Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid Alltagstest: Angestrengt aber sparsam

Beim ersten Test, noch vor Coronazeiten im Süden Frankreichs, attestierte ich dem neuen Kia Ceed Plug-in-Hybrid bereits ein großes Potential. Die Fahrdynamik durch Ex-BMW-M-Mann Albert Biermann nachgeschärft, die elektrische Reichweite von erfahrenen 40 Kilometern alltagsnah und die Kombination aus einer 44 kW/60 PS starken E-Maschine und einem 77 kW/105 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner meistens gelungen (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 1,1-1,3 l/100km; Stromverbrauch kombiniert: 9,3-11,2 kWh/100km; CO2-Emissionen kombiniert: 28-33,6 g/km²).
Nun, ein halbes Jahr später, hat uns Kia den Ceed SW Plug-in-Hybrid freundlicherweise noch einmal in heimischen Gefilden für einen Alltagstest bereitgestellt; denn die Côte d’Azur ist schließlich nicht Oberbayern, Nizza nicht München. Und nach einer guten Woche mit dem Golf Variant Konkurrenten (die achte Generation wird in Kürze vorgestellt, auch als Hybrid) lässt sich vor allem der Antriebsstrang des Koreaners besser bewerten. Zunächst: Der Ceed SW Hybrid ist ab 37.190 Euro sicherlich einer der günstigsten Kombi-Teilzeitstromer auf dem Markt. Was zur Folge hat, dass man unter der Motorhaube keine Höchstleistungen erwarten sollte.
Effizienz vor Höchstleistung
Effizienz ist dagegen das Gebot der Stunde und so wirken die Gesamtleistung von 104 kW/141 PS und das maximale Drehmoment von 265 Newtonmeter auf den ersten Blick überschaubar. Doch Papier ist gemeinhin geduldig, der Fahreindruck zählt. Und hier muss man klar unterscheiden, ob der Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid gut im elektrischen Saft steht oder ob sich der 1.6 GDI Vierzylinder gänzlich allein bemühen muss, den gut 1.600 Kilo schweren Kombi vom Fleck zu bewegen. Die Verbrauchsfahrt starte ich unter alltagsnahen Bedingungen, also mit vollem Benzintank (37 Liter) aber nur halb geladener 8,9-kWh-Batterie (Bruttowert).
Der Bordcomputer offenbart eine rein elektrische Restreichweite von 20 Kilometer, wohingegen die Gesamtreichweite bei optimistischen 649 Kilometer liegt. Raus aus der Stadt, rauf auf die Autobahn. Bleibt der Benziner nach dem Start zunächst stumm, meldet er sich auf der unbeschränkten Schnellstraße lauthals zu Wort und wirkt jenseits der 130 Stundenkilometer merklich angestrengter. Maximal 195 km/h schnell ist der Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid, was er allerdings nur unter Schmerzen erreicht. Sein Wohlfühltempo auf der Langstrecke liegt deutlich darunter, um 150 km/h. Zur gleichen Zeit schmilzt die elektrische Reichweite dahin, wie ein Wassereis in der Mittagssonne.
Ohne E-Unterstützung zu schwach auf der Brust
Auch während konstant gehaltener Geschwindigkeit greift die E-Maschine dem Verbrenner merklich unter die Arme, auf der anderen Seite wird beim Gaswegnehmen überschüssige Energie schnell rekuperiert. So schnell, dass vergleichsweise kurze Gefällestrecken reichen, um mehrere Prozent Energie zurückzugewinnen. Nach der Autobahn geht es auf die Passstraße. Hier geht die Füllstandsanzeige der Batterie nun vollends in die Knie, klägliche zwei Prozent verbleiben im Akku und vorerst besteht keine große Möglichkeit zum Wiederaufladen. Der Benziner ist dahingehend auf sich allein gestellt.
Ohne elektrische Unterstützung müht sich der Sportswagon den Berg hinauf, sehnt sich nach der Hochebene und der anschließenden Fahrt hinunter ins Tal. Hier im Alpenraum ärgert mich das schwach dimensionierte Antriebskonzept des Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid in der Tat das einzige Mal. Und zwar deshalb, weil Kia so viel Arbeit in die fahrdynamische Abstimmung des neuen Ceed gesteckt hat. Ich hatte es anfangs geschrieben: Albert Biermann hatte bei Fahrwerk und Lenkung mit die Finger im Spiel. Ein Mann, der einst in der M GmbH für wahre Kraftmeier zuständig war.
Testverbrauch um 6 Liter auf 100 Kilometer
Doch alle ansatzweise agilen Momente versanden irgendwo zwischen Motor, trägem 6-Gang-Doppelkuppler und dem Gewicht der elektrischen Komponenten. Letzteres sorgt immerhin dafür, dass der Ceed Sportswagon sehr satt auf der Straße liegt. Adaptive Dämpfer gibt es keine zur Wahl, das alternativlose Stahlfahrwerk bietet derlei aber auch keinen Grund zur Kritik und federt überwiegend kommod. Immerhin: Trotz zügiger Autobahnetappen und der Quälerei am Berg überrascht der Ceed Hybrid bei nahezu leerer Batterie dennoch mit einem Testverbrauch um 6 Liter auf 100 Kilometer.
Nur wenig Kritikpunkte im Innenraum
Dem Innenraum des Kia Ceed SW Plug-in-Hybird kann man weiterhin seine teils einfachen Materialien vorwerfen. Auf der anderen Seite sind die alltäglichen Griffbereiche (gerade im Vergleich zu manch Mitbewerber) ordentlich anzufassen, nichts knarzt oder scheppert. Das freistehende 10,25-Zoll-Infotainmentdisplay mit UVO Connect ist in dieser Preisklasse weiterhin eine Wucht, die höchste Ausstattungslinie "Platinum Edition" verfügt zudem über ein 12,3 Zoll großes digitales Instrumentcluster. Neben der guten Bedienung haben auch die Assistenzsysteme einen positiven Eindruck hinterlassen. Die Verkehrszeichenerkennung arbeitet bis auf wenige Ausnahmen zuverlässig und der adaptive Tempomat mit Spurhaltefunktion hält den Ceed sauber auf Kurs.
Platztechnisch gibt es ebenfalls wenig zu bemängeln. Vorne sitzt es sich luftig, das Gestühl ist bequem und auf der Fahrerseite optional elektrisch zu verstellen. Der Beifahrer hingegen wird immer gebeten, seine Sitzposition manuell zu finden. Mit etwas Kompromissbereitschaft sitzt es sich hinten gleichermaßen nicht schlecht, die äußeren Sitze sind wahlweise beheizbar, USB-Ladebuchsen gibt es hingegen auch gegen Aufgeld nicht zu bestellen. Der Kofferraum fasst indes 468-1.506 Liter und verfügt über zwei Unterbodenfächer, wo unter anderem die Ladekabel Platz finden. Ein Ersatzrad sucht man im Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid derweil vergebens, denn unterhalb des Gepäckabteils sitzt die Lithium-Ionen-Batterie.
Elektrische Reichweite 50 Kilometer
Was uns am Ende zur rein elektrischen Reichweite des Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid führt. Voll geladen liegt sie im Alltag bei maximal 50 Kilometer, was nochmals 10 Kilometer mehr sind als beim ersten Test in Südfrankreich. Gerade im Stadtverkehr ist die 60 PS E-Maschine ausreichend stark, damit der Sportswagon locker mitschwimmen kann. Etwas mager fällt allerdings der OnBoard-Lader aus, der nur einphasig bis 3,3 Kilowattstunden aus der Ladesäule ziehen kann. Eine leistungsfähigere Option steht nicht zur Wahl. Und so lädt der Kia an der öffentlichen Säule seine Batterie in gut 2 Stunden 45 Minuten, am Hausstrom dauert es eher 5 Stunden. Nervig an Ladepunkten entlang von Straßen: Der Typ-2-Anschluss sitzt auf der Fahrerseite, man wird häufiger genötigt gegen die Fahrtrichtung zu parken oder Lackkratzer durch das Verziehen des Ladekabels hinzunehmen. Leider steht auch kein elektrischer Zuheizer zur Verfügung, was in den Wintermonaten bedeutet, dass der Innenraum zunächst durch den Verbrenner geheizt werden muss.
Fazit
Trotz kleinerer Unwegsamkeiten: Der Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid läuft beinahe unter die Kategorie der eierlegenden Wollmilchsau. Echte 50 Kilometer rein elektrische Reichweite, sonst ein Verbrauch um 6 Liter Benzin auf 100 Kilometer und der vergleichsweise günstige Basispreis machen ihn zum wahren Alltagshelden. Auf der echten Soll-Seite bleibt es hingegen nicht aus, den für das Fahrzeuggewicht insgesamt zu schwachen und emotionslosen Antrieb zu kritisieren.
Technische Daten*
- Modell: Kia Ceed Sportswagon Plug-in Hybrid
- Motor 1: Vierzylinder-Reihe, 1.580 ccm
- Leistung: 105 PS (77 kW) bei 5.700 U/min
- Drehmoment: 147 Nm bei 4.000 U/min
- Motor 2: Permanentmagnet-Synchronmotor
- Leistung: 60 PS (44 kW) zw. 1.798-2.500 U/min
- Systemleistung: 141 PS (104 kW) bei 5.700 U/min
- Antrieb: Vorderradantrieb, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
- Benzinverbrauch kombiniert: 1,1-1,3 l/100 km²
- Stromverbrauch kombiniert: 9,3-11,2 kWh/100 km²
- CO2-Emissionen kombiniert: 28-33,6 g/km²
- Beschleunigung (0 – 100 km/h): 10,8 s
- Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
- Abmessungen (L/B/H): 4,61 m/1,80 m/1,47 m
- Gewicht: ca. 1.600 kg
- Basispreis AT: ab 37.190 Euro
*Herstellerangaben
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