Leapmotor B03X (2026): Herausforderung aus Fernost

Peugeot 2008, Opel Frontera und Co. droht hauseigene Konkurrenz: Die chinesische Konzernschwester Leapmotor bringt im Herbst einen starken Herausforderer auf die Straße.

Eine Million Pkw will der chinesische Hersteller Leapmotor in diesem Jahr weltweit verkaufen. Das erst 2015 gegründete Unternehmen zählt zu den ambitioniertesten und am schnellsten wachsenden Autobauern in China – und hat dank eines Joint Ventures mit dem Stellantis-Konzern auch in Europa wenig Anlaufschwierigkeiten. Mit deutschlandweit etwas mehr als 3.000 Pkw-Neuzulassungen hat Leapmotor im ersten Quartal immerhin schon traditionsreiche Konzernschwestern wie Alfa Romeo oder Jeep hinter sich gelassen. Das vielleicht bislang absatzträchtigste Modell kommt allerdings erst im Herbst – in Form des kleinen Crossovers B03X.

Der B03X platziert sich mit 4,27 Metern Länge irgendwo zwischen Mini- und Kompakt-SUV. Oder im Konzernvergleich gesehen: zwischen Opel Mokka und Opel Frontera. In Hinsicht auf die Absatzmöglichkeiten ist das ein besonders interessantes Segment – für Leapmotor könnte der B03X ab dem Herbst einen kräftigen Verkaufs-Kick bringen. Weltweit hat das Modell ein Absatzpotenzial von jährlich rund 70.000 Einheiten, schätzen die Marktbeobachter von Inovev.

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Vertrieb über das Stellantis-Händlernetz

Auch wenn der kleine Crossover in Deutschland über das Stellantis-Netz vertrieben wird, ist er technisch komplett eigenständig, basiert auf einer eigenen Plattform und nutzt auch eigene Antriebe und Batterien. In China gibt es zwei Leistungsstufen, 70 kW/95 PS und 90 kW/122 PS; nach Deutschland wird es möglicherweise nur die stärkere Variante schaffen. Die Akkus setzen auf die robuste und günstige LFP-Chemie und bieten wahlweise 39,8 oder 53 kWh Energieinhalt. Das sollte für Reichweiten im klassentypischen 300er- respektive 400er-Bereich langen – genaue WLTP-Werte für Europa gibt es aber noch nicht. Gleiches gilt für die Ladeleistung, die im Bestfall bei rund 130 kW liegen dürfte. In diesem Segment ist das ein sehr guter Wert. Schätzen muss man auch beim Preis, gut 26.000 Euro und eine umfangreiche Serienausstattung für das Modell mit der kleineren Batterie scheinen realistisch – womit der kleine Crossover zu den günstigsten Angeboten seiner Klasse zählen würde. Die vergleichbaren Angebote von Opel, Fiat, Citroen und Peugeot sind jedenfalls aktuell ein paar tausend Euro kostspieliger.

Optisch ist der B03X ein typischer Vertreter der aktuellen chinesischen E-Auto-Designschule: Glatte Flächen, ein geschlossener Kühlergrill und ein allgemein ziemlich „cleaner“ Auftritt. Einziges etwas verspieltes Element ist der schwarze Kunststoffeinsatz in der C-Säule. Der kleine Crossover wirkt außen modern und wertig – dass bei der Entwicklung geringe Produktionskosten eine Rolle spielten, erkennt man allenfalls an Details wie den einteiligen Heckleuchten. Auch innen stimmt der Qualitätseindruck: Das Interieur ist luftig, hinten sitzt man mit viel Beinfreiheit, vorne teilt eine breite Konsole mit Handyladeschale und zwei Becherhaltern den Bereich von Fahrer und Beifahrer. Dessen Sitzlehne lässt sich flach nach vorne klappen, was dem rechten Fondpassagier noch mehr Bewegungsfreiheit gibt. Ebenfalls clever: Die hintere Sitzbank kann man wie im Kino hochklappen, so dass darunter verschiedene kleine Staufächer nutzbar sind. Den Sitzen selbst fehlt es etwas an Kontur, die integrierten Kopfstützen mögen nicht zu jedem Insassenkörper passen.

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Großer Touchscreen als zentrales Bedienelement

Zentrales Bedienelement im B03X ist ein sehr großer Touchscreen, der fast alle physischen Schalter und Knöpfe überflüssig machen soll. Die Software im Testfahrzeug lief zwar nur auf Mandarin – Grafik und Menüaufbau lassen aber auf die für chinesische Hersteller typische Smartphone-Nutzungslogik schließen, die mit kleinen Schaltflächen, verwirrender Funktionsvielfalt und verwinkelten Tipp-Wegen die Aufmerksamkeit des Fahrers sehr von der Straße lenkt. Ungewohnt für deutsche Kunden ist, wie großzügig die Chinesen den Innenraum mit weich aufgeschäumtem Kunststoff tapeziert haben. Harte Oberflächen fehlen fast komplett – was im konkreten Fall eher synthetisch-pflegeleicht als besonders hochwertig wirkt.

Auf chinesischen Straßen wirkt der Crossover angenehm komfortabel, insgesamt aber ziemlich weich abgestimmt. Gleiches gilt für die leichtgängige, aber nicht sonderlich präzise Lenkung. Für den Europa-Start könnte Leapmotor noch ein wenig an Fahrwerk und Lenkung feilen – ob es für ein ähnlich hohes Niveau reicht wie bei den europäischen Stellantis-Modellen, bleibt abzuwarten. Subjektiv recht zurückgenommen und auf Effizienz statt auf Dynamik ausgelegt wirkt der Antrieb. Dazu passen auch die technischen Daten: der Spurt auf Tempo 100 dauert selbst mit dem starken Motor mehr als 10 Sekunden, maximal sind 160 km/h drin.

Nachhaltig beeindrucken sind jedoch die Autopilot-Fähigkeiten des kleinen Chinesen: Er lenkt und bremst auf gut ausgebauten Straßen nicht nur selbstständig, sondern folgt automatisiert der Navi-Route inklusive Spurwechsel und Abbiegen. Der Fahrer muss die Hände zwar theoretisch am Lenkrad lassen, der B03X ist aber relativ lässig, was die Überprüfung dessen angeht. Für deutsche Kunden ist das sogenannte „Level 2++“-System aber leider aktuell nicht relevant – hierzulande verzichtet Leapmotor zunächst auf die Technik. Auch den optionalen Lidarsensor auf dem Dach wird es nicht geben.

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Startpreis um 25.000 Euro?

Aber auch ohne die fortschrittliche Automatisierungstechnik dürfte der Crossover hierzulande Kunden finden. Nicht zuletzt über den voraussichtlich durchaus attraktiven Preis bei gleichzeitig guter Ausstattung. Einen genauen Betrag nennen die Chinesen noch nicht; realistisch erscheint ein Einstieg im niedrigen bis mittleren 20.000-Euro-Bereich. Damit bliebe ausreichend Abstand zum nächstgrößeren Modell B05, das bei rund 28.000 Euro startet. Neben dem Preis hat der B03X aber durchaus weitere Vorzüge: das gute Platzangebot und der für diese Klasse wohl mindestens wettbewerbsfähigen Batterietechnik. Die Kombination aus ordentlicher Reichweite und recht hoher Ladeleistung lässt zumindest auf dem Papier viele Konkurrenten hinter sich. Der Leapmotr B03X soll hierzulande ab Herbst 2026 erhältlich sein. (Text: hh/sp-x | Bilder: Hersteller)

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