Auto China 2026: Die Messe, auf der Europa merkt, dass die Zukunft nicht mehr nur aus Europa kommt

Die Auto China 2026 gab einen klaren Blick auf die neue Stärke der Hersteller aus dem Osten. Batterie, Software und Ladeleistung zählen dort längst mehr als Tradition. Europas Marken zeigten spezielle China-Modelle, Chinas Hersteller weltweite Ambitionen und manche Kopie wirkte gefährlich gut.

Peking ist nicht mehr nur eine weitere Automesse

Die Auto China 2026 war keine Messe für Nostalgiker. Wer dort neue Lackfarben, Sondermodelle und ein bisschen Markenpathos suchte, war falsch. Peking zeigte eine Autoindustrie, die schneller arbeitet, härter kalkuliert und technischer denkt als vieles, was man aus Europa gewohnt ist. Mehr als 1.400 Fahrzeuge, über 180 Weltpremieren und eine Hallenlandschaft, in der klassische Hersteller, Batterieentwickler, Softwarekonzerne, Robotikfirmen und neue Mobilitätsmarken gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpften.

Der entscheidende Unterschied: China baut nicht mehr nur Autos. China baut automobile Systeme. Batterie, Plattform, Software, Assistenz, Ladeinfrastruktur, KI-Cockpit und digitale Ökosysteme werden enger zusammengedacht als bei vielen traditionellen Herstellern. In Europa ist ein neues Modell oft eine neue Karosserie auf bekannter Technik. In Peking ist ein neues Auto häufig gleich ein neues Ladeversprechen, ein neues Betriebssystem, ein neuer Cockpit-Chip oder eine neue Submarke.

Der Markt erklärt diese Geschwindigkeit. China ist längst einer der wichtigsten Märkte für elektrifizierte Fahrzeuge. 2025 erreichten sogenannte New Energy Vehicles – also reine Elektroautos, Plug-in-Hybride und Range-Extender – knapp die Hälfte des chinesischen Gesamtmarkts. Für 2026 wird erwartet, dass ihr Anteil weiter steigt und im Pkw-Bereich deutlich über 50 Prozent liegen kann. Das heißt: Elektro ist in China kein Zukunftsthema mehr, sondern Alltag. Der Kunde kennt Reichweiten, Ladeleistungen, Batterietypen und Assistenzsysteme. Er erwartet große Displays, gute Sprachsteuerung, Online-Funktionen, OTA-Updates und kurze Ladezeiten.

Dazu kommt das Preisthema. Benzin ist in China zwar günstiger als in Österreich, bleibt aber ein relevanter Kostenfaktor. Anfang Mai 2026 lag der Literpreis grob bei rund 9 Yuan, also etwa 1,15 Euro. Eine 50-Liter-Tankfüllung kommt damit auf ungefähr 57 Euro. Strom ist deutlich günstiger, vor allem zuhause. Bei typischen Haushaltsstromtarifen kostet eine 60-kWh-Vollladung rechnerisch oft nur rund 3 bis 5 Euro. An öffentlichen Schnellladern ist es teurer; je nach Standort und Tarif kann dieselbe Ladung eher im Bereich von 10 bis 15 Euro liegen. Trotzdem bleibt der Betrieb eines Elektroautos für viele chinesische Fahrer spürbar günstiger als der eines Verbrenners.

Auch deshalb sind 800-Volt-Systeme, LFP-Batterien, Batterie-Schnellladung, LiDAR-Sensorik, KI-Sprachmodelle und starke Cockpit-Chips in China keine Randnotizen, sondern Verkaufsargumente. In Europa wird oft noch diskutiert, ob Elektro im Alltag funktioniert. In China wird schon gefragt, ob 400 kW Ladeleistung reichen. Und während bei uns eine ordentliche Schnellladeinfrastruktur noch immer Standort für Standort diskutiert wird, wächst China in völlig anderen Dimensionen: mehr als 20 Millionen Ladepunkte, davon mehrere Millionen öffentlich zugänglich.

Auch Plug-in-Hybride und Range-Extender spielen in China eine große Rolle. Das wirkt aus europäischer Sicht manchmal widersprüchlich, weil hier politisch stark auf reine Batterieelektrik fokussiert wird. In China denkt man pragmatischer. Große SUV und Vans bekommen elektrische Alltagsreichweite, behalten aber einen Verbrenner als Generator oder Zusatzantrieb. Für Kunden bedeutet das: kurze Strecken elektrisch, lange Strecken ohne Ladezwang.

Für europäische Hersteller ist das unbequem. Audi, BMW, Mercedes, Porsche, Volkswagen, Peugeot und Hyundai waren in Peking nicht als Lehrmeister unterwegs. Sie standen dort als Marken, die sich erklären müssen. Warum kostet ein europäisches Auto mehr? Warum lädt es nicht schneller? Warum wirkt die Sprachsteuerung alt? Warum dauert eine neue Modellgeneration vier oder fünf Jahre, wenn chinesische Hersteller in dieser Zeit eine ganze Plattformfamilie nachschieben?

Porsche Cayenne Turbo Coupé Electric: Das Original unter Strom

Der Porsche Cayenne Turbo Coupé Electric war eine der wichtigsten echten Weltpremieren der Messe. Dass Porsche dieses Auto in Peking zeigt, sagt viel. China ist für die Marke zu wichtig, der Cayenne ist wirtschaftlich zu wichtig, und das elektrische Luxus-SUV-Segment wird zu hart umkämpft, um es auf einer Nebenbühne zu eröffnen. Besonders wo es der Marke gerade nicht allzu gut geht.

Porsche Cayenne Turbo Coupé Electric

Technisch wird der elektrische Cayenne zum Prüfstein. Ein großes E-SUV schnell zu machen, ist heute keine Kunst mehr. Zwei starke E-Motoren, Allrad, große Batterie, viel Leistung – fertig ist der beeindruckende Sprintwert. Ein Porsche muss aber mehr können – sollte er zumindestens. Ein Cayenne Electric muss auch lenken, bremsen, federn und rekuperieren wie ein Porsche. Genau dort entscheidet sich, ob es ein echtes Porsche-Modell ist oder nur ein schnelles Elektro-SUV mit bekanntem Wappen.

Die Daten passen zur Ansage: bis zu 850 kW, also 1.156 PS, im Overboost, bis zu 1.500 Nm, 0–100 km/h in rund 2,5 Sekunden, 113-kWh-Batterie, 800-Volt-Architektur und DC-Laden mit bis zu 400 kW unter idealen Bedingungen. Der Bereich von 10 auf 80 Prozent soll unter 16 Minuten möglich sein. Dazu kommen adaptive Luftfederung, Porsche Active Suspension Management, optional Porsche Active Ride und Hinterachslenkung mit bis zu fünf Grad Einschlag.

Für Österreich ist dieses Auto direkt relevant. Der elektrische Cayenne wird im Luxus-SUV-Segment eine zentrale Rolle spielen. Er trifft auf Kunden, die Reichweite, Leistung, Alltagstauglichkeit und Marke wollen. Gleichzeitig zeigt er das neue Problem europäischer Premiumhersteller: Rundherum entstehen chinesische E-SUVs mit ähnlichen Zahlen, teils viel Ausstattung und sehr selbstbewusstem Auftritt. Porsche bleibt das Original. Aber das Original muss stärker erklären, warum es das Original ist.

BMW iX3 Long Wheelbase und i3 Long Wheelbase: Neue Klasse, chinesisch gedehnt

BMW zeigte mit dem iX3 Long Wheelbase und dem i3 Long Wheelbase zwei neue China-Modelle auf Basis der Neuen Klasse. Der lange Radstand ist dabei kein optischer Gag. In China ist Beinfreiheit im Fond ein Statusmerkmal. Während ein BMW in Europa noch stark vom Fahrersitz aus bewertet wird, zählt in China stärker der Platz hinten. Wer Premium kauft, will nicht nur fahren, sondern auch gefahren werden können.

BMW iX3

Der iX3 Long Wheelbase rollt mit einem Radstand von 3.005 mm vor, also in der Größenordnung eines aktuellen X5. Die China-Version erhält lokale Softwareintegration, digitale Fondorientierung und ein für China angepasstes Assistenzpaket. Der i3 Long Wheelbase folgt derselben Logik im Limousinenformat. Für Europa kommen diese Versionen kaum. BMW zeigt, wie dehnbar die Neue Klasse sein muss: in Europa fahrerorientierter, in China komfortorientierter.

Mercedes-Benz GLC L Electric: Luxus beginnt hinten

Der neue Mercedes-Benz GLC L Electric ist ein klassisches China-Modell: länger, geräumiger, komfortorientierter. Das L steht nicht nur für Radstand, sondern für eine andere Auffassung von Premium. In China ist ein SUV dieser Klasse nicht nur Dienstwagen oder Familienauto, sondern auch Repräsentationsraum.

Mercedes-Benz GLC L Electric

Technisch muss der GLC L Electric mehrere Rollen gleichzeitig erfüllen. Er nutzt eine elektrische Plattform mit 800-Volt-Technik, ist als Fünf- und Sechssitzer ausgelegt und misst rund 4,95 Meter in der Länge bei etwa 3,03 Meter Radstand. Die anfängliche Allradversion wird mit zwei E-Motoren, rund 310 kW / 421 PS und 800 Nm starten.

Im Innenraum warten ein bis zu 39,1 Zoll breiter MBUX-Hyperscreen, Qualcomm-Snapdragon-8295-Chip, MB.OS, OTA-Fähigkeit und lokale Sprach-/KI-Integration. Für Österreich ist diese Langversion kaum relevant.

AUDI E7X: Audi ohne Ringe, aber mit 900 Volt

Der AUDI E7X ist eine der spannendsten Neuheiten der Messe, weil er nicht nur ein neues SUV ist, sondern ein neues Markenexperiment. AUDI, groß geschrieben, ohne vier Ringe, gemeinsam mit SAIC entwickelt und ausschließlich für China gedacht. Für eine Marke, die normalerweise stark von ihrem Symbol lebt, ist das ein bemerkenswerter Schritt.

AUDI E7X

Er basiert auf einer 900-Volt-Architektur, kommt mit 100- oder 109-kWh-Batterie, erreicht in der großen Ausführung über 750 km CLTC-Reichweite und soll dank 4C-Schnellladen von 10 auf 80 Prozent in rund 13 Minuten laden. Der Hecktriebler leistet etwa 300 kW, die quattro-Version rund 500 kW und sprintet in etwa 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Nach Österreich kommt der E7X nicht. Trotzdem ist er wichtig. Audi zeigt damit, dass die klassische Markenformel in China nicht überall gleich funktioniert. In Europa wirken die vier Ringe. In China braucht es offenbar eine zweite Sprache: lokaler, digitaler, schneller. Der nächste europäische Audi wird nicht E7X heißen. Aber ein bisschen E7X könnte trotzdem in ihm stecken.

Volkswagen ID. UNYX 09, ID. AURA T6 und JETTA X: China als Nachhilfe

Volkswagen zeigte in Peking keine Modelle, die morgen in Österreich stehen. Aber der Auftritt war wichtig, weil er zeigt, wie sehr VW in China umdenken muss. ID. UNYX 09, ID. AURA T6 und JETTA X stehen für drei Antworten auf denselben Druck: China verlangt lokal entwickelte, digitale und preislich schärfere Elektroautos.

JETTA X

Der ID. UNYX 09 entstand in der Kooperation mit Xpeng. Das ist ein starkes Signal. Volkswagen, jahrzehntelang in China fast unangreifbar, holt sich inzwischen Tempo und Softwarekompetenz von einem chinesischen Elektrohersteller. Der ID. AURA T6 baut auf der China Electronic Architecture auf, inklusive lokalem ADAS-System. Der JETTA X wiederum zeigt den elektrischen Einstieg: robustes Kompakt-SUV, große Bildschirme, einfache Linien, niedrigeres Segment. Für Österreich sind diese Modelle nicht relevant.

Smart Concept #2: Endlich wieder klein

Smart zeigte in Peking mit dem Concept #2 die Rückkehr zum elektrischen Zweisitzer. Das ist für Europa wichtiger als manche 1000-PS-Studie. Smart war einmal klein, wendig, frech und städtisch. Danach wurde die Marke größer, besser ausgestattet, aber auch beliebiger. Der Concept #2 erinnert wieder an den Ursprung.

Technisch zählt hier nicht maximale Leistung, sondern Packaging. Der Concept #2 ist rund 2,79 Meter lang, soll einen Wendekreis von 6,95 Metern schaffen, knapp 300 km WLTP-Reichweite bieten und DC-Laden von 10 auf 80 Prozent in unter 20 Minuten ermöglichen. Dazu kommt V2L-Funktion, also Stromabgabe an externe Geräte. Basis ist eine neue Electric Compact Architecture, das Design stammt aus dem Mercedes-Umfeld.

Smart Concept #2

Der ebenfalls neue Smart #6 EHD ist dagegen klar chinesischer gedacht: große Fastback-Limousine, elektrifizierter Hybridantrieb, Komfortorientierung und lange Reichweitenangaben nach chinesischem Zyklus. Für Europa ist er vorerst weniger wichtig. Der #2 ist die eigentliche Nachricht für Europa.

Peugeot Concept 6 und Concept 8: Französische Form, chinesischer Unterbau

Peugeot zeigte mit Concept 6 und Concept 8 zwei neue Studien. Technische Daten standen weniger im Mittelpunkt als die industrielle Aussage. Der Concept 6 deutet eine große Limousine beziehungsweise einen Shooting-Brake-artigen Grand Tourer an. Der Concept 8 zeigt eine große SUV-Richtung. Beide stehen für Peugeots Versuch, mit chinesischer Unterstützung wieder größere, international relevante Modelle auf die Räder zu stellen.

Peugeot Concept 6 und Concept 8

Technisch ist vieles noch offen, aber genau das macht die Sache interessant. Peugeot kann in Europa große Limousinen kaum noch aus Tradition bauen. Das Segment ist schwierig, Entwicklungskosten sind hoch, Stückzahlen unsicher. Mit Dongfeng-Technik und chinesischer Produktionslogik könnten solche Fahrzeuge wirtschaftlich wieder darstellbar werden: französisches Design, chinesische Plattform- und Industrialisierungsgeschwindigkeit, möglicherweise elektrifizierte Antriebe für Exportmärkte. Für Österreich ist offen, ob daraus konkrete Modelle werden.

Leapmotor B05 Ultra: Der gefährliche Vernünftige

Der Leapmotor B05 Ultra war nicht der lauteste Messeauftritt, aber einer der relevantesten für Europa. Kein Hypercar, kein Luxus-SUV, kein Robotaxi. Sondern ein elektrischer Kompakter mit sportlicher Note. Genau solche Autos sind gefährlich, weil sie in echte Volumensegmente fahren.

Leapmotor B05 Ultra

Technisch setzt der B05 Ultra auf einen elektrischen Heckantrieb mit rund 241 PS. Damit ist er stark genug für sportliche Fahrleistungen, ohne in absurde Leistungsregionen vorzustoßen. Der Ultra soll die emotionalere B05-Variante sein, also kein reines Vernunftauto, sondern ein Kompaktstromer mit etwas mehr Biss.

Der große Unterschied zu vielen anderen chinesischen Marken ist Stellantis. Leapmotor kommt mit europäischem Vertriebsrückenwind. Händler, Service, Finanzierung und Marktzugang sind realistischer als bei Marken, die allein nach Europa drängen. Für Österreich ist das entscheidend. Ein gutes Auto ohne Servicevertrauen verkauft sich schwer. Ein durchschnittliches Auto mit starkem Vertriebsnetz verkauft sich leichter. Wobei die Performance Variante voerst nicht am heimischen Markt landet – den Start macht bei uns die zivile Leistungsschwächere Variante.

Hyundai Ioniq V: Korea-China Übersetzung

Der neue Hyundai Ioniq V ist eine China-spezifische Neuheit und zeigt, dass selbst ein technisch starker Hersteller wie Hyundai den chinesischen Markt nicht mit globaler Standardware bedienen kann. Hyundai kann Elektro: Ioniq 5, Ioniq 6 und die Kia-Modelle haben 800-Volt-Technik, hohe Effizienz und schnelle Ladung längst bewiesen. In China reicht das aber nicht automatisch. Dort braucht es lokale Software, lokale Assistenzsysteme und ein Auto, das digital stärker auf chinesische Kunden zugeschnitten ist.

Hyundai Ioniq V

Technisch basiert der Ioniq V auf Hyundais E-GMP-Plattform und nutzt eine 800-Volt-Architektur mit CATL-Batterien. Die genaue Batteriegröße und Motorleistung wurden für die Serienversion noch nicht vollständig kommuniziert, Hyundai nennt aber eine Reichweite von über 600 km nach CLTC. Europäisch muss man diesen Wert vorsichtig lesen, weil CLTC optimistischer ist als WLTP.

Mit rund 4,90 Meter Länge, 1,89 Meter Breite, etwa 1,47 Meter Höhe und 2,90 Meter Radstand liegt der Ioniq V größenmäßig zwischen klassischer Limousine und elektrischem Fastback-Crossover. Innen wird der Unterschied zu Europa besonders sichtbar. Der Ioniq V verzichtet auf eine klassische Instrumententafel und setzt auf ein 27 Zoll großes 4K-Panoramadisplay, ergänzt durch ein Head-up-Display. Das ist China-Logik: Nicht nur Antrieb zählt, sondern digitale Wirkung. Interessant ist außerdem die angekündigte Strategie mit BEV- und Range-Extender-Varianten. Damit reagiert Hyundai auf einen chinesischen Markt, in dem reine Elektroautos stark sind, große Reichweitenversprechen aber weiterhin zählen.

Für Österreich ist der Ioniq V vorerst kein Thema. Aber als Technologiehinweis ist er wichtig.

BYD Sealion 08: Das Familien-SUV mit Batterie-Macht

Bei BYD liegt die eigentliche Wucht nicht nur in einzelnen Modellen, sondern in der Struktur dahinter. Der Konzern baut Batterien, E-Motoren, Leistungselektronik, Plattformen und Fahrzeuge. Genau das macht ihn gefährlich. Während viele europäische Hersteller Batterie, Software und Plattform über Partner koordinieren müssen, greift BYD auf viele eigene Bausteine zurück und kann zusätzlich von staatlichen Förderungen profitieren.

BYD Sealion 08

Der wichtigste neue BYD für die rationale Seite ist der Sealion 08. Ein großes Familien-SUV, knapp über fünf Meter lang, mit großem 2,95 Meter Radstand, elektrischen und hybriden Varianten, neuer Blade-Batterie-Generation, 800-Volt-Technik und Flash-Charging-Strategie. Technisch bündelt der Sealion 08 fast alles, was BYD derzeit nach vorne schiebt. Er steht auf einer 800-Volt-Architektur, nutzt die zweite Generation der Blade-Batterie mit LFP-Chemie und ist für BYDs Flash-Charging-Technik ausgelegt. Die vollelektrische Version soll von 10 auf 97 Prozent in rund neun Minuten laden können, sofern die passende Ladeinfrastruktur vorhanden ist. Die reine Elektroversion wird in drei Leistungsstufen genannt: zwei Hecktriebler mit rund 435 PS beziehungsweise 503 PS und eine Allradversion mit rund 795 PS.

Dazu kommt eine Plug-in-Hybrid-Version. Sie kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit zwei E-Motoren. Der Benziner leistet rund 154 PS, die beiden E-Motoren jeweils rund 272 PS. Besonders auffällig ist die elektrische Reichweite der PHEV-Version: Nach chinesischem Zyklus werden bis zu 400 Kilometer genannt.

BYD Startschuss-Modell für Europa Tang könnte somit einen Nachfolger haben. Ob der Name in Europa 1:1 übernommen wird bleibt unklar.

Denza Z: BYD will nicht nur rechnen, sondern begehren

Der Denza Z Convertible war die emotionale Spitze im BYD-Umfeld. Denza soll BYD nach oben ziehen, weg vom reinen Preis-Leistungs-Image, hinein in die Welt von Performance, Luxus und Begehrlichkeit. Genau das braucht BYD in Europa noch. Rational ist der Konzern stark. Emotional muss er aber noch wachsen.

Denza Z

Technisch ist der Denza Z kein leeres Schaustück. Genannt werden über 1.000 PS, elektrischer Allradantrieb, 0–100 km/h in unter zwei Sekunden als Zielwert, Steer-by-Wire und die nächste Generation der Blade-Batterie mit Flash-Charging. Rund um den Denza-Z werden bis zu 1.500 kW als theoretische Flash-Charging-Spitze genannt. In Europa wäre dafür vorerst kaum Infrastruktur vorhanden, aber als Signal ist es klar: BYD will nicht nur günstig, sondern technisch spektakulär wirken.

Denza ist damit für Europa wichtiger als die Stückzahl vermuten lässt. Ein Roadster oder Cabrio verkauft keine Masse. Aber er baut Image. Genau so haben europäische Hersteller jahrzehntelang gearbeitet. Aktuell wäre die Konkurrenz mit dem MG Cyberster auch eher klein.

Omoda 4 und Omoda 7: Der SUV-Angriff wird breiter

Mit Omoda 4 und Omoda 7 zeigte Cherys internationale Marke Omoda zwei Modelle, die für Europa relevanter sind als viele chinesische Luxuslimousinen. Der Omoda 4 zielt auf das kompakte Crossover-Feld, der Omoda 7 eine Klasse darüber. Damit greifen beide genau dort an, wo in Europa Volumen entsteht: SUV-Optik, hohe Sitzposition, viel Ausstattung und elektrifizierte Antriebe.

Omoda 4 und Omoda 7

Der Omoda 4 ist dabei der wichtigere Volumenkandidat. Er liegt unterhalb des Omoda 5 und könnte in Europa gegen kompakte Crossover wie Hyundai Kona, Renault Captur, Peugeot 2008, VW T-Roc oder MG ZS antreten. Für Europa relevant ist vor allem, dass Omoda ihn nicht nur als klassisches Benziner-SUV denkt, sondern auch mit elektrifizierten Antrieben. Die Hybridversion kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit Elektromotor. Je nach Ausführung liegt die Systemleistung grob im Bereich von rund 200 PS. Damit wäre er kein Sportmodell, aber ausreichend kräftig für ein kompaktes SUV. Eine reine Elektroversion ist ebenfalls naheliegend und wäre für Europa wichtiger als hohe chinesische Reichweitenangaben.

Xpeng P7+: Chinas Business-Limousine mit Österreich-Bezug

Der Xpeng P7+ ist für Europa deutlich relevanter als viele spektakuläre China-Studien. Mit 5,07 Meter Länge und 3,00 Meter Radstand liegt er größenmäßig oberhalb vieler klassischer Mittelklassemodelle und zielt eher auf Fahrzeuge wie VW ID.7, BMW i5, Mercedes EQE oder Tesla Model S beziehungsweise Model 3 Long Range – je nach Lesart zwischen oberer Mittelklasse und Business-Limousine.

Xpeng P7+

Technisch setzt der P7+ in Europa auf eine 800-Volt-Architektur und LFP-Batterien. Die Batterien haben je nach Version 61,7 kWh oder 74,9 kWh brutto. Entscheidend ist die Ladeleistung: Xpeng nennt bis zu 446 kW DC, womit der Akku unter idealen Bedingungen von 10 auf 80 Prozent in rund 12 Minuten laden soll. Das ist für Europa ein starkes Argument, weil es nicht nur um Reichweite, sondern um Reisegeschwindigkeit geht.

Bei den Antrieben gibt es drei für Europa relevante Varianten. Die Basisversion P7+ RWD Standard Range kommt mit Heckantrieb, rund 245 PS, etwa 455 km WLTP-Reichweite und kostet in Österreich ab rund 48.000 Euro. Die RWD Long Range nutzt die größere Batterie, leistet etwa 313 PS und kommt auf bis zu 530 km WLTP. Das Topmodell AWD Performance Pro setzt auf Allradantrieb, leistet rund 503 PS und erreicht etwa 500 km WLTP.

Für Österreich gibt es zusätzlich einen wichtigen Punkt: Der P7+ hat einen direkten Industrie-Bezug, weil Xpeng die europäische Produktion beziehungsweise Endmontage unter anderem über Magna Steyr in Graz aufbaut. Das macht ihn nicht nur zu einem chinesischen Importauto, sondern zu einem Modell mit europäischem Fertigungsanschluss. Für Kunden kann das bei Lieferzeit, Servicevertrauen und Marktwahrnehmung helfen.

Geely EVA Cab, Lynk & Co GT & Co. Der Konzern denkt breiter

Geely ist für Europa deshalb relevant, weil der Konzern längst nicht mehr nur als chinesischer Hersteller auftritt. Volvo, Polestar, Smart, Lotus, Zeekr und Lynk & Co hängen direkt oder indirekt am Geely-Kosmos. In Peking zeigte der Konzern mit EVA Cab, Zeekr 8X und Lynk & Co GT drei sehr unterschiedliche Ansätze: Robotaxi, Luxus-SUV und Performance-GT. Gemeinsamer Nenner: elektrische Plattformen, starke Software, viel Assistenztechnik und ein klarer Blick auf Europa.

Geely EVA Cab

Das Geely EVA Cab ist kein Auto für Privatkunden, sondern ein Robotaxi-Konzept. Leistung oder Sprintwerte spielen hier kaum eine Rolle. Wichtiger sind Sensorik, Redundanz und Innenraumarchitektur. Das Fahrzeug ist auf autonome Fahrdienste ausgelegt und nutzt Kamera-, Radar- und LiDAR-Sensorik. Der Innenraum ist auf einfachen Ein- und Ausstieg, Dauerbetrieb, Reinigung und Flottennutzung ausgelegt. Für Europa ist das kurzfristig wegen Regulierung und Haftung noch kein reales Marktmodell. Aber technologisch zeigt EVA Cab, wohin Geely denkt: Das Auto wird nicht nur verkauft, sondern als Mobilitätsplattform betrieben oder als Businesscase.

Lynk & Co GT

Der Lynk & Co GT ist dagegen stärker ein Markenstatement. Das Konzept ist ein flacher 2+2-Gran-Turismo mit rund 4,78 Meter Länge, etwa 2,00 Meter Breite, nur 1,33 Meter Höhe und 2,75 Meter Radstand. Die Proportionen sind damit deutlich sportlicher als bei den bekannten Lynk-&-Co-SUVs. Als Zielwert wird ein Sprint von 0 auf 100 km/h in rund zwei Sekunden genannt. Konkrete Serienleistung gibt es noch nicht, aber dafür müsste das Auto deutlich über 1.000 PS liegen.

Für Europa ist der Lynk & Co GT vor allem als Signal wichtig. Die Marke will weg vom reinen Abo- und Crossover-Image. Sie will emotionaler werden. Ob genau dieses Auto kommt, ist offen. Aber die Richtung ist klar: Geely nutzt Lynk & Co für jüngere, designorientierte Kunden, Zeekr für elektrische Premiumtechnik, Volvo für Vertrauen und Polestar für skandinavische E-Performance.

Die Kopien: Made in China

Ein Kopien-Kapitel gehört hinein, aber nicht im Tonfall von früher. Vor 15 Jahren war das einfach: China kopierte, Europa lachte. Heute ist es komplizierter. China kopiert weiterhin. Aber oft nicht mehr ganze Autos, sondern Designwirkung. Und unter der bekannten Wirkung steckt inzwischen ernsthafte Technik.

Auto China 2026
Auto China 2026 Auto China 2026

Das Entscheidende: Eine schlechte Kopie ist harmlos. Eine gute Kopie mit eigenem Akku, schnellem Laden, großem Display, viel Ausstattung und niedrigerem Preis ist gefährlich. China kopiert Gefühle: Porsche für Sportlichkeit, Range Rover für Status, Ferrari für Exotik, Maybach und Rolls-Royce für Luxus, Mini und Käfer für Sympathie.

Schluss: Europa hat Marke, China hat Tempo

Die Auto China 2026 zeigte nicht, dass Europa erledigt ist. Dafür sind Porsche, BMW, Mercedes, Audi, Volkswagen, Peugeot, Hyundai und andere zu stark. Aber sie zeigte, dass Europa nicht mehr allein den Takt vorgibt. China hat bei Batterie, Ladeleistung, Software, Assistenzsystemen, Preis-Ausstattung und Modelltempo enorm aufgeholt. In manchen Bereichen ist China bereits voraus.

Europäische Hersteller haben weiterhin Stärken: Fahrwerksabstimmung, Sicherheitskultur, Materialqualität, Markenwert, Langzeiterfahrung und Händlernetz. Aber diese Stärken müssen wieder stärker erklärt und technisch untermauert werden. Ein Kunde, der ein chinesisches SUV mit großer Batterie, viel Ausstattung, schnellem Laden und starkem Paket sieht, fragt nicht automatisch nach Markenhistorie. Er fragt: Was kann das Auto? Und genau deshalb sind die Chinesen so gefährlich für den heimischen Markt.

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Johannes Ibrahim

Johannes Ibrahim ist seit 2025 Teil des Redaktionsteams beim AutoScout24 Magazin in Österreich. Der studierte Techniker und erfahrene Motorjournalist berichtet seit 2022 über das gesamte Spektrum der Mobilität – von Prototypen über Serienfahrzeugen bis hin zu internationalen Motorsportevents. Neben seiner Arbeit für AutoScout24 schreibt er weiterhin für namhafte Tageszeitungen, Fachmagazine sowie Print- und Onlinemedien im Automobilbereich. Auf Instagram und TikTok produziert er zusätzlichen Social-Media-Content für AutoScout24 Österreich und seinen eigenen Kanal.

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