Erster Test Toyota Aygo X Hybrid (2026): Großer Fahrspaß, kleiner Verbrauch!

Der Toyota Aygo X Hybrid auf einen Blick
Was uns gefällt
Design und Handling.
Was wir vermissen
Feineres Material im Interieur.
Ideal wenn …
… man keine Kinder hat und der Parkraum knapp ist.
Die Alternativen
U.a.: Hyundai i20, Fiat 500, Suzuki Swift, Renault Clio.
Erster Kleinwage mit Vollhybrid-Antrieb
Halb Franzose, halb Japaner. Das war der Toyota Aygo X der ersten beiden Generationen. Zusammen mit Peugeot und Citroen teilte man sich eine technische Plattform. Erst 2021 wurde der Kleinwagen zum waschechten Japaner. Jetzt kommt das Facelift mit der noch markanteren Front und dem schwarzen 3-D-Kühlergrill in den Handel – und setzt gleich ein Ausrufezeichen. Der Aygo X ist nämlich der erste Kleinwagen mit einem Vollhybrid-Antrieb. Deshalb musste die Karosserie auch auf 3,78 Meter Länge (plus 7,6 cm) gestreckt werden. Damit der Antriebsstrang, der mit dem des größeren Yaris identisch ist, hineinpasst.
E-Motor und Akku brauchen zusätzlichen Bau-Raum. Trotzdem ist das Platzangebot im neuen Aygo X so groß wie im alten. Bei einem Kofferraumvolumen von 231 Litern passen zwei flugzeugübliche Handgepäckstücke rein. Mehr nicht. Wenn die Rückbank umgeklappt wird, sind es bis zu 829 Liter. Leider entsteht dabei eine unpraktische Schwelle, die das stufenlose Durchladen verhindert. Hinten sitzen? Für Hund, Katze, Maus auf alle Fälle. Und vielleicht auch noch für Kleinkinder. Der Kleinwagen ist theoretisch ein Viersitzer mit vier Türen - aber eigentlich nur ein Kleinwagen mit ziemlich großer Hutablage im Fond.
Ein paar Details nerven – aber beim Tempowarner ist der Aygo X richtig gut
Vorne sitzt man recht manierlich, die Sitze sind ausreichend bequem. Gespart hat Toyota beim Lenkrad, das sich gut anfühlt, aber leider nicht in der Tiefe verstellbar ist. Magerkost auch bei den verwendeten Materialien. Hartplastik und lackierte Blechteile – schön ist das nicht unbedingt. Klar wir sitzen in einem Kompaktwagen, aber der Grundpreis von knapp 22.000 Euro ist ja auch kein Pappenstiel. Und weil wir gerade dabei sind: Dass es keinen Griff auf der Innenseite der Heckklappe gibt, auch hier hat man am falschen Ende gespart. Wer den Kofferraum zumachen will und das bei Regen macht, holt sich nasse mitunter auch dreckige Finger.
Beim Cockpit gibt es nichts zu kritteln. Das Kombiinstrument ist nun 7 Zoll groß (vorher 4,3 Zoll), das Infotainment-Display misst je nach Ausstattung bis zu 10,5 Zoll. Der Touchscreen lässt sich leicht bedienen und ist logisch aufgebaut. Beim Thema Tempowarnung hat Toyota einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. In älteren Modellen musste man sich mit bis zu sieben Schritten durch das Menü eines Micky-Maus-Monitors fieseln, bis man das nervige Gebimmel ausschalten konnte. Jetzt geht das mit einem einzigen Shortcut auf dem Bildschirm.
Mit 1,1 Tonnen agil um die Kurven flitzen
Zwar haben die Entwickler große Anstrengungen unternommen, um mehr Ruhe ins Auto zu bringen. Unter anderem wurde die Motor-Dämmung überarbeitet. Aber auf der Autobahn hat man trotzdem das Gefühl, dass der Brummi nicht an einem vorbeifährt, sondern mittendurch. Laut ist auch der 1.5-Liter-Dreizylinder (91 PS), besonders wenn man Vollgas gibt. Oder wenn man auf der Getriebe-Stellung B fährt. Dann dreht die Maschine höher, um stärker zu rekuperieren. Denn der 80 PS starke Elektromotor muss ordentlich mit Energie gefüttert werden, damit er es im Duett mit dem Verbrenner auf eine Systemleistung von 116 PS bringt. Und damit um 44 PS mehr als beim Vorgänger.
In 9,2 Sekunden geht es von null auf Tempo 100. Fühlt sich flotter an, aber der Aygo X ist ja auch nicht sonderlich schwer. Knapp 1,1 Tonnen wiegt der in Tschechien gefertigte Kleinwagen. Mit zunehmender Lust und Laune kratzen wird durch die kurvigen Bergstrecken und freuen uns über die präzise Lenkung. Das Fahrwerk reagiert prompt, so manch einem dürfte der Japaner zu hart gefedert sein. Wir fanden es genau richtig. Überarbeitet wurde auch das CVT-Getriebe. Der gefürchtete Gummibandeffekt wurde reduziert und nervt kaum mehr. Vor allem bei zurückhaltender Fahrweise lässt sich der Stadtflitzer ruhig, aber trotzdem agil bewegen.
Das Dreiliter-Auto hat nur 2,5 Liter verbraucht
Die Puffer-Batterie des Hybrid-Antriebs ist mit exakt einer Kilowattstunde nicht allzu groß, aber das reicht, um streckenweise im Verkehr lautlos dahinzugleiten. Und spart außerdem auch noch Benzin. Womit wir beim großen Plus des Wagens sind. Der Verbrauch. Die prognostizierten 3,7 Liter erscheinen nach unseren Testfahrten durchaus realistisch. Wir hatten bei ambitionierter Fahrweise auf der Autobahn und über Bergstrecken 4,5 Liter auf der Uhr.
Das ist schon mal recht ordentlich. Aber dann wollten wir es wissen. Eco-Modus einschalten, Gaspedal streicheln – aber nicht zum Verkehrshindernis werden. Das war unsere eigene Zielvorgabe. Und was sagt man dazu? Nach 50 Kilometer Fahrt über Land und Stadt zeigte das Kombi-Instrument tatsächlich 2,5 Liter an. Womit bewiesen wäre: Dieser Aygo X hat großes (Einspar-)Potenzial.
Preise und Mitbewerber
Auch wenn der neue Aygo X zum Start für unter 20.000 Euro angeboten wird, der normale Preis klettert bald auf 21.990 Euro für das Einstiegsmodell „Pure“, das zwar mit kabelloser Smartphone-Anbindung, Klimaautomatik und einer Heerschar von Assistenten recht gut ausgestattet ist. Aber für einen Zweisitzer ist der Preis dann doch recht selbstbewusst. Was auch auf die Top-Version „GR Sport“ zutrifft. Sie verfügt über die gleiche Leistung, hat aber ein sportlicher abgestimmtes Fahrwerk und kommt auf 28.390 Euro.
Den Löwenanteil beim geplanten Absatz von 17.000 Autos pro Jahr in Deutschland stellt die Ausstattungsvariante „Teamplayer“. Sie kommt mit den größeren 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer und Handy-Ladeschale daher. Dann kostet der kleine Aygo X 24.690 Euro. Und ist damit teurer als der viel größere Renault Clio, der ebenfalls neu beim Händler steht und als Vollhybrid nur 24.200 Euro kostet. Wer nach dem Motto handelt: Wenn schon Kleinwagen, dann gleich voll elektrisch, der landet beim Hyundai Inster, den es auch schon für 23.900 Euro gibt.
Erstes Fazit
Am Ende fällt unser erstes Fazit leicht gemischt aus: Der neue Toyota Aygo X Hybrid - beim Design top, beim Handling fetzig, beim Verbrauch knickrig! So macht das Kleinwagenfahren Spaß. Leider wirkt der Preis im direkten Vergleich sehr ambitioniert. (Text: Rudolf Bögel. Fotos: Toyota)
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