Mercedes-Maybach S-Klasse (2026): Servus, Zwölfzylinder!

Die neue Maybach S-Klasse ist da. Und trotzdem fehlt etwas. Erstmalig wird es keinen Zwölfzylinder mehr geben in Europa. Das Signature-Triebwerk ist ein Opfer der Abgasvorschriften. Die begüterte Klientel wird es verkraften, Mercedes lindert den Schmerz mit noch mehr Luxus. Erste Sitzprobe.

Die Mercedes-Maybach S-Klasse auf einen Blick


Was uns gefällt

Der Chefsessel rechts hinten. Bequemer geht es nicht.

Was wir vermissen

Jetzt schon den guten alten Zwölfzylinder.

Ideal wenn …

… man nicht aufs Geld schauen muss.

Die Alternativen

Rolls Royce Ghost, Bentley Flying Spur und sicherlich der nächste BMW Alpina B7


Stärken

  • Hohe Materialqualität
  • Beste Verarbeitung
  • Außenauftritt als Statement

Schwächen

  • Sehr teuer in der Anschaffung
  • Kein Hyperscreen
  • V12 nicht mehr für Europa

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Ein Schlupfloch gibt es noch für den V12

Der V12 ist seit der ersten Mercedes-Maybach S-Klasse im Jahr 2015 mit an Bord. Der sechs Liter große Biturbo-Benziner leistete bis zu 450 kW / 612 PS, hatte 900 Nm Drehmoment und war eine Maschine fürs Prestige. In Europa ist er (Motor-)Geschichte. Mit einer Ausnahme. Im gepanzerten Modell S 680 Guard dürfen Staatsoberhäupter und wichtige Wirtschaftslenker weiter dem Säuseln der zwölf Zylinder lauschen. Für überzeugte Maybach-Besitzer geht die edle Marke mit dem Abgang des Kult-Triebwerks jetzt zwar nicht den Bach hinunter. Aber ein Phantomschmerz wird bleiben.

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Der fliegende Maybach: In vier Sekunden von null auf 100

Die neue Top-Motorisierung im S 680 ist nun der überarbeitete V8-Biturbo (M177 Evo) mit vier Litern Hubraum. Er bringt ebenso wie der Zwölfzylinder 612 PS auf die Straße und ein Drehmoment von 850 Nm. Kurzfristig kommen noch mal 205 Nm dazu, wenn der elektrische Startergenerator (17 kW / 23 PS) mit anschiebt. Leistung satt – das reicht für einen Spurt von null auf 100 in vier Sekunden. Um die Laufruhe des Triebwerks zu erhöhen, wurden noch zwei zusätzliche Lanchester-Ausgleichswellen eingebaut.

Der gleiche V8 werkelt auch im beinahe gutbürgerlichen S 580, allerdings nur mit 395 kW / 537 PS. Er ist um eine halbe Sekunde langsamer beim Sprint auf Tempo 100. Beim Dritten im Bunde, dem S 580e, handelt es sich um einen Plug-in-Hybrid mit Reihensechszylinder, der es zusammen mit einer E-Maschine auf stattliche 430 kW / 585 PS bringt, und sogar bis zu 98 Kilometer rein elektrisch fahren kann. Fürs gute grüne Gewissen.

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"Maybach leuchtet" – sogar der Stern

Doch was nützt der beste Motor, wenn man den Status seines Besitzers nicht sehen kann? Denn dafür braucht es eine entsprechende Optik. Beim Maybach ist dafür in erster Linie der Kühlergrill zuständig. Er ist um satte 20 Prozent größer geworden, die 27 senkrechten Chromstreben geben ihm eine mächtige Erscheinung. Dass es sich um keinen herkömmlichen Benz handelt, erkennt man auch an den Marken-Emblemen in den Lufteinlässen und etwas dezenter an den Roségold-Elementen in den Doppelscheinwerfern.

Apropos: unter dem Motto „Maybach leuchtet“ haben sie in Stuttgart so ziemlich alles illuminiert, was ging. Den Rahmen des Kühlergrills etwa, die Maybach-Schriftzüge auf der C-Säule sowie auch den kompletten Mercedes-Stern auf der Haube. Zumindest dort, wo das auch erlaubt wird. Europa, man hat es erraten, gehört auch hier aus nicht nachvollziehbaren regulatorischen Gründen nicht dazu.

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Auch der Maybach hat keinen Hyperscreen

Ein echter Hingucker sind die neuen 21 und 20 Zoll großen Schmiederäder mit dem typischen Vielspeichen-Design. Ob mit Gold-Finish oder im schlichten Silber – sie wirken durch ihre filigrane Eleganz. In der Mitte prangt der Mercedes-Stern. Er bleibt, auch wenn sich das Rad dreht, immer in der gleichen Position, dank des neuen Kugellager-Mechanismus. Dezent ist auch der Lichtteppich, über den wir hinwegschreiten, um uns in die Limousine zu setzen. Natürlich nicht vorne, sondern hinten rechts, wie sich das für einen echten Maybach-Besitzer geziemt.

Aus Chauffeurs-Sicht fällt auf, dass der Maybach wie die neue S-Klasse auch, eine beeindruckende Bildschirmlandschaft über das ganze Armaturenbrett bietet. Leider handelt es sich nicht um das neueste Produkt aus dem Hause Mercedes. Den noch besseren Hyperscreen, der nicht aus drei unterschiedlichen Displays besteht, sondern ein einziger Monitor ohne Übergänge ist, gibt es erst in den ganz neuen Fahrzeugen wie etwa dem elektrischen GLC. Basis für den Maybach ist ja die aktuelle S-Klasse und die ist wiederum nur ein (wenn auch umfangreiches) Facelift.

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Kühlschrank und silberne Champagner-Kelche

Aber zurück dahin, wo die Musik spielt, in den Fond des Luxus-Liners. Platzprobleme gibt es hier hinten nicht. Damit das so ist, haben die Stuttgarter die Langversion der S-Klassen-Limousine noch mal um 18 Zentimeter gestreckt. Sie misst jetzt 5,48 Meter – aber keine Angst, liebe Chauffeure, mit der serienmäßigen Hinterachslenkung (optional bis zu zehn Grad) lässt sich das Rangieren kinderleicht bewältigen. Auf Knopfdruck schließen (und öffnen) sich die Maybach-Türen mit einem sanften Plopp. Und schon bleibt die Welt draußen. Weiches Licht, warmes Holz (darunter grobporige Eiche) und sanftes Leder empfangen die Fond-Passagiere. Die mit 199 LEDs bestückte Ambiente-Beleuchtung zaubert bis zu 64 Farben ins Interieur – darunter exklusive Maybach-Töne wie Roségold White oder Amethyst-Glow.

Die neue Mittelkonsole ist mit zwei maßgeschneiderten Halterungen ausgestattet - für die versilberten Champagnerkelche der renommierten deutschen Manufaktur Robbe & Berking. Hinter der Armlehne befindet sich der Kühlschrank, damit die perlenden Getränke auch immer ausreichend gekühlt sind. Champagner schlürfen, sich in die Polster kuscheln. Da kommt Kinofeeling auf. Dafür gibt es zwei 13.1 Zoll große Bildschirme, die sich natürlich mit einer Fernbedienung steuern lassen. Sie sind auch mit Mikrofonen ausgestattet – denn die nächste Videokonferenz kommt bestimmt.

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Noch exklusiver mit dem "Made-to-Measure-Programm"

Fast kein Maybach sieht so aus wie der andere - der Kunde bekommt, was das Herz begehrt. Nahezu jede der Luxuslimousinen wird in der Manufaktur personalisiert. Und wem die 150 Lack- und 400 Interieur-Farben nicht genügen, für den gibt es noch das „Made to Measure“-Programm. Es beginnt mit einem persönlichen Gespräch, ob zu Hause oder im Showroom. Dem Kunden steht dann ein ganzer Kosmos zur Auswahl. Hunderte auch historische Farben aus der Mercedes- und Maybach-Geschichte, zum Beispiel für Exterieur und Felgen. Auch bei Ziernähten und Leder gibt es kein Limit – bis hin zu Prägungen mit einem persönlichen Logo.

Das alles lässt sich Mercedes natürlich anständig bezahlen. Was die Freude am Luxus am Ende genau kostet, ist noch nicht offiziell beziffert. Die letzte Generation startete bei 180.000 Euro. Kann also gut sein, dass jetzt eine Zwei davorsteht. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)

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Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.

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