OMODA 9 im Test: 537 PS, vier Rohre, erstaunlich wenig Theater

Mit dem OMODA 9 bringt die Marke ein Modell auf die Straße, das bewusst höher zielt. Größer, stärker und hochwertiger. Mit 537 PS, eine 34,5-kWh-Batterie, bis zu 145 km E-Reichweite, Allradantrieb und 4,9 Sekunden auf 100 km/h tritt er nicht nur über den Preis an.

Der OMODA 9 auf einen Blick


Was uns gefällt

Das Komfortniveau, die erwachsene Fahrwerksabstimmung und viele durchdachte Details im Innenraum.

Was wir vermissen

Ein Antrieb, der sich subjektiv so kräftig anfühlt, wie es das Datenblatt verspricht.

Ideal wenn …

… man ein großes Plug-in-Hybrid-SUV mit viel Reichweite, viel Ausstattung und klarer Komfortorientierung sucht.

Die Alternativen

Mazda CX-60 PHEV, Kia Sorento PHEV, BYD Seal U DM-i


Stärken

  • Hoher Fahrkomfort
  • Große E-Reichweite
  • Viele Komfortdetails

Schwächen

  • Leistung wirkt weniger dramatisch
  • Hochglanzflächen am Lenkrad
  • Fragwürdiger Optikansatz im Heck

Omoda 9_seitlich

Großer Auftritt, klare Aufgabe

Der Omoda 9 ist nicht einfach das größere SUV der Marke. Es ist das Modell, mit dem Omoda zeigen will, dass es auch weiter oben mitspielen möchte. Unten beginnt das Programm mit dem Omoda 5, oben steht nun der 9er als Flaggschiff. Genau das ist entscheidend, weil es erklärt, warum dieses Modell nicht wie ein weiterer Neuzugang wirkt, sondern wie eine Positionierung. Omoda gehört zur Chery Group, in Österreich läuft der Vertrieb über Colmobil. Und der Omoda 9 hat eine klare Aufgabe: die Marke aus der Lifestyle-Zone näher an das gehobene SUV-Segment zu schieben.

Optisch funktioniert das. Der Omoda 9 wirkt nicht verspielt und auch nicht künstlich extrovertiert, sondern sauber gezeichnet, ruhig in den Flächen und klar auf Präsenz getrimmt. Er bewegt sich ziemlich genau in jener Zone zwischen C- und D-Segment, in der ein SUV schon nach mehr aussehen muss, ohne gleich wie ein rollendes Oberklasse-Möbel aufzutreten. Diese Balance bekommt er gut hin. Der Auftritt hat Gewicht, ohne plump zu werden, und die Proportionen machen unmissverständlich klar, dass dieses Auto innerhalb der Marke deutlich über dem Omoda 5 angesiedelt ist. Auch die Fünf-Sterne-Wertung im Euro-NCAP-Test passt ins Bild.

Spannend ist dabei nicht nur, wie der Omoda 9 aussieht, sondern auch, wie so ein Auto heute für Europa entsteht. Rund 60 Prozent kommen als Carry-over direkt aus China. Weitere 30 Prozent werden dort bereits EU-spezifisch ausgelegt. Die letzten 10 Prozent übernimmt das Europe-R&D-Team nahe Frankfurt mit rund 100 Mitarbeitern aus 18 Ländern. Genau dort werden jene Punkte nachgeschärft, die später wirklich zählen: Fahrwerk, Lenkung, ESP, Reifen und die Abstimmung der Assistenzsysteme auf europäische Straßen, Regeln und Verkehrszeichen. Das klingt technischer, als es sich liest, ist aber entscheidend. Denn an solchen Details trennt sich ein Auto, das hier nur verkauft wird, von einem Auto, das hier auch wirklich funktioniert.

Interessant ist weniger die Form selbst als die Handschrift dahinter. Vieles wirkt vertraut, an manchen Stellen sogar sehr bewusst vertraut. Der Omoda 9 will nicht mit maximaler Eigenwilligkeit provozieren, sondern mit einem Auftritt überzeugen, der auf Anhieb nach gehobenem SUV-Segment aussieht. Das ist klug, weil es schnell lesbar ist. Gleichzeitig sieht man, wo man genau hingeschaut hat. Besonders deutlich wird das am Heck. Die vier Endrohre versprechen mehr Härte, mehr Krawall und mehr Sport, als dieses Auto tatsächlich einlösen will.

Stark im Datenblatt, gelassen auf der Straße

Beim Antrieb macht der Omoda 9 keine halben Sachen. Das sogenannte „Super-Hybrid-System“ kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit drei Elektromotoren, dazu kommen Allrad und ein 3-Gang-Getriebe. Auf dem Papier ist das eine klare Ansage: 537 PS, 650 Nm und ein technischer Aufwand, der deutlich über dem liegt, was viele Plug-in-Hybride sonst anbieten. Das ist kein weiterer Stecker-Hybrid nach Pflichtprogramm, sondern ein System, das sichtbar auf Leistung, Reichweite und Effizienz ausgelegt ist.

Auf der Straße wirkt das Ganze trotzdem deutlich ruhiger, als es die Zahlen erwarten lassen. Schnell ist der Omoda 9 ohne jede Diskussion, nur eben nicht auf grobe oder dramatische Art. Kein brutaler Punch, kein künstlich inszenierter Spektakel-Antritt. Stattdessen liefert der Antrieb seinen Schub sauber, gleichmäßig und erstaunlich kultiviert.. Der 9er will kein extrovertiertes Performance-SUV sein, sondern ein großer Reisewagen mit viel Reserve. Obwohl das Heckdesign anderes ausstrahlt.

Omoda 9_seitlich

Bemerkenswert ist, wie unauffällig die Technik im Hintergrund arbeitet. Das System kann rein elektrisch fahren, seriell oder parallel hybridisiert arbeiten und bei höherem Tempo den Verbrenner stärker einbinden. Im besten Fall bekommt man davon wenig mit. Bis Tempo 40 wird immer rein elektrisch angefahren.

Besonders da merkt man wie das Konzept auf die elektrischee Seite ausgelegt wurde. Die 34,5-kWh-Batterie ist für einen Plug-in-Hybrid eine ernstzunehmende Größe, die offizielle E-Reichweite von bis zu 145 Kilometern ebenso. Dazu kommen rund 1.100 Kilometer Gesamtreichweite, 70 kW Gleichstrom Ladung, 6,6 kW via Wechselstrom und Vehicle-to-Load mit ebenfalls 6,6 kW. Genau hier setzt sich der Omoda 9 von vielen Konkurrenten ab.

Komfortabel abgestimmt, aber nicht weichgespült

Richtig interessant wird es beim Fahrwerk. Viele große elektrifizierte SUV lösen ihr Gewichtsproblem entweder mit demonstrativer Straffheit oder mit weicher Beliebigkeit. Der Omoda 9 versucht beides zu vermeiden. Das adaptive Fahrwerk mit den Modi Komfort, Standard und Sport trifft eine saubere Mitte. Unebenheiten bügelt das Auto ordentlich weg, ohne dabei schwammig zu werden.

Omoda 9_seitlich hinten

Auch der Allradantrieb passt dazu. Nicht als großes Offroad-Versprechen, sondern weil das SUV selbst dann gelassen bleibt, wenn Tempo, Belag oder Untergrund eigentlich nach mehr Unruhe verlangen würden. Er lenkt zwar nicht allzu direkt aber dafür nicht nervös ein, federt nicht künstlich hart ab und versucht auch nicht, seine Größe mit aufgesetzter Sportlichkeit zu kaschieren. Beeindruckend ist hier weniger ein einzelner Aha-Moment als die Ruhe, mit der dieses Auto seine Masse organisiert. Gerade auf längeren Strecken passt das sehr gut zum Charakter des Wagens.

Beim Thema Geräuschkulisse zeigt sich ein gemischtes Bild. Einerseits wirkt der Omoda 9 im Innenraum angenehm gedämmt, das Abrollen bleibt ruhig und auch das Zuschalten des Verbrenners passiert harmonisch. Andererseits ist akustisch nicht alles gleich fein austariert. Vor allem die Warntöne gehen mitunter recht präsent ins Ohr, auch der Blinker klingt anfangs auffallend laut. Immerhin lässt sich das im Alltag schnell entschärfen. Viele der Hinweise kann man über die Shortcut-Leiste mit einem Wisch nach unten beruhigen, auch die Lautstärke des Blinktons lässt sich anpassen. Das ist kein großes Drama, im Alltag aber genau jene Art von Detail, die über entspannt oder lästig entscheidet.

Viel Komfort, viel Technik, wenig Verzicht

Im Innenraum wird schnell klar, worauf der Omoda 9 hinauswill. Das Cockpit setzt auf große Displayflächen, ohne daraus gleich ein reines Bildschirmauto zu machen. Vor dem Fahrer sitzt ein durchgehendes Dual-Screen-Layout mit zwei jeweils 12,3 Zoll großen Displays. Dazu kommt ein Head-up-Display, das wichtige Informationen direkt ins Sichtfeld legt. Optisch funktioniert das gut. Der Innenraum wirkt breit, modern und bewusst aufgeräumt, ohne dabei hektisch oder verspielt zu werden. Beim Thema Materialien wurde auch nicht gespart und auf jede Menge Leder und Alcantara gesetzt.

Omoda 9_Interieur

Entscheidend ist aber etwas anderes. Der Omoda 9 ist nicht völlig touchscreen-hörig. Gerade dort, wo man im Alltag ständig eingreift, helfen echte Tasten. Das macht die Bedienung angenehmer, als es viele reine Glasflächenlösungen heute tun. Genau deshalb wirkt das Ganze nicht wie eine Technikshow, sondern wie ein Cockpit, das auch im täglichen Umgang funktionieren soll. Wichtige Funktionen wie für die Klimaanlage werden noch über echte Drehregler gesteuert. Den Klima-Feinschliff macht man dann über das Display.

Auch beim Komfort zieht der Omoda 9 die Linie sauber durch. Vorn gibt es Sitzbelüftung, Massage und Memory-Funktion, hinten beheizbare Plätze und elektrisch verstellbare Rückenlehnen. Man merkt schnell, dass hier nicht nur der Fahrer bedient werden soll, sondern der gesamte Innenraum als Komfortzone gedacht ist. Für ein großes SUV ist das der richtige Ansatz.

Perfekt ist trotzdem nicht alles. Vor allem die Hochglanzflächen am Lenkrad sehen im ersten Moment schick aus, sind im Alltag aber ein Magnet für Abdrücke. Solche Oberflächen wirken auf Fotos hochwertiger als im täglichen Kontakt. Das ist kein Drama, fällt aber schneller auf, als den Designern vermutlich lieb sein kann.

Fazit 8,5/10

Der Omoda 9 ist kein Auto, das über eine einzige Stärke funktioniert. Er ist nicht der schärfste Dynamiker seiner Klasse, nicht das eigenständigste Designobjekt und auch nicht jener Plug-in-Hybrid, der seine 537 PS demonstrativ vor sich herträgt. Genau das ist aber kein Problem. Denn dieses SUV setzt seine Prioritäten klar: viel Komfort, ein aufwendiger Antrieb mit echter elektrischer Alltagstauglichkeit, ein gelungen abgestimmtes Fahrwerk und ein Innenraum, der sichtbar Richtung gehobenes Segment zielt.

Entscheidend ist allerdings der Preis. Omoda verzichtet vorerst auf Variantenvielfalt und macht die Sache einfach: ein Motor, eine Ausstattung, eine klare Positionierung. Die Premium-Line kostet 48.990 Euro. Und genau damit wird der Omoda 9 besonders interessant. Denn für ein großes, sehr gut ausgestattetes Plug-in-Hybrid-SUV mit 537 PS ist das eine ungewöhnlich scharfe Ansage.

Ganz ohne Kritik geht es trotzdem nicht. Die Leistung fühlt sich weniger dramatisch an, als es das Datenblatt vermuten lässt. Manche Details wirken sehr deutlich bei den Deutschen abgeschaut. Und nicht jede Lösung im Innenraum hält dem Alltag gleich gut stand. Unterm Strich bleibt aber ein Auto, das mehr kann, als man einer noch jungen Marke zunächst zutrauen würde.

Technische Daten OMODA 9 PHEV
Antriebssystem Plug-in-Hybrid
Verbrennungsmotor 1,5-Liter-T-GDI-Vierzylinder
Leistung Verbrenner 143 PS
Drehmoment Verbrenner 215 Nm
Elektromotoren 3
Leistung E-System 340 kW
Drehmoment E-System 700 Nm
Systemleistung 537 PS (395 kW)
Systemdrehmoment 650 Nm
Getriebe 3-Gang-DHT
Antriebsart Allradantrieb
Batteriekapazität 34,5 kWh
Elektrische Reichweite bis 145 km
Ladeleistung AC 6,6 kW
Ladeleistung DC bis 70 kW
Ladezeit DC (30–80 %) ca. 20 min
Ladezeit AC (5–100 %) ca. 5,5 h
Vehicle-to-Load 6,6 kW
Beschleunigung (0–100 km/h) 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Abmessungen (L/B/H) 4.775 mm / 1.920 mm / 1.671 mm
Leergewicht 2.270 kg
Zul. Gesamtgewicht 2.717 kg
Radstand 2.800 mm
Kofferraumvolumen 471–1.783 l
Anhängelast gebremst 1.500 kg
Anhängelast ungebremst 750 kg
Tankinhalt 70 l

AutoScout24 Scores

Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.

Score
8,5
Design
8,4
Bedienbarkeit
7,9
Komfort
8,8
Alltagstauglichkeit
8,7
Fahreigenschaften
8,1
Antrieb
8,8
Effizienz
8,6
Preis-Leistungs-Verhältnis
8,4
Ausstattung
8,9
Sicherheit
8,7

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Johannes Ibrahim

Johannes Ibrahim ist seit 2025 Teil des Redaktionsteams beim AutoScout24 Magazin in Österreich. Der studierte Techniker und erfahrene Motorjournalist berichtet seit 2022 über das gesamte Spektrum der Mobilität – von Prototypen über Serienfahrzeugen bis hin zu internationalen Motorsportevents. Neben seiner Arbeit für AutoScout24 schreibt er weiterhin für namhafte Tageszeitungen, Fachmagazine sowie Print- und Onlinemedien im Automobilbereich. Auf Instagram und TikTok produziert er zusätzlichen Social-Media-Content für AutoScout24 Österreich und seinen eigenen Kanal.