Gebrauchtwagentest: Audi A3 – Feiner ist keiner

Mittlerweile tummeln sich zahlreiche Gebrauchtexemplare auf dem deutschen Automarkt, die selbst mit hoher Laufleistung noch so viel kosten, wie Kompaktmodelle anderer Herstellern als Neuwagen. Auch wenn der A3 bei Materialwahl und Verarbeitung im Innenraum vorne liegt, bietet die Fahrgastzelle nur segmenttypisches Format. Im Fall des Dreitürers lassen sich vier Erwachsene und 365 Liter Gepäck unterbringen. Mehr Stauraum gibt es, nämlich bis zu 1.100 Liter, wenn man die Rückbanklehne umklappt. Oder man entscheidet sich gleich für die geräumigere Sportback-Variante, die nicht nur zwei zusätzliche Fondtüren bietet, sondern auch einen etwas längeren Radstand und damit Platz für bis zu 1.220 Liter Gepäck. Alternativ hat Audi seit August 2013 auch die Limousine im Programm, die weniger auf Nutzwert als auf elegante Erscheinungsform setzt.
Doch die Fragen nach Kniefreiheit und Literzahlen erscheinen angesichts der noblen Interieur-Welten nachrangig. Alles im A3 ist super passgenau, die Materialien schmeicheln Auge und Hand. Darüber hinaus ist auch die Bedienlogik auf Topniveau. Allein das feine Klicken mancher Schalter ist ein Erlebnis für sich. Angesichts der enormen Vielfalt bei den Ausstattungsoptionen ist allerdings kein A3 wie der andere, was die Suche nach einem Gebrauchten nicht immer leicht macht.
Genügsame und spritzige Motoren
Gleiches trifft auf die Antriebe zu. Mehr als ein Dutzend unterschiedlicher Motoren stehen auf dem Gebrauchtmarkt zur Wahl. Ob Benziner, Diesel, Hybrid oder Erdgas, ob sparsam oder schnell – hier ist für jeden was dabei. Bereits die einfachen TFSI-Benziner reichen. Diese gibt es mit 1,0 bis 1,4 Liter Hubraum und mit 77 kW/105 PS bis 110 kW/150 PS. Allesamt sind genügsam und spritzig. Den besten Spagat schafft hier der 140 PS starke 1.4 TFSI mit der Zylinderabschaltung COD. Wer oft auf langen Strecken unterwegs ist, könnte sich alternativ für einen der vier Dieselmotoren entscheiden, die Durchzugsstärke mit wenig Durst in Einklang bringen. Eine teure und nur auf dem Papier effiziente Variante ist der Teilzeitstromer e-Tron. Ebenfalls teuer, dafür aber sehr spaßbetont, sind die Versionen S3 und RS3, die sich mit 228 kW/310 PS beziehungsweise 270 kW/367 PS als echte Sportwagen empfehlen. Die Motoren werden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wahlweise mit Handschaltgetriebe oder dem deutlich komfortableren Doppelkupplungstriebe S-Tronic kombiniert.
Wer auf ein komfortables Fahrwerk steht, sollte den A3 in der Standardversion wählen. Wer es lieber knackiger mag, ist mit einem Sportfahrwerk besser unterwegs. Der Königsweg ist das Drive-Select-Fahrwerk, welches dem Fahrer die Wahl zwischen Sport und Komfort lässt. Welche Wahl man auch trifft, der A3 Typ 8V bietet hier, anders als der vor allem in den ersten Baujahren viel zu harte Vorgänger, einen ausgewogenen Kompromiss.
Ausstattungsdetails beachten
Wer gebraucht kauft, muss sich nicht mehr mit dem Studium schier endlos langer Preislisten plagen. Aber man sollte auf einige Ausstattungsdetails achten, denn der reinen Basisversion Attraction fehlen ein paar wichtige Extras. Zusätzlich sollten noch Klimaautomatik, Parkpiepser, Tempomat und Sitzheizung an Bord sein. In Hinblick auf Multimedia-Lösungen und Fahrassistenten finden sich ebenfalls viele wünschenswerte Dinge in der Preisliste. Ein besonders attraktiver Helfer ist der Kollisionsverhinderer Pre Sense, der idealerweise ebenfalls bei einem Gebrauchtexemplar dabei ist. Bei den klassischen Regelsystemen wie ESP und in puncto Airbags ist selbst die A3-Basis gut bestückt, was beim EuroNCAP-Crashtest entsprechend volle fünf Sterne einbrachte.
In neue Bremsen investieren
Qualität bietet der Audi A3 reichlich, Schwächen sind hingegen Mangelware. Laut TÜV-Report fällt die Mängelquote beim Kompakt-Audi deutlich niedriger als im Segmentdurchschnitt aus. Gehäufter zeigte der A3 bei Hauptuntersuchungen allerdings fortgeschrittenen Bremsenverschleiß. A3-Fahrer sind gerne schnell und sportlich unterwegs. Ansonsten ist der Kompakt-Audi tadellos. Auch bei einen Dauertests von Auto Motor Sport meisterte der A3 fehlerfrei. Nach 100.000 Kilometer hatten die Tester bei einem S3 ediglich zwei Marderbisse zu beklagen.
Falsch machen – soweit die vorläufige Bilanz – kann man mit einem Audi A3 der dritten Generation eigentlich nichts. Wer sich ein Exemplar aus zweiter Hand besorgen will, sollte vor allem auf den Zustand der Bremsen achten. Sind diese erkennbar verschlissen, kann man vielleicht noch beim Preis verhandeln. Der ist nämlich auch bei gebrauchten Exemplaren die wohl größte Hürde, denn selbst für Exemplare mit halbwegs mäßiger Laufleistung sollte man noch mit gut 15.000 Euro rechnen. Bei anderen Herstellern bekommt man Kompakte für diese Summe als Neuwagen. (sp-x/mh/jms)
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