Kia EV9 GT (2026) im Test: Der Anti-Minivan mit 508 PS

Der Kia EV9 GT auf einen Blick
Was wir mögen
Wie unvernünftig auch ein Elektroauto sein kann.
Was wir vermissen
Ein Fahrwerk, das mit den 2,7 Tonnen Gewicht umgehen kann.
Perfekt wenn ...
... es einfach das stärkste Modell im Lineup sein soll.
Die Alternativen
Volvo EX90, Hyundai Ioniq 9, Cadillac Vistiq
Stärken
- Starke Antriebsleistung
- Viel Platz
- Gute Verarbeitung
Schwächen
- Straffes Fahrwerk
- Hoher Verbrauch
- Teils umständliche Bedienung
Wer ein elektrisches Familienauto mit sieben (oder in unserem Fall: sechs) Sitzen sucht, wird früher oder später beim Kia EV9 landen. Denn ob man nun Kia-Fan ist oder nicht: Der EV9 bietet mittlerweile einen gewissen Status, viel Platz und als GT massig Leistung. Nur wenn es dann wirklich ums sportliche Fahren geht, wird es kompliziert. Denn die Physik lässt sich nicht betrügen.
Guter Antritt, aber agil ist anders
Im Kia EV9 GT arbeiten zwei Elektromotoren mit einer Systemleistung von 508 PS und 740 Nm Drehmoment. Der Sprint des Allradlers auf 100 km/h gelingt in 4,6 Sekunden, bei 220 km/h ist elektronisch Schluss. Das klingt dann doch einigermaßen flott und wer eine künstliche Soundkulisse und virtuelle Schaltvorgänge hinzuschaltet, kann unwissende Beifahrer wohl durchaus hinters Licht führen. Tatsächlich klappt das sportliche Fahren dann aber nur bedingt. Der Antritt auf der Geraden ist für das Fahrzeugsegment okay, die Kurvenperformance allerdings leidet unter den rund 2,7 Tonnen Leergewicht, die der GT auf die Waage bringt. Einen Vorteil hat das allerdings: Ohne die schnelle Hatz sinkt der Durchschnittsverbrauch zeitweise auch unter die Marke von 30 kWh auf 100 Kilometer.
Lenkung und Fahrwerk des knapp über fünf Meter langen XXL-Stromers befinden sich dagegen in einem unbefriedigenden Niemandsland: Das Einlenkverhalten ist zu unpräzise, das Fahrwerk für ein klassisches Familien-SUV auf den ersten Metern zu straff. In Kurven dagegen kämpft es merklich mit dem hohen Fahrzeuggewicht. Eindeutiger Gewinner: die Physik. Da wird es dann schwer mit dem GT-Abzeichen am Heck. Zumal die beiden optionalen „Premium-Relaxation-Sitze“ im Fond des EV9 GT eigentlich etwas ganz anderes versprechen. Positiv hervorzuheben ist jedoch das elektronische Sperrdifferenzial an der Hinterachse: Es verteilt das Drehmoment radselektiv und sorgt aus Kurven heraus für viel Souveränität.
Flott ist der EV9 GT zudem an der Ladesäule: Mit immerhin 210 kW lädt der EV9 GT die 99,8 kWh große Batterie von zehn auf 80 Prozent in rund 25 Minuten. Ab einem Ladestand von etwa 65 Prozent flacht die Ladekurve allerdings bereits merklich ab.
Großes Auto, verbauter Innenraum
Von außen ist der EV9 GT ein echter Koloss. Im Inneren relativiert sich der erste Eindruck jedoch schnell: So bieten die besagten Relaxation-Sitze in der zweiten Reihe zwar vielfältige Einstellungsmöglichkeiten bis hin zur Liegeposition. Doch ist das eher für Menschen gemacht, deren Körpergröße 1,85 Meter nicht weit übersteigt. Ist der EV9 GT mit vier größeren Passagieren besetzt, ist es auch mit dem Beinraum im Fond nicht weit her. Beim hier testenden Autor streifen die Knie früh die Rückenlehnen der Vordersitze.
Derweil ist die dritte Reihe maßgeblich dem Nachwuchs vorbehalten. Für den Alltag gibt es im Innenraum jedoch viele Ablagen, die besonders das Verreisen mit Kindern begünstigen. Der Kofferraum fasst bei umgelegter dritter Reihe sehr vernünftige 828 Liter, ein zusätzlicher Frunk unter der Fronthaube bietet weitere 52 Liter Stauraum – etwa für die Ladekabel.
Drei Bildschirme, aber eine Bedienung mit Haken
Die Materialqualität im EV9 GT ist – Kia-üblich – auf einem wertigen Niveau. Alcantara-Einlagen, Lederoptik und neongrüne GT-Akzente sollen ebenso Sportlichkeit vermitteln wie das Sitzdesign. Wer allerdings auf Individualisierung aus ist, schaut in die Röhre: Schwarz ist die einzige Farbe, die im Konfigurator bereitsteht. Für ein Auto, das jenseits der 90.000 Euro liegt, ist das etwas schwach. Gleichermaßen hoffen wir auf eine baldige Umsetzung des neuen Pleos-Infotainmentsystems von Hyundai auch bei Kia. Denn das derzeit verbaute System ist wenig intuitiv, viele Optionen bleiben in Untermenüs versteckt.
Hinzu kommt eine deutliche Bedienverzögerung, die in einem heutigen Fahrzeug schlicht nicht mehr akzeptabel ist. Dass auch weiterhin so einfache Dinge wie die Verkehrszeichenerkennung nicht fehlerfrei funktionieren und man bereits bei einem kurzen Blick weg von der Straße piepend ermahnt wird, passt ebenfalls nicht zum neuen Premiumanspruch der Marke. Dagegen hat der Kia EV9 GT etwas, woran viele deutsche SUV-Modelle mittlerweile scheitern: physische Tasten für die Klima- und Lautstärkeregelung. Als weniger sinnvoll erachten wir hingegen die halb sensitiven, halb physischen „Tasten“ unterhalb des Mitteldisplays.
Fazit
Der Kia EV9 GT ist vor allem durch sein Äußeres ein im wahrsten Sinne des Wortes beeindruckendes Auto. Mächtig steht er vor einem und vermittelt dabei durchaus einen sportlichen Anspruch. Allerdings lässt sich dieser beinahe nur auf der Geraden aufrechterhalten. Zu sehr hadert das verbaute Fahrwerk mit dem hohen Leergewicht von 2,7 Tonnen. Gleichzeitig ist es für Familien-SUV zu straff abgestimmt. Auch der hohe Stromverbrauch und das wenig intuitive Infotainment-System passen nicht ganz zum hohen Preis, der in Deutschland bei 90.480 Euro beginnt. Unsere Empfehlung daher: Wenn Kia EV9, dann die 385 PS starke GT-Line. (Text: Maximilian Fisseler | Bilder: Hersteller)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
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