Winter-Test Volvo XC40 Recharge – ein cooler Typ?

Der Volvo XC40 Recharge Twin Pro im Überblick
Stärken
- - Starker Antrieb
- - Harmonisches Fahrwerk
- - Gute Sitzposition
- - Einfache Bedienung (seit Update)
- - Hohe Heizleistung
Schwächen
- - Teuer in der Anschaffung
- - Hoher Stromverbrauch
- - Geringe Winterreichweite
- - Niedrige Ladeleistung
- - Teils hakelige Lenkung
Ein Stammgast in der Redaktion
Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende entgegen und als Automobilbeschreiber bleibt einem Zeit, die ein oder andere Bilanz zu ziehen. Mit Blick auf Volvo fällt mir da auf, dass wir den XC40 und sein Schwestermodell C40 seit Anfang 2020 bereits ganze fünf Mal zu Gast in der Redaktion hatten beziehungsweise dessen Qualitäten auf verschiedenen Fahrterminen genauer unter die Lupe nehmen konnten. Der folgende Text wird nun der sechste Fahrbericht über den Schweden werden, der sich diesmal um die Winterqualitäten des 300 kW/408 PS starken XC40 Recharge Twin (Stromverbrauch kombiniert: 24,2-23,8 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km²) drehen wird.
Doch zunächst die Frage, was den 45. US-Präsidenten, Google und Volvo miteinander verbindet? Nun, das ehemalige Staatsoberhaupt ist wohl der einzige bekannte Politiker, über den man via „Hey Google, wer ist…“ im Volvo XC40 nicht direkt eine Wikipedia-Info erhält. Ansonsten haben sie bei Volvo seit unserem letzten Aufeinandertreffen noch flugs ein paar Over-the-Air-Updates aufgespielt. Denn im Vergleich zu den bisher getesteten XC40/C40 mit Android Automotive, liefert sich K-PR 461 keine Fehltritte bei der Navigation und lässt sich auch sonst betont selbsterklärend bedienen.
Im Winter deutlich weniger Reichweite, verhaltene Ladegeschwindigkeit
Mit der netto 75 kWh großen Batterie des Recharge Twin-Modells verspricht der Hersteller derweil eine Reichweite von 412 bis 528 WLTP-Kilometer, wobei der zweite Wert für die innerurbane Nutzung zu werten sei. Allerdings nur dann, wenn auch die äußeren Bedingungen stimmen. Von bis zu minus sieben Grad und keiner Garage zum temperierten Parken des Fahrzeugs war da nie die Rede. Und so erscheint bei dieser Witterung neuerdings ein Schneeflocken-Symbol neben der Batterieanzeige des Volvo, was bedeutet, dass der Stromspeicher außerhalb seines Wohlfühlklimas arbeitet. Das liegt für Lithium-Ionen-Akkus gemeinhin zwischen 20 und 40 Grad Celsius.
Ist das nicht der Fall, sinkt die Winterreichweite des Volvo XC40 Recharge Twin bei einem Durchschnittsverbrauch jenseits der 26 auf 100 Kilometer auf eher klägliche 280 bis 260 Kilometer ab. Für alltägliche Erledigungen mag das noch ausreichend sein, für die Langstrecke - insbesondere im Winter - ist das aber definitiv zu wenig. Auch bei Ladevorgängen an der Gleichtrom-Säule konnte das in der Pro-Variante mindestens 63.640 Euro teure SUV nicht überzeugen. Obwohl von Volvo eine maximale Ladegeschwindigkeit von bis zu 150 kW angegeben wird, erreichten wir diese Ladeleistung (wie schon beim Test im Sommer) nicht einmal annährend. Ganz gleich mit welchem Akkuladestand und ob der Stromspeicher vorgeheizt war, oder nicht.
Sportive Straßenlage, hakelige Lenkung
Den eher mageren Einsatzradius bei kalter Witterung versucht der mindestens 2,2 Tonnen schwere Stromer an anderer Stelle durch seine sportlich-komfortable Grundabstimmung wieder wettzumachen. Ein elektrischer Allradantrieb bestehend aus zwei Permanentmagnet-Synchronmaschinen mit einer Systemleistung von 408 PS und 660 Newtonmeter Drehmoment sorgt für äußerst lebhafte Fahrwerte. Kritikwürdig am Testwagen war allerdings die Lenkung. Im Normalfall sehr direkt, aber frei von großer Rückmeldung, viel sie streckenweise durch eine hakelige, fast schon hängende Eigenart auf. Auch der Wechsel zwischen dem normalen und dem „sportlichen Lenkgefühl“ hat daran nichts geändert.
Wahre Stärke zeigt der Schwede hingegen im Innenraum. So liefert der XC40 eine gewohnt hochwertige Vorstellung ab und viel speziell als elektrisches Recharge-Modell durch seine starke Heizleistung im Winterbetrieb auf. Bereits nach wenigen Hundert Metern strömt warme Luft aus der Lüftung, Sitz- und Lenkradheizung arbeiten auf betont skandinavischem Niveau. Ansonsten gefiel einmal mehr das insgesamt niedrige Geräuschniveau, das gut klingende Harman/Kardon-Soundsystem und die durchaus reichhaltige Serienausstattung.
Fazit
Souveräne Antriebsleistung, gute Verarbeitung, reichhaltige Serienausstattung: Der Volvo XC40 Recharge Twin könnte ein richtig großer Wurf im Elektro-Segment sein, wären da nicht der hohe Stromverbrauch, eine damit einhergehenden geringe Reichweite und die vergleichsweise niedrige Ladeleistung. Was für den stadtnahen Pendler vielleicht noch kein Problem ist, stört spätestens dann, sollen gerade im Winter doch einmal längere Distanzen überwunden werden. Mit einem Basispreis ab 56.150 Euro gehört der Volvo XC40 Recharge Twin zudem nicht zu den Sonderangebot im Bereich der elektrischen SUV. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
Technische Daten*
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