VW Taigo R-Line 1.0 TSI im Test: Buchhalter-Lifestyle

Der VW Taigo R-Line 1.0 TSI im Überblick
Stärken
- - Gutes Platzangebot
- - Gelungene Ergonomie
- - Harmonische Antriebseinheit
Schwächen
- - Wenig aufregend für einen Lifestyle-Crossover
- - Verbrauch relativ hoch
- - Lange Aufpreisliste und hohes Preisniveau
Die Plattform-Stragen aus Wolfsburg
Der Audi A1, Seat Arona, Seat Ibiza, Skoda Fabia, Skoda Scala, Skoda Kamiq, VW Polo und VW T-Cross haben eines mit dem VW Taigo gemeinsam: Die MQB-A0-Plattform. Man ist also bei Volkswagen der Meinung, dass es im Markt nicht nur Platz für einen Kleinwagen pro Marke gibt, sondern dass es bis zu drei Varianten auf ein und demselben Grundgerüst sein können. Für die Trennschärfe zwischen den Modellen ist dann die jeweilige Markenausrichtung zuständig und die vom Marketing erdachte Zielgruppe. Ob das im Falle des Lifestyle-Crossovers Taigo im Segment der Kleinwagen funktioniert, klärt unser AutoScout24-Test.
Der VW Taigo ist ein T-Cross mit sportlicherer Dachlinie
Die Optik ist edel, vor allem wenn man den VW Taigo 1.0 TSI (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 4,9 l/100km; CO2-Emissionen kombiniert: 111 g/km²) in der R-Line bestellt. Dann werden nicht nur die Stoßfänger bulliger, sondern auch die Lichtsignatur geändert. Während vorne ein durchgehender LED-Stripe perfekt zum IQ-Light genannten Matrix-LED-Licht passt, gibt es hinten ein durchgehendes Reflektorband, dass dem Taigo optisch deutlich mehr Breite verleiht. In Kombination mit den hochglänzenden Akzenten in Schwarz und den optionalen glanzgedrehten 18-Zoll-Leichtmetallfelgen macht der kleine Crossover mächtig Eindruck.
Die Unterschiede zum T-Cross werden vor allem im Seitenprofil sichtbar. Hier fällt nicht nur der mit 16 Zentimetern überraschend große Längenunterschied auf, sondern vor allem die deutlich dynamischere Dachlinie. Wo der konservative Bruder das hohe Heck bis nach hinten durchzieht, fällt es beim VW Taigo ab der hinteren Tür dramatisch ab. Das sorgt neben einem Coupé-Charakter sogar für eine leicht verbesserte Aerodynamik. Allerdings muss man auch beim Kofferraum Abstriche machen: Statt 455 Liter sind es nun nur noch 440 Liter. Allerdings ist auch dieser Wert für ein Auto mit 4,26 m Länge sehr beachtlich.
Robustes Interieur mit modernem Infotainment
Im Innenraum hat sich VW den Luxus der konstruktiven Abwandlung von T-Cross- zu Taigo-Bauteilen gegönnt. Auch wenn man die Unterschiede mit der Lupe suchen muss, so sind sie dennoch da. Es beginnt bei der Form der äußeren Lüftungsdüsen und endet mit einer völlig veränderten unteren Mittelkonsole. Dort findet sich auch das neue Bedienteil für die Klimatisierung – mit beleuchteten Touch-Slidern. Man scheint in Wolfsburg also genau auf die Kritik der Kunden zu hören, waren die dunklen Felder doch in Golf 8 und ID3 noch Steine einigen Anstoßes.
Auch sonst überzeugt das Infotainment, denn die Wolfsburger lassen dem Taigo noch die Drehregler für Lautstärke und Sendersuchlauf. Man findet sich hiermit einfach besser zurecht als per kompletter Touch-Bedienung. Was allerdings etwas sauer aufstößt ist das serienmäßige digitale Instrumentendisplay: Es zeigt nur ein mittiges großes Rundinstrument an, man muss sich also zwischen Tacho oder Drehzahlmesser entscheiden. Das gleichzeitige Anzeigen wird nur mit dem optionalen Großdisplay möglich – unserer Meinung nach ein unverzichtbares Extra.
Ebenfalls diskussionswürdig ist die Materialqualität. Zwar ist die Verarbeitung sehr gelungen, die Passungen allesamt sehr sauber, doch die Kunststoffe sind ausnahmslos hart und trist. Wo vor wenigen Jahren noch unterschäumte Flächen für edle Haptik sorgten, regiert aktuell nur noch der Rotstift. Angesichts der langen Aufpreisliste und des über 35.000 Euro teuren Testwagenpreises dürfte man hier schon noch etwas mehr erwarten können.
Technisch bietet der 110 PS-Turbo keine Überraschungen
Kein Stecker, nicht einmal ein potenter Startergenerator, der VW Taigo 1.0 TSI richtet den gesamten Vortrieb über den kleinen Dreizylinder im Bug. Und er macht seine Sache gut. Der Ton ist angenehm knurrig und passt zum Auftritt, denn er zaubert dem Kenner ein Lächeln auf die Lippen und stört den Unbedarften nicht weiter. Von 110 PS und 200 Nm darf man allerdings keine Fabelwerte in Sachen Fahrleistungen erwarten. Dank des flink schaltenden 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes wird der kleine Crossover aber stets im besten Drehzahlbereich gehalten und ermöglicht damit lässiges Mitschwimmen im Alltag.
Auf den Normwert von 4,9 Litern auf 100 Kilometer kommen allerdings nur sehr zurückhaltende Naturen. Wer einen etwas spritzigeren Fahrstil pflegt, der liest auch ohne Dauervollgas-Eskapaden meist Werte über 7,0 Litern auf 100 Kilometer vom Bordcomputer ab. Ein Wert, der die Downsizing-Bemühungen und den Einsatz eines kleinen Dreizylinders zumindest in Frage stellen darf.
Die Fahrwerksabstimmung zeigt das tiefe Verständnis der VW-Entwickler
Ein anderes Thema, das man nach dem intensiven Test des VW Taigo R-Line 1.0 TSI in Frage stellen darf, ist die Verwendung adaptiver Fahrwerke. Denn für den Taigo gibt es die teuren Verstelldämpfer gar nicht erst und er überzeugt dennoch mit einer Abstimmung, die perfekter nicht sein könnte. Komfortabel in jeder Situation und dennoch nicht mit grober Seitenneigung oder dem Vereiteln jeder Kurvendynamik. Den Wolfsburger Entwicklern ist der perfekte Kompromiss gelungen.
Fazit:
Der VW Taigo geht kein Risiko ein. Zwar erlaubt es sich ein knackiges Heck und eine bullige Optik, bleibt im Herzen aber der langweilige Buchhalter. Was nichts Schlechtes ist für diejenigen, die wollen, dass es passt. Und im Taigo passt alles. In mancher Disziplin ist er nicht der Beste, aber in der Summe ist er sehr komplett. Und hier zeigt sich das wahre Verständnis von VW. Auch in einer Nische eines Kleinwagen-Crossover-Coupés. (Text und Bilder: Fabian Mechtel)
Technische Daten*
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