Maserati MCPura Cielo im Test: Der schönere Ferrari?

Der Maserati MCPura Cielo auf einen Blick
Was wir mögen
Tatsächlich die positive Aufmerksamkeit, die dieses Auto erzeugt.
Was wir vermissen
Etwas mehr Grazie im Innenraum.
Perfekt wenn ...
... man Mal einen ganz anderen Sportwagen haben möchte.
Die Alternativen
Porsche 911 Turbo S Cabriolet, McLaren 750S Spider, Chevrolet Corvette Z06 Cabrio
Stärken
- Sehr gute Fahrleistungen
- Komfortabel und sicher
- Teils sehr effizient
Schwächen
- Eingeschränkte Rundumsicht
- Sichtbare Stellantis-Gleichteile
- Sehr kleiner Kofferraum
Maserati MCPura - neuer Name, gleiche Idee
Wir wissen natürlich auch nicht, wie sie das in Modena bei Maserati aufgenommen haben - also die Sache mit dem neuen Ferrari Luce, über den wir uns bereits kurz in einem Kommentar ausgelassen haben. Als Gegenmittel zu dessen streitbarem Design empfiehlt sich ein genauerer Blick auf den neuen Maserati MCPura Cielo. Also die offene Version des 630 PS starken Mittelmotor-Sportwagens, der bis zu seiner Weiterentwicklung im Jahr 2025 noch als MC20 vermarktet wurde.
Ob nun mit oder ohne Zusatzzahl, macht optisch zunächst keinen großen Unterschied. Freilich wurde hier und da an Front- und Heckpartie noch einmal nachgeschärft, doch bereits seit seiner Vorstellung im Jahr 2020 ist der Maserati-Sportwagen ein optischer Leckerbissen. Carbon bleibt weiterhin eines der tragenden Elemente, wobei der leichte Kohlefaserwerkstoff besonders dann sichtbar wird, wenn die beiden Scherentüren effektvoll aufschwingen.
Bildergalerie: Maserati MCPura Cielo (2026)

Nettuno-V6 setzt auf Formel-1-Technik
Hinter Fahrer und Beifahrer verbirgt sich dann der eigentliche Star im Supersportler: der von Maserati entwickelte Nettuno-Motor. Ein 3,0-Liter-90-Grad-V6-Biturbo mit 630 PS und 730 Nm Drehmoment, von dem es immer wieder heißt, er sei am Ende doch mit Unterstützung durch Alfa Romeo und Ferrari entstanden. Der Sechszylinder nutzt eine aus der Formel 1 abgeleitete Vorkammer-Zündung: Das Gemisch wird zunächst in einer kleinen Brennkammer entzündet, von wo aus Flammstrahlen in den Hauptbrennraum schießen. Das sorgt für eine schnelle, gleichmäßige Verbrennung. Zusammen mit einer direkten und indirekten Einspritzung (die Direkteinspritzung arbeitet mit 350 bar) soll das Leistung, Ansprechverhalten sowie Effizienz verbessern.
Und was sollen wir sagen: Der heiser klingende V6, der aus seiner doppelten Turboaufladung akustisch nie einen Hehl macht, kann bei entspannter Fahrweise mit unter acht Litern auf 100 Kilometer bewegt werden. Andererseits: Wird der Nettuno mit einer Literleistung von 210 PS ordentlich gefordert, ist der 60-Liter-Kraftstofftank binnen 250 Kilometern trockengelegt. Während andere Turbomotoren trotz zusätzlicher Elektrifizierung eine gewisse Trägheit an den Tag legen, spricht der Nettuno-Motor im MCPura äußerst spontan an. Bereits bei 3.000 Touren steht das volle Drehmoment bereit, die Maximaldrehzahl liegt bei 7.500 Umdrehungen pro Minute. Auf Wunsch sprintet der Italiener dank Launch-Control in drei Sekunden auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit wird bei etwa 320 km/h erreicht.
Der Maserati MCPura Cielo kann es von zart bis hart
Ob das nun ohne Dach stattfinden muss, sei dahingestellt. Bei etwa 220 km/h wird es im offenherzigen MCPura Cielo dann doch recht zügig. Für eine Ausreizung der digitalen Tachoskala empfiehlt es sich daher, das Klappdach binnen zwölf Sekunden und bis maximal 50 km/h zu schließen. Gewisse Verwindungsgeräusche zwischen dem ultrasteifen Carbon-Monocoque und dem gläsernen Überwurf bleiben dabei leider nicht aus. Ein großes Lob geht derweil an die Fahrwerksingenieure. Das serienmäßige Adaptivfahrwerk macht aus dem MCPura Cielo tatsächlich einen langstreckentauglichen Gran Turismo, der selbst über fiese Querrillen komfortabel abrollt.
Wird vom gleichnamigen GT-Fahrmodus dagegen auf Sport oder gar Corsa geschaltet, sieht die Welt ein wenig anders aus. Motor, Fahrwerk und Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe arbeiten dann verbissen daran, die dynamischen Qualitäten des MCPura hervorzuheben. Fein lässt sich der etwa 1.600 Kilogramm leichte Cielo in Kurven dirigieren, und zumindest wenn das ESC aktiviert ist, muss der Fahrer nicht um Mittelmotor-Sportwagen-typische Ausreißer mit dem Heck fürchten. Das mag zusätzlich auch an den aufgzogenen Bridgestone-Pneus liegen, die bei trockener Piste sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten ermöglichen.
Im Innenraum grüßt weiterhin der Fiat 500
Im Innenraum bieten die Modenesi zwar schier unendliche Möglichkeiten der Individualisierung, doch ganz gleich, wie viel Geld nun aufgerufen wird: Am ein oder anderen Stellantis-Gleichteil kommt man nicht vorbei. Als da wären zum Beispiel die Infotainment-Einheit, aber auch die Türöffnungs-Taster aus dem Fiat 500 Elektro. Aber das kennt man bei Maserati natürlich seit vielen Jahrzehnten. Die Frage ist am Ende nur, ob einem das mindestens 260.000 Euro oder, wie im Falle des Testwagens, über 320.000 Euro wert ist. Ein kleines Trostpflaster: Ein Porsche 911 Turbo S Cabriolet ist nochmals teurer, aber bestimmt nicht aufregender zu fahren.
Fazit
Nach einer Woche mit dem Maserati MCPura Cielo bleibt es uns ein Rätsel, wieso wir bisher noch nie einen solchen auf den Straßen in Deutschland gesehen haben. Sowohl was den Antrieb als auch den Fahrkomfort angeht, braucht sich dieser italienische Supersportwagen nicht vor einem McLaren, Lamborghini oder Ferrari zu verstecken. Liegt es am fehlenden Prestige der lediglich sechs Zylinder oder am etwas beliebig wirkenden Innenraum? Wir würden potenziellen Sportwageninteressenten in jedem Fall eine ausgedehnte Probefahrt empfehlen. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
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