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Bond wäre stolz: Der Jaguar F-Type P450 AWD im Test

Jaguar hat sein Sportmodell F-Type an der Front auf aktuellen Stand gebracht und zudem beide bislang erhältlichen V6-Motoren aus dem Programm geworfen. Stattdessen übernimmt deren Part nun ein geringfügig kastrierter V8-Kompressor mit 450 PS. Probefahrt mit dem Coupé samt Allradantrieb.

Stell dir vor, du bist Ende 20, verdienst gutes Geld, die Stadtwohnung im Westend verfügt über eine geräumige und gut befahrbare Tiefgarage und deine Freundin ist mindestens so auf Karriere gepolt wie du. Sprich: Zumindest auf absehbare (Leasing-)Zeit stehen noch keine Kinder an. Da wird's Zeit, seiner Umwelt gegenüber automobilen Wohlstand zu kommunizieren. Warum der Jaguar F-Type P450 AWD hierfür genau das richtige Automobil ist, verraten wir in den kommenden Zeilen (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 11,0 - 10,6 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 252 - 244 g/km²).

Jaguar F-Type P450 AWD-2

Optisch ein Sportwagen

Er ist ein Sportwagen. Jedenfalls optisch. Die neue, an das aktuelle Jaguar-Facia angeglichene Front, hat seinem Äußeren zwar nicht unbedingt gut getan. Seitlich und insbesondere von schräg hinten bleibt der Jaguar F-Type eine Augenweide, der aktuelle Mitbewerber nur selten das Wasser reichen können. Vielleicht muss der Jaguar nicht unbedingt weiß lackiert sein (die von uns gefahrene First Edition gibt es nur in drei Farben), das hebt seine optische Präsenz doch zu sehr und lässt ein wenig Eleganz vermissen. Aber das mag der "Zeitgeist" vielleicht genau so. Gleiches gilt im Übrigen für rot lackierte Bremssättel (die sind so 2002, dass sie schon wieder modern wirken und kosten 376,20 Euro Aufpreis) und die tief dunkel getönte Heckscheibe (536,16 Euro extra).

Jaguar F-Type P450 AWD-11

Das Interieur: Etwas in die Jahre gekommen

Das Interieur ist hingegen angenehm unaufgeregt gezeichnet, mag aber dem ein oder anderen iPhone-Nutzer der jüngeren Generation etwas antiquiert vorkommen. Dass die vormals analoge Instrumenten-Kombination nun gänzlich digitalisiert wurde, hilft da nicht. Denn dagegen wirkt das mattierte Infotainment-Display in der Mittelkonsole noch etwas ältlicher, wobei seine Bedienung flott und einfach von der Hand geht. Die Verarbeitung der Leder-, Kunstleder- und Alcantara-Applikationen ist ordentlich, fein abgestickte Ziernähte geben etwas Wohlfühlcharakter. Dennoch lässt das Interieur in seiner schwarzen Eintönigkeit Raffinesse vermissen und die nur bei Bedarf ausfahrende Lüftungseinheit hilft nicht über diesen Eindruck hinweg.

Wir starten das Aggregat per Knopfdruck und damit gleich eine Besonderheit: Der bislang in zwei Leistungsstufen erhältliche V6-Kompressor (mit wahlweise 340 oder 380 PS) flog nämlich seit dem Facelift aus dem Programm. Er macht Platz für eine in der Leistung geringfügig kastrierte Variante des fünf Liter großen Achtzylinders, ebenfalls kompressoraufgeladen. Weiterhin erhältlich ist der 300 PS starke Vierzylinder (hier im Test) sowie die 575 PS starke Topvariante.

Jaguar F-Type P450 AWD-10

Zivilisierter Auftritt für den neuen F-Type

Gleichzeitig mit dem Start überrascht uns Jaguar: Der F-Type bleibt nämlich leise! Wo man sich früher bei seinen Nachbarn entschuldigen musste, halten sich die vier Endrohre beim Kaltstart und im niedrigen Geschwindigkeits- und Drehzahlbereich mehr als zurück. Einer Katze auf Samtpfoten gleich steuert der F-Type aus seinem angestammten Tiefgaragenplatz. Sogar James Bond, der in einer Hauptrolle bislang nie Jaguar fuhr, wäre stolz auf diesen Schleichmodus, der gar kein Modus ist, sondern beim F-Type: Serie.

Jaguar F-Type P450 AWD-8

So sehr wir zu Beginn unsere Verwunderung darüber ausdrückten und erstmal verzweifelt den Knopf für die Auspuffklappen drückten (der, so viel sei gesagt, keinen ernstlichen Unterschied ausmacht), um so angenehmer empfanden wir das Fahren mit dem F-Type P450 im Alltag. Keine Starallüren entzürnen ohnehin genervte Großstadtbewohner. Nur wer wirklich reintritt und die Drehzahl oberhalb von 4.000 Umdrehungen hält, bekommt einen grellen V8-Klang, der entfernt an die 4,7-Liter großen Aggregate aus dem Aston Martin V8 Vantage erinnert. Ach, da ist sie ja wieder, die ganz kleine Bond-Parallele.

Das Getriebe ist ein Gedicht

Während diese Briten zumeist über ein sehr gewöhnungsbedürftiges automatisiertes Schaltgetriebe verfügten, regiert der F-Type-Lenker derweil über eine alternativlose Achtgang-Automatik. Diese könnte in ihrer Gelassenheit kaum besser zu dieser Antriebskombination passen. Frühe Schaltvorgänge und langes Halten der hohen Gänge im alltäglichen Berufsverkehr, zackige Reaktion auf Schaltbefehle mit rassigen Zwischengasstößen beim Herunterschalten auf der schnellen Feierabendrunde über die Hausstrecke. So muss ein Getriebe sein!

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Fahrwerk und Lenkung: Gebaut für den Alltags- und Langstreckenbetrieb

Auch die Fahrwerks- und Lenkungskombination macht überall einen ordentlichen Job. Wobei das Layout des F-Type als Front-Mittelmotor und einer weit hinten angeordneten Sitzposition eine ausgewogene Abstimmung nötig macht, die auch weitgehend geleistet wurde. Im Grunde hatten wir nie das Bedürfnis, die adaptiven Dämpfer in den Dynamic-Modus zu versetzen. Stets knackig aber nie zu straff oder zu trocken dämpft der F-Type gelungen, ohne dabei den Fahrer zu entkoppeln oder eine zu hohe Seitenneigung aufzubauen. Auch genügend Restkomfort für die Autobahn bleibt erhalten, sodass lange Strecken kein Problem, sondern eine Freude darstellen.

Die Lenkung bleibt ein Thema für sich: Um die Mittellage fehlt es ihr etwas an Direktheit, während die Gewichtung überwiegend gut gefällt und die Direktheit mit steigendem Lenkwinkel zunimmt. Auch das macht gerade Autobahnfahrten angenehm, lässt aber bei der schnellen Kurvenhatz das letzte Quäntchen Spontaneität beim Einlenken vermissen. Auch ein wenig mehr allgemeine Rückmeldung von der Vorderachse wäre schön. So spürt man vor allem im Popometer, dass der F-Type zügig gefahrene Landstraßen nicht als sein bevorzugtes Revier markiert. Zwar ist die Straßenlage sehr satt, doch gleichzeitig agiert das gesamte Auto dort etwas behäbig. Der Fahrer wähnt sich eher in einer Limousine, denn in einem waschechten Sportwagen. Man kann nicht alles haben.

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Dem kastrierten V8 fehlt es ein wenig an Überzeugungskraft

Einen überraschend zwiespältigen Eindruck hinterließ der 450 PS starke Kompressor-V8. Und nicht etwa wegen seiner mangelnden Lautstärke, sondern weil es ihm rein subjektiv trotz 580 Newtonmeter etwas an Durchzugskraft fehlte. Ja, 4,6 Sekunden auf Landstraßentempo und 285 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit sind gute Zahlen und drückt man das rechte Pedal gen Bodenblech, geht es auch druckvoll nach vorne. Doch stets bleibt das Gefühl, gerade einmal angemessen motorisiert unterwegs zu sein. So ist der Antrieb insbesondere oberhalb von 180 Stundenkilometer keineswegs unterfordert, den F-Type gen Höchstgeschwindigkeit zu befördern. Dafür ist das Gebotene auf der Landstraße wiederum genau richtig: Hier braucht es keine 500-plus PS, um Fahrspaß zu vermitteln! Der sehnige Antritt des V8, seine Drehfreude und natürlich besagter Sound zauberten noch so jedem ein mehr oder weniger großes Grinsen ins Gesicht.

Realistische Verbrauchsangaben

Dieses gefriert einem höchstens beim Blick auf den Tankfüllstand: Dieser mahnt aufgrund seiner Größe von 70 Litern vergleichsweise zügig zum Nachfüllen. Und man erreicht mit sportiver Gangart selten Distanzen von mehr als 450 Kilometern je Füllung. Mit äußerster Diszplin schafften wir Durchschnittswerte mit einer knappen 10 vor dem Komma, anderenfalls liefern gerne 15 Liter und mehr durch die acht Brennräume.

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Fazit

Und was bleibt? Nun, die Erkenntnis, dass ein Upsizing von V6 zu V8 nicht immer Vorteile bringen muss. Trotz nominell 70 Pferdestärken mehr fanden wir im gedanklich gezogenen Vergleich zum bisherigen F-Type V6 S nichts, was der schwächere der beiden nun angebotenen V8 deutlich besser könnte als sein Vorgänger. Für den ein oder anderen mag das eine Herzenssache sein, manche dürften sich allein aus der Optik vielleicht für den Neuen entscheiden. Doch denke daran: Damit ist auch James Bond meistens nicht so gut gefahren. Wer vor allem einen für jeden Tag und jedes Wetter tauglichen sportlichen Wagen benötigt, der nicht an jeder Ecke steht, der macht mit einem F-Type P450 AWD aber alles richtig. Die Preise, die die Briten hierfür aufrufen, sind durchaus fair. Wobei wir anstelle der First Edition die immerhin gut 9.000 Euro günstigere R-Dynamic-Variante wählen würden, die vor allem eines bietet: Eine größere Farbauswahl. (Text & Bild: Maximilian Planker)

Technische Daten*

  • Modell: Jaguar F-Type P450 AWD First Edition
  • Motor: V8-Benziner, 5.000 ccm
  • Leistung: 450 PS (331 kW) bei 6.000 U/min
  • Drehmoment: 580 Nm bei 2.500 – 5.000 U/min
  • Antrieb: Allradantrieb, 8-Gang-Automatikgetriebe
  • Verbrauch kombiniert: 11,0 - 10,6 l/100 km²
  • CO2-Emissionen kombiniert: 252 - 244 g/km²
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 4,6 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 285 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,48 m/1,92 m/1,31 m
  • Gewicht: ca. 1.838 - 1.735 kg
  • Grundpreis: ab 105.179,83 EUR Euro (inkl. 16% MwSt.)

*Herstellerangaben

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