Mercedes EQE SUV: Die Grenze der Wahrnehmung

Die Traditions-Hersteller wirken noch immer ein bisschen fahrig
Man sollte meinen, dass die Entscheidung pro Elektromobilität nun schon lange genug gefällt ist, man also genug Zeit der Vorbereitung hatte. Doch die Konzernzentralen der Traditionshersteller wirken noch immer ein wenig fahrig, wenn es um das Batterie-elektrische Thema geht – wie man bei Mercedes allein an den doch sehr speziellen Namenskonventionen sehen kann. Immerhin herrscht mit dem aktuellsten Modell nun auf den ersten Blick Klarheit in welcher Kategorie er vorfährt.
Das Mercedes EQE SUV ist die bisher kleinste EVA2-Variante
EQE steht für das elektrische Äquivalent der E-Klasse und SUV für SUV. Mit einer Länge von 4,86 Metern ist der Mercedes-EQ EQE SUV (Stromverbrauch kombiniert: 27,8-17,7 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km)² das bisher kleinste Modell auf Basis der EVA2-Architektur, die auch EQE Limousine und die beiden EQS-Modelle unterbaut. Auch sein Radstand ist neun Zentimeter kürzer als bei der Limousine, bringt es dank weiterhin üppiger 3,03 Meter allerdings trotzdem auf sehr generöse Innenraum-Dimensionen.
Die Schwaben haben in der Entwicklung kaum Kompromisse gemacht
Denn hier spielt der EQE SUV seine Vorteile im Ganzen aus. Mercedes ist bei der Entwicklung der EVA2-Architektur kaum Kompromisse eingegangen und auch die hörigsten Tesla-Jünger und E-Auto-Skeptiker müssen zugeben, dass die Plattform eine sehr gut konstruierte Lösung ist. Flache Böden, hohe Effizienz, perfekte Aerodynamik und üppige Leistungen. Einzig das Design kann man vielleicht als etwas zu kurz gekommen kritisieren – denn die vier Stromer unterscheiden sich schon außen kaum, innen ist es dann noch schwerer.
Hyperscreen, Assistenzsysteme und MBUX in neuester Generation
EQ-typisch finden sich im Innenraum auf Wunsch die wunderbaren Digital-Weiten des Hyperscreens. Doch auch ohne die optionale Glaslandschaft zeigt sich das Mercedes EQE SUV von einer sehr modernen Seite. Das MBUX lässt sich gut bedienen und die E-Routenplanung gehört derzeit zum Besten was der Markt zu bieten hat. Auch die Verarbeitung und das Ambiente sind über jeden Zweifel erhaben, besonders wer etwas tiefer in die Tasche greift und die feinen Lederoptionen wählt.
Bis zu 680 PS im AMG EQE 53 Dynamic Plus
Antriebsseitig startet das Mittelklasse-E-SUV mit dem 350+, der es auf 215 kW, 292 PS und 565 Nm aus einem Motor und Hinterradantrieb bringt. Darüber rangiert der 350 4Matic mit zwei Motoren und gleicher Leistung, aber 765 Nm. Serien-Topmodell ist der EQE SUV 500 4Matic mit 300 kW und 858 Nm, der in 4,6 Sekunden auf 100 km/h sprintet und bis zu 210 km/h schnell fährt. Wer noch schneller stromern will, der muss zu den zwei AMG EQE SUV Derivaten greifen. Im 43er gibt es 476 kW und ebenfalls 858 Nm, der 53er bringt es mit Dynamic Plus-Paket sogar auf 505 kW – also umgerechnet 680 PS – und beeindruckende 950 Nm. Mit seinem 3,5-Sekunden-Sprint stellt er sogar die bisherigen 63er-V8-Biturbos in den Schatten. Bei der Höchstgeschwindigkeit muss er allerdings bei 240 km/h die Segel streichen.
90,6 kWh-Batterie sorgt für Reichweiten bis 590 Kilometer auf dem Papier
Im Boden des Mercedes EQE SUV ist eine ebenfalls gekürzte Version der EVA2-Batterie montiert. Sie bringt es auf 90,6 kWh in allen Varianten und schafft damit im effizienten Einstiegs-Hecktriebler bis zu 590 WLTP-Kilometer zwischen den Ladestopps. Beim 53er AMG sind es immerhin noch 375 Kilometer im ungünstigsten Labor-Fall. Geladen werden kann serienmäßig mit 11 kW am Wechselstrom, optional kann man die drei Phasen auf 32A upgraden und schafft 22 kW. Am Schnellader sind es 170 kW, die EVA2-typisch lange gehalten werden sollten und dem EQE SUV eine ebenfalls sehr gute Langstrecken-Performance ermöglichen dürften.
Marktstart und Preis
Der Produktionsstart im amerikanischen Tuscaloosa ist noch für dieses Jahr im Dezember geplant. Nach der Verschiffung dürften die ersten Exemplare demnach zum Start des neuen Jahres in Europa anlanden. Die Zeit nutzt Mercedes dazu, um die Preise fix zu kalkulieren, diese sind nämlich noch nicht bekannt. Unter 80.000 Euro dürfte das Business-SUV aber nicht zu haben sein. (Text: Fabian Mechtel | Bilder: Hersteller)
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