Gebrauchtwagentest: Mercedes E-Klasse W 124 (1984-1997) – Der letzte Echte

Denn gute Exemplare des zwischen 1984 und 1997 produzierten Mercedes sind rar. Besonders beliebt sind Coupé und Cabrio.
1984 startete Mercedes mit dem W124, dem Nachfolger des W 123. Der aber lief noch zwei Jahre parallel zum neuen Modell, um auch die letzten Zweifler bei Mercedes halten zu können. Drei Jahre später debütierte dann das Coupé. Der Zweitürer besticht bis heute mit seiner Schlichtheit und wird lediglich durch das ab 1991 produzierte Cabrio übertroffen. Beide Modelle erreichen in Originalzustand schwindelerregende Höchstpreise. Jedoch ist es extrem schwierig solch ein gepflegtes Modell zu finden, denn oft wurden die Fahrzeuge mit Tieferlegung, Breitreifen und Anbauteilen verunstaltet.
Höchstpreise
Diese Probleme haben Limousine und der riesige Kombi (T-Modell bis 2.175 Liter) nicht. Aber auch hier ist es bereits schwierig, gut erhaltene Exemplare zu bekommen. Die Limousine wurde in drei Modellzyklen produziert und ist bis heute die am längsten produzierte E-Klasse (elf Jahre).
Nur zu Beginn der Produktionszeit waren noch Vergaser-Motoren im Programm, die recht schnell durch Einspritzer ersetzt wurden. Insgesamt gab es während des gesamten Modelzyklus rund 40 Leistungsstufen von 72 PS (200 D) bis zu brachialen 381 PS (E 60 AMG).
Grundsätzlich sollte man beim Kauf eher ein Fahrzeug mit Vier- oder Fünfgang-Automatik (baujahrabhängig) denn einen mit hakeliger Handschaltung (ebenfalls Vier- und Fünfgang-Getriebe) wählen. Die Handschalter (vor allem die Diesel) sind bis heute für den Bonanza-Effekt bekannt. Dabei ist das Aufschaukeln des Motorblocks, der das gesamte Auto in Bewegungen versetzte, heute ein durchaus willkommener Nebeneffekt, der dem W 124 Charakter verleiht. Damals nervte das und ließ BMW-Fahrer amüsiert davonbrausen.
Motoren
Technisch waren die Schwaben gerade damals Vorreiter. So gab es einen Katalysator bereits ab Baujahr 1986 serienmäßig, dann sogar für den 200er-Vergaser. Einer der besten Motoren ist der V8 des E 420. Bei ihm wurden Fahrwerk, Bremsen und Ausstattung an die hohe Motorleistung von 279 PS angepasst, die Optik entspricht jedoch bis auf die um einen Zentimeter breiteren Reifen der der Sechs-Zylinder-Modelle – Understatement pur. Bis zum Facelift 1993 hieß das Modell noch 400 E und musste mit den Fahrwerkskomponenten des Sechs-Zylinders auskommen. Der Achtender ist sehr laufruhig, haltbar, schnell und als Gebrauchter nicht wirklich teurer als die kleineren Modelle. Der Dampfhammer der Baureihe war jedoch der bei Porsche in Weissach mitentwickelte 500 E (später E 500) mit gut 320 PS, generiert aus einem Fünf-Liter-V8. Das war damals in der Mittelklasse ein Alleinstellungsmerkmal.
Unterhalb der Acht-Zylinder-Maschinen rangieren diverse Sechs-Zylinder mit anfangs 160 PS (260 E) bis hin zu 272 PS im E 36 AMG. Hier machen hin und wieder poröse Zylinderkopfdichtungen auf sich aufmerksam. Ein schneller Blick unter den Öleinfüllstutzen und in den Kühlwasserbehälter verschafft da jedoch Klarheit. Sind dort schleimige Ablagerungen zu finden, deutet das auf eine defekte Kopfdichtung oder gar einen Riss im Motorblock hin. Die Vier-Zylinder im 200 E (118 – 136 PS), 220 E (150 PS) und 230 E 132 – 136 PS) laufen recht rau, sind laut aber haltbar. Sind alle Inspektionen gemacht (oder möglichst viele), kann auch Fahrzeugen mit 300.000 Kilometern auf der Uhr ein noch langes Leben beschieden sein. Aber: Die echten Langläufer sind im W 124 die Dieselantriebe. Vor allem die Vorkammer-Diesel zählen bis heute zu den haltbarsten Aggregaten überhaupt und laufen bei planmäßiger Pflege problemlos 500.000 Kilometer und mehr.
Der Allradantrieb 4Matic erschien übrigens erstmals 1987 im W124 als 300 E 4Matic (180 und 188 PS) und 300 D Turbo 4Matic (143 PS) und wurde später noch im 260 E und 300 D zu einem Aufpreis von rund 12.000 D-Mark angeboten. Mit an Bord waren stets ABS und ASD – dem Vorgänger der heutigen Antriebs-Schlupf-Regelung. Im Normalbetrieb wurden ausschließlich die Hinterräder angetrieben, maximal 33 Prozent gelangten bei Schlupf automatisch an die Vorderachse. Elektronisch geregelt wurde ein extrem aufwändiges Planetengetriebe und ein sperrbares Zentraldifferenzial. Das System funktionierte problemlos. Defekte am 4Matic-Allrad sind indes teuer.
Öl am Differenzial
Mehr Ärger macht am W 124 oft Öl am Hinterachsdifferenzial. Aber Vorsicht: Ein dezenter Ölfilm ist an fast jeder Achse vorhanden und bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Dichtung defekt ist. Viel Öl zieht hingegen meist den Tausch der Zwanzig-Euro-Dichtung nach sich, was aber aufgrund der kompletten Zerlegung des Hinterachsdifferenzial deutlich teurer wird.
Ebenfalls anfällig sind die Hardy-Scheiben (Gelenkscheiben), die zur Dämpfung und Elastizität der Antriebskraft vorne und hinten in die Kardanwelle integriert wurden. Diese können einreißen und ein Schlagen im Antrieb, ruckelndes Anfahren und Geräusche verursachen. Ein nur optischer Makel sind hingegen die im Interieur oft eingerissenen Holz-Intarsien des Mitteltunnels – das aber ist Patina und gehört so.
Als grundsolide gelten die Karosserien des 124ers. Rost ist zwar ein Thema, jedoch nur bei Fahrzeugen, die entweder schlecht gepflegt wurden oder aufgrund von Kratzern, Steinschlägen oder ähnlichem beschädigt wurden und der Korrosion Angriffsfläche bieten. Rostfreie Exemplare finden sich aber noch einige.
Zwei Facelifts
Insgesamt gab es zwei sichtbare Facelifts beim W 124. Für viele schicker sind die Modelle nach dem ersten Facelift 1989, dann besaßen die Fahrzeuge die farblich abgesetzte Kunststoff-Beplankung an den Türen und modifizierte Stoßfänger. 1993 kam das zweite Facelift, zu erkennen, unter anderem, an dem geschwungenen Kühlergrill. Wer jedoch Retro will und den Benz nicht als Alltagsfahrzeug einsetzen möchte, sollte nach einem frühen Original Ausschau halten (kleine schwarze Kunststoff-Stoßleisten und orangefarbene Blinker vorne), denn der wird im Wert schneller steigen.
Bei AutotScout24 finden sich derzeit gut 1.000 Mercedes W 124 von Preisen zwischen (fast) geschenkt bis hinauf zu 50.000 Euro. Intensives Vergleichen lohnt jedoch, denn oftmals sind die Preise stark über- oder untertrieben – Schnäppchen scheinen dabei zu sein.
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