Gebrauchtwagentest: Mercedes CLS – Ein Sportler im Business-Dress

Wo die E-Klasse den konservativen Kunden ins Visier nimmt, will der CLS den sportlich orientierten Käufer locken - mehr Coupé als Taxi sein. Zu sehen ist das außer an der fließenden Silhouette auch an exklusiven Details wie den rahmenlosen Seitenscheiben. Innen gibt es hochwertige Materialien und ein Interieur-Design, das sich klar von dem der bürgerlicheren E-Klasse absetzt. Das Platzangebot im viertürigen Coupé entspricht weitgehend dem der Limousine. Wen der etwas knappere Kopfraum stört, wählt besser den Shooting Brake, der zwar beim maximalen Ladevolumen hinter dem zeitgenössischen E-Klasse T-Modell zurückbleibt, aber trotzdem ein immenses Koffer-Abteil bietet. Eine dritte Sitzreihe gibt es im Unterschied zum Standard-Kombi aber nicht. Was einen gebrauchten Shooting Brake zusätzlich reizvoll machen könnte: In der 2018 gestarteten neuen Generation gibt es ihn nicht mehr.
Serienausstattung lückenhaft
Beim Antrieb bedient sich der CLS im Regal seines Technikspenders, lässt aber die kleineren Motoren der E-Klasse direkt links liegen und startet bei den Benzinern mit einem 185 kW/252 PS starken 3,5-Liter-V6 (CLS 300). Alternativ sind Leistungsstufen mit 225 kW/306 PS (CLS 350) und 245 kW/333 PS (CLS 400) zu haben. Luxus ohne Krawalloptik bietet der 4,7 Liter große V8 mit 300 kW/408 PS (CLS 500), wer es optisch und akustisch auffälliger mag, wird bei den AMG-Modellen mit bis zu 430 kW/585 PS (CLS 63 AMG S) fündig. Wahl der Vernunft ist jedoch ein Diesel: den besten Kompromiss aus Kraft und Effizienz bietet der 150 kW/204 PS starke Vierzylinder im CLS 250 d, der seit Herbst 2014 die Euro-6-Norm erfüllt. Darüber hinaus sind ein Einstiegs-Vierzylinder mit 125 kW/170 PS (CLS 220 d, ebenfalls Euro 6) und ein 190 kW/258 PS starker V6 (CLS 350 d, ab 2013 Euro 6) im Programm. Der Standardantrieb erfolgt über die Hinterräder, für die mittelstarken Modelle ist häufig Allradantrieb zu haben, bei den stärksten ist er teilweise Serie. Die Kraftübertragung übernimmt in der Regel die bekannte Siebengang-Automatik, in neueren Modellen ist teilweise auch bereits die Neungangautomatik zu finden.
Trotz des hohen Grundpreises (neu zuletzt ab rund 55.000 Euro) ist die Serienausstattung des CLS eher lückenhaft. Immerhin sorgen Xenonlicht (später LED-Scheinwerfer), sieben Airbags, aktive Kopfstützen und eine Müdigkeitserkennung serienmäßig für Sicherheit. Empfehlenswert ist angesichts der unübersichtlichen Karosserie eine Rückfahrkamera, komfortorientierte Fahrer dürften zudem die Luftfederung und die Multikontursitze zu schätzen wissen.
Zweite Auflage deutlich solider
War die erste CLS-Generation mit ihrem anfälligen Fahrwerk noch ein regelmäßiger Werkstattkunde, zeigt sich Auflage zwei deutlich solider. In allen kategorien der Hauptuntersuchung schneiden die Modelle viel besser ab als der Durchschnitt – mit steigendem Alter nimmt der relative Vorsprung gegenüber der Konkurrenz sogar noch zu. Einzig Steinschläge an der Windschutzscheibe verhindern in der Dekra-Statistik den absoluten Spitzenplatz in der Oberklasse.
Luxuriös, ausgereift und gekonnt zwischen sportlich und komfortabel positioniert – der CLS ist ein echtes Premium-Mobil in der gehobenen Businessklasse, der selbst für einige S-Klasse-Fahrer eine Überlegung wert sein kann. Allerdings schlägt sich das auch im Preis nieder. Unter 25.000 Euro sind nur echte Dauerläufer zu haben. (sp-x/hh/jms)
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