modifikationen beim 5er GT sind noch effizienter: Er wirkt längst nicht mehr so schwerfällig, obwohl am Blech recht wenig geändert wurde, es fällt lediglich auf, dass die große Chromspange fehlt und die Rückleuchten schlanker gezeichnet sind. Die Abrisskante liegt sogar noch ein paar Millimeter höher als vorher, sagt Produktmanager Frank Schlöder und lächelt. Innen hat sich bis auf neue Ledervarianten auch nicht viel geändert, doch das Wenige ist sehr viel besser: Die Rückbank wurde um etwa zwei Zentimeter zu Gunsten des Kofferraums (+60 Liter) nach vorne verlagert. Auf die Frage, ob das denn nicht das Alleinstellungsmerkmal des GT, die Beinfreiheit, zu sehr einschränkt sagt Schlöder: „Davon hatten wir mehr als genug.“ Beim Reinsetzen fehlt einem dann auch tatsächlich nichts.
Effizienz
Antriebsseitig sind die Veränderungen deutlicher und vor allem dem Markencredo Effizienz verpflichtet. So verbraucht der 520d jetzt so wenig wie vormals die Spritspar-Variante „Efficient Dynamics Edition“: 4,5 Liter pro 100 Kilometer bedeuten 119 Gramm CO2 pro Kilometer. Maßgeblich verantwortlich dafür ist die nochmals optimierte Aerodynamik von Unterboden und Radhausverkleidungen mit einem auf 0,25 gesenkten Cw-Wert. Die Variante mit Achtgang-Automatik wurde um eine Segel-Funktion erweitert, nimmt man also bei fahrendem Auto (zwischen 50 und 160 km/h) den Fuß vom Gas, werden Motor und Antriebsachse entkoppelt, der Wagen rollt, was nochmals Sprit spart. Start-Stopp Automatik versteht sich bei BMW von selbst.
EU-6-Norm
Effizienz zieht sich als roter Faden durch die wichtigsten Verbesserungen: Alle Motoren erfüllen die EU-6-Norm, für die Diesel hieß das vor allem: Reduktion der Stickoxide. Die Varianten mit Allradantrieb erhalten eine Harnstoffeinspritzung, deren Einfüllstutzen sich neben dem des Dieseltanks befindet. Die Hecktriebler erhalten einen wartungsfreien NOx Speicher, der ein Autoleben lang halten soll. Beide Ausführungen – EU-6 sei Dank – ohne Aufpreis.
Diesel
Erstmals kommt im BMW 5er der kleine Diesel zum Einsatz: Im 518d bietet er 143 PS und mehr Drehmoment als im 3er. Einen Verbrauchsvorteil kann er gegen den 184 PS starken 520d jedoch nicht herausfahren. Stärkster 4-Zylinder ist der ebenfalls zwei Liter große 525d mit 218 PS. Die Dreiliter Sechszylinder darüber stoßen in andere Leistungsregionen hervor: 258 und 313 PS leisten 530d und 535d bei Verbräuchen, die nur knapp über fünf Litern liegen sollen – nach NEFZ.
Benziner
Bei den Benzinern ist das Leistungsspektrum ähnlich breit gefächert. Die Vierzylinder 520i und 528i decken den Bereich von 184 bis 245 PS, der Sechszylinder des 535i leistet 306 PS und wird noch vom V8 im 550i mit 450 PS übertroffen.
Neben dem 518d in Limousine und Touring ist der 520d im 5er GT ein weiteres Beispiel für motorisches Downsizing und es ist eine richtige Entscheidung: 184 PS sind für den voluminösen Raumgleiter GT nicht zu wenig.
In allen Motorisierungen ist das Achtgang-Automatikgetriebe von ZF zu haben und zu empfehlen. Es ermöglicht in Verbindung mit dem etwas umständlich benannten Fahrerlebnis-Schalter eine sehr entspannte, weil drehmomentnutzende Schaltcharakteristik. Leider muss sie nach jedem Motorstart wieder aktiviert werden, was der entspannte 5er-Fahrer aber wohl bald als Routine abspeichern wird. Viel Kleinkram bedeutet bei BMW am Ende ein nochmals spürbar verbessertes Auto. In München ist man mit den Verkaufszahlen so zufrieden, dass man wohl einerseits die bestehende Kundschaft mit einer tiefgreifenden Überarbeitung nicht verärgern wollte, den neuen Kunden aber gleichzeitig ein nochmals modernisiertes Auto anzubieten.
Mit allen technischen Gimmicks wie automatische Heckklappenöffnung, Touchpad zur Texteingabe oder Voll-LED-Licht mit automatischer Fernlichtanpassung ist der BMW 5er auf der Höhe der Zeit und dabei (vor allem beim Volumenmodell 520d) sogar noch ein bisschen sparsamer geworden.
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