Erster Test Jaecoo 7 (2025) – Range Rover für den halben Preis?

Der Jaecoo 7 Premium Line Plug-in-Hybrid auf einen Blick:
Was uns gefällt:
Sehr viel Ausstattung für vergleichsweise wenig Geld. Sieben Jahre Garantie.
Was wir vermissen:
Eine klassische Taste für die Parkbremse. Und etwas mehr Platzgefühl im Innenraum.
Ideal, wenn ...
… man elektrifiziert mit Luxus-Look unterwegs sein will, aber noch nicht ganz aufs Kabel setzen mag.
Die Alternativen
Kia Sportage, VW Tiguan, BYD Seal U DM-i, Dacia Bigster (wenn’s ohne PHEV sein darf)
Premium-Look aus Fernost
Schon optisch ist der Jaecoo 7 schwer zu übersehen. Die kantige Front mit dem riesigen Grill erinnert nicht zufällig an britische Luxus-SUVs. Was nach Range Rover aussieht, stammt in Wahrheit aus China: Jaecoo ist ein Ableger der Chery-Gruppe, mit klarer Ansage an die Mittelklasse – und einem Design, das gern eine Klasse höher spielen möchte.
Tatsächlich misst der Jaecoo 7 kompakte 4,50 Meter. In Bildern wirkt er deutlich größer, doch auf dem Parkplatz oder in der Tiefgarage zeigt sich: Es bleibt ein Kompakt-SUV mit cleverem Styling. Im Innenraum geht das Selbstbewusstsein weiter. Nette Kunstlederapplikationen, ein aufgeräumtes Cockpit mit großem 15-Zoll-Zentraldisplay und stimmige Materialien lassen vergessen, dass es sich hier um einen Newcomer handelt.
Beim Platzangebot relativiert sich der Eindruck ein wenig. Vorn ist es seitlich etwas enger als erwartet, im Fond geht es zu zweit bequem, zu dritt jedoch beengt zu. Der Kofferraum fasst solide 500 Liter, die Rückbank lässt sich einfach umklappen und ergibt eine ebene Ladefläche mit bis zu 1.265 Litern. Praktisch: Die Heckklappe öffnet und schließt elektrisch.
Viel Leistung, wenig Dramatik
Unter der Haube arbeitet ein sogenanntes „Super Hybrid System“. Hinter dem Namen steckt eine Kombination aus 1,5-Liter-Turbo und starkem Elektromotor. Gemeinsam bringen sie es auf 347 PS Systemleistung. Auf dem Papier eine klare Ansage, auf der Straße eher zurückhaltend. Die Beschleunigung auf Tempo 100 gelingt in 8,5 Sekunden – das passt, fühlt sich aber deutlich ruhiger an, als es die Zahlen vermuten lassen.
Glänzen kann der Antrieb eher bei der Effizienz. Bis zu 90 Kilometer rein elektrisch sind unter Alltagsbedingungen drin. Der Akku wird intelligent genutzt, bleibt durch Rekuperation stets auf Reserve. Im Stadtverkehr gleitet der Jaecoo oft nahezu lautlos dahin, der Verbrenner bleibt im Hintergrund.
Wer auf Allradantrieb Wert legt, greift automatisch zur Topversion für 36.490 Euro. Beim Plug-In hat man die Wahl zwischen zwei verschiedenen Ausstattungen. Preislich geht der China-Rover bei 35.990 Euro los. Die getestete Vollausstattung für 39.990 Euro mit Frontantrieb zeigt sich aber auch auf feuchten Straßen kontrolliert und gutmütig. Die Traktion bleibt stabil, das Zusammenspiel der beiden Antriebseinheiten läuft harmonisch.
Guter Komfort, wenig Dynamik
Das Fahrverhalten ist klar auf Komfort ausgelegt. Der Jaecoo 7 federt weich, schluckt Unebenheiten sauber weg und vermittelt Ruhe auf längeren Strecken. Genau hier spielt er seine Stärken aus. Wer sportliche Präzision sucht, wird hier jedoch nicht fündig. In schnellen Kurven schaukelt sich der Aufbau leicht auf, die Seitenneigung bleibt spürbar, und das Feedback von der Lenkung fällt eher verhalten aus.
Im Alltag fällt das kaum negativ auf. Das SUV bleibt gut kontrollierbar, auch bei Lastwechseln oder unebenem Untergrund. Die Bremse jedoch verlangt etwas Feingefühl. Der Wechsel von Rekuperation auf mechanische Verzögerung gelingt technisch sauber, fühlt sich aber nicht immer konsistent an. Gerade im Stadtverkehr ist die Dosierung gewöhnungsbedürftig.
Technik satt, aber nicht ganz durchdacht
Das Infotainment ist zweifellos einer der stärksten Punkte im Jaecoo 7. Das 15-Zoll-Zentraldisplay bietet gestochen scharfe Grafiken, schnelle Reaktionen und eine gute Menülogik. Apple CarPlay funktioniert hervorragend, die Kartendarstellung nutzt die ganze Fläche und wirkt aufgeräumt. Auch die Sprachsteuerung überzeugt: Fenster öffnen, Sitzheizung aktivieren, Navi starten – alles klappt zuverlässig.
Weniger intuitiv wirkt die Vielfalt an Einstellungen. Fahrmodi, Rekuperationsgrade, frei belegbare Shortcuts – das ist für Profis spannend, für Einsteiger jedoch schnell zu viel. Besonders unpraktisch zeigt sich die Parkbremse: Sie lässt sich nur im Menü aktivieren und reagiert erst, wenn der Fahrer angeschnallt ist. Eine einfache Taste wäre hier die bessere Lösung gewesen.
Immerhin sind alle relevanten Assistenzsysteme ab Werk an Bord: Spurhalte- und Totwinkelassistent, Querverkehrswarner, Türöffnungswarner, adaptiver Tempomat und eine gute Rundumkamera mit Offroad-Perspektive.
Ausstattung top, Bekanntheitsgrad ausbaufähig
In puncto Ausstattung lässt der Jaecoo 7 kaum Wünsche offen. Die getestete Version kommt serienmäßig mit klimatisierten Sitzen, Head-up-Display, Panoramadach, induktiver Ladeschale, Ambientebeleuchtung, V2L-Funktion, elektrischem Kofferraum und vielen kleinen Komfortextras. Dazu kommen 19-Zoll-Alufelgen, LED-Licht und ein überzeugendes Sony-Soundsystem.
All das gibt es zu einem Preis von knapp unter 40.000 Euro – was im Vergleich zu VW, Kia oder Hyundai fast schon wie ein Rechenfehler wirkt. Sieben Jahre Garantie runden das Paket ab und sollen Vertrauen schaffen.
Was fehlt, ist ein noch dichtes Händlernetz. In Österreich gibt es derzeit 24 Standorte. Wer in ländlichen Regionen wohnt, sollte vorher prüfen, wie nah Beratung, Service und Probefahrt erreichbar sind. Wobei lobenswert trotzdem bleibt das man mit einem Marktstart im vierten Quartal 2025 schon eine nette Anzahl an Partner im Land hat.
Fazit: Solider Einstieg mit starkem Auftritt
Der Jaecoo 7 sieht größer aus, als er ist, klingt stärker, als er sich fährt, und bietet mehr Ausstattung, als man für den Preis erwarten würde. Er ist kein Showcar, aber auch kein Blender. Die Technik ist solide, das Konzept durchdacht, die Reichweite alltagstauglich. Schwächen zeigt er bei der Raumökonomie, der Bedienlogik und dem Bremsgefühl. Dafür bringt er Komfort, Ruhe und eine Ausstattung mit, für die man anderswo deutlich mehr zahlt. Wer offen für neue Marken ist und beim SUV-Kauf auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achtet, findet im Jaecoo 7 einen gelungenen Newcomer, der sein Segment nicht neu erfindet – aber geschickt bespielt. (Text: Johannes Ibrahim | Fotos: Johannes Ibrahim)
