Gebrauchtwagentest: Hyundai i20 – Günstiger Polo-Gegner

Ab 2009 ersetzte Hyundai mit dem neuen i20 den kleinen Getz und schloss damit nebenbei die Zahlen-Lücke zwischen i10 und i30. Der kurze Koreaner liefert einige Argumente für einen genaueren Blick – der nicht vor der Technik halt machen sollte.

Mit einer Länge von 3,94 Meter ist der i20 in etwa so groß wie ein VW Polo der letzten Generation. Es gibt den Koreaner sowohl mit drei als auch mit fünf Türen, vier Erwachsene finden bequem Platz. 2012 gab es ein Facelift, das dem i20 das typische Hyundai-Gesicht verlieh. Der Kofferraum fasst mindestens 295 Liter, legt man die Rückbank um, bekommt man 1.060 Liter im Inneren unter – sobald man das Gepäck über die hohe Ladekante gewuchtet hat. Generell ist das Interieur funktionell und übersichtlich gestaltet, auch die Materialanmutung ist in Ordnung. Lediglich die Übersicht aus dem Fahrzeug ist wegen der sehr breiten C-Säulen und einer steil abfallenden Motorhaube nicht ideal.

Für den Stadtverkehr gemacht

Für den Antrieb standen zu Beginn drei Vierzylinder-Benziner mit Leistungswerten zwischen 57 kW/78 PS und 93 kW/126 PS sowie ein Vierzylinder-Diesel mit 85 kW/116 PS zur Wahl. Wer besonders flott unterwegs ist und sparen will, sollte zum ab 2012 erhältlichen Selbstzünder „blue CRDi“ mit 55 kW/75 PS greifen. Rund 3,3 Liter auf 100 Kilometern sollen ihm laut Hersteller genügen. Die Benziner sind an ein Fünfgang-Schaltgetriebe gekoppelt, seit der Modellpflege 2012 hat aber auch der 1,4-Liter-Motor ein Sechsgang-Getriebe. Die Dieselmotoren verfügen alle über eine Sechsgang-Schaltung. Für die Benziner mit 1,4 und 1,6 Liter Hubraum ist optional eine Vierstufen-Automatik erhältlich. Besonders die kleinen Aggregate sind allerdings durchzugsschwach. Um auf passable Fahrleistungen zu kommen, muss beim Beschleunigen weit gedreht werden.

Testberichte attestieren dem i20 ein ähnlich gut austariertes Fahrwerk, wie es auch seine Konkurrenz von VW (Polo) oder Ford (Fiesta) haben. Der Hyundai eignet sich hervorragend für den Stadtverkehr, wo er auch mal gröbere Stöße wie Schlaglöcher oder Temposchwellen ordentlich wegfedert. Andererseits darf man aber selbst im Topmodell mit 93 kW/126 PS keine Abstimmung wie bei Fiesta ST oder Suzuki Swift Sport erwarten.

Überdurchschnittliche viele Mängel

2009 gab es fünf Sterne für den i20 bei Euro-NCAP-Crashtest. Sechs Airbags im Kopf-, Seiten- und Frontbereich gehören zum Serienumfang, genauso wie das Anti-Schleuder-Programm ESP. Etwas mau kann dagegen die Ausstattung bei gebrauchten i20 ausfallen. So gab es eine Klimaautomatik lediglich in der höchsten Variante „Style“, die auf den ersten Blick durch silberne Dekorelemente im Innenraum auffällt. Normalerweise sind diese Plastikteile schwarz.

Der Schwachpunkt des kleinen i20. Lose Kühlerlüfter, verformte Armaturenträger oder undichte A-Säulen sind häufig nur die Spitze des Eisbergs. Zudem moniert der TÜV überdurchschnittlich viele Mängel bei der Hauptuntersuchung. Dazu gehören Federn und Dämpfer, die Beleuchtungseinrichtungen sowie ein oft erhöhter Ölverlust. Alarmierend kann es bei den Bremsen werden: Hier rosten regelmäßig die Leitungen, was einen echten Sicherheitsmangel darstellt. Lediglich die erste HU bestand die Bremse der meisten i20 problemfrei. Dazu kommt, dass viele i20 mittlerweile in einem Alter angekommen sind, in dem bereits mehrfach die Halter gewechselt haben und sich teure Reparaturen aufgrund der günstigen Kaufpreise kaum noch lohnen. Bei der Besichtigung sollte daher auf jeden Fall ein kurzer Abstecher auf die Hebebühne eines versierten Mechanikers gemacht werden.

Der Hyundai i20 ist einen (genauen) Blick wert – und dazu mittlerweile sehr günstig zu bekommen, selbst mit niedrigen Kilometerständen. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Die Qualität dieser Generation des kleinen Koreaners ist nicht auf dem Niveau der deutschen Konkurrenz. Reparatur-Belege und Protokolle vergangener Hauptuntersuchungen sollten dem gebraucht gekauften i20 unbedingt beiliegen. Ansonsten hilft nur ein Check in einer Werkstatt, bevor das Kreuz unter den Kaufvertrag gesetzt wird. Vernünftige Exemplare mit vertretbaren Kilometerständen gibt es bereits für unter 4.000 Euro. Wer ein Facelift-Modell möchte, sollte mindestens 5.000 Euro bereithalten. (sp-x/mf/jms)

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