Everybody’s Darling: Fahrbericht Ford Mustang Bullitt

Sein Auftritt ist mächtig, seine Leistung standesgemäß und sein Kultstatus beinahe unerreicht. Die Rede ist vom Ford Mustang Bullitt. Bereits zum dritten Mal lässt Ford den Klassiker aus 1968 auferstehen. Wie viel von Steve McQueen in ihm steckt und für wen er sich lohnt, klärt unser Fahrbericht.

Der Ford Mustang Bullitt. Kaum ein Automobil hat eine solche Karriere hingelegt, wie das Muscle-Car, welches Steve McQueen im gleichnamigen Film 1968 pilotierte. Das Original wurde bereits vor Jahren in den Automobil-Olymp gelobt, galt als verschwunden und tauchte doch, irgendwie ziemlich pünktlich, zur Vorstellung der nunmehr dritten Bullitt-Reminiszenz im Jahr 2018 wieder auf. Eine rund 10-minütige Verfolgungsjagt durch San Francisco war dafür verantwortlich, dass wir uns heute mit diesem, in Dark Highland Green lackierten, Fahrzeug beschäftigen. Es sind Szenen, die unter der gegenwärtigen Jugend maximales Schmunzeln hervorrufen und gerade ihnen sei gesagt: McQueen höchstselbst prügelte das grüne Pony-Car über die Straßen. Häufig ohne Stuntman, ohne Green Screen und ohne überladene Special Effects.

Ford-Mustang-Bullitt-Logo

Viele Logos, wenig Limitierung

Na gut. Das explosive Ende schießt doch arg über das Ziel hinaus. Es passt aber ganz gut, um das Brand-Marketing des Ford Mustang Bullitt zu beschreiben. Zumindest wenn es um die schiere Anzahl der Bullitt-Insignien geht. Derlei sind, zumindest für unser Dafürhalten, zu viele am und im Mustang angebracht. Eine einzelne Sonder-Plakette hätte gereicht. Da, wo sie sowieso schon über dem Handschuhfach sitzt. Und auch sie verlor zuletzt an Reiz, hat man zwischen Dearborn und Köln doch mehr still als heimlich beschlossen, die einstige Limitierung aufzuweichen. Zu verlockend erscheinen wohl die guten Verkaufszahlen des Bullitt, gerade in Zeiten, in denen das Europa-Geschäft der Amerikaner spürbar lahmt.

Ford-Mustang-Bullitt-Front

Bullitt: lauter als Mustang GT

Doch wollen wir dem Ford Mustang Bullitt in keiner Weise Unrecht tun. Für ein gerade noch faires Aufgeld von 7.000 Euro (Preisangabe Österreich inkl. NoVA), erhält man ein durchaus spannendes Upgrade auf den regulären Ford Mustang GT. Dabei sind es nicht nur die stimmigen Äußerlichkeiten, sondern vor allem die Klanggewalt, die es lohnen tiefer in die Tasche zu greifen. Der Bullitt tönt insgesamt tiefer und imposanter als der normale GT, wobei am Ende nicht restlos klar ist, was Ford im Detail am Abgastrakt verändert hat. Deutlich wird mit dem Anheben der schweren und weiterhin nicht selbstliftenden Motorhaube nur: die Ansaugung ist eine andere. Entliehen vom GT350, doch speziell auf den Bullitt angepasst. Der Sportluftfilter ist schon gewaltig und auch, welch ungehinderten Blick man nun auf den 5,0-Liter großen Ti-VCT-Achtzylinder hat. Abdeckungen wurden reduziert, die Motorleistung hingegen um eher klägliche 10 PS gesteigert.

Ford-Mustang-Bullitt-Interior2

American Pool Billard

Immerhin wurde die Leistung nicht reduziert, darf man nicht vergessen, dass auch der Ford Mustang mittlerweile mit Ottopartikelfiltern vorfahren muss. 460 PS leistet der V8 im Bullitt nun, gut genug für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,6 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 263. Vorausgesetzt natürlich, man bedient den Handschalter in korrekter Rasanz. Der als Billardkugel ausgeformte Schalthebel liegt gut in der Hand, die sechs Gassen sind einigermaßen kurzgehalten, kritteln müssen wir nur am Kupplungspedal. Es ist halt ein wenig zu leichtgängig für ein derartiges Fahrzeug. Das mag auch für die insgesamt sehr amerikanische Lenkung zutreffen, die in Sport gestellt, dagegen nur grob schwergängiger aber nicht unbedingt besser wird. Bei einer Viertelumdrehung schien die Lenkung unseres Testwagens zudem für den Bruchteil einer Sekunde festzuhängen.

Ford-Mustang-Bullitt-Dynamic-Front

Ein wahrer Pfundskerl

Das adaptive MagneRide-Fahrwerk, welches Ford gegen 2.000 Euro Aufpreis anbietet, ist zwar grundlegend nett gemeint – ein echter Sportler wird aus dem Mustang Bullitt deswegen noch lange keiner. Es fehlt dem Wagen, trotz Domstrebe im Motorabteil, deutlich die Steifigkeit und die letzte Konsequenz an (guter) Härte. Mit einem fahrbereiten Gewicht, das rasant gen 1.900 Kilo geht, qualifiziert er sich auch mehr als Gran Tourer, denn als King of the Hill(climb). Und für Landstraßen, die durchaus von Kurven durchzogen sein dürfen, reicht dann eben auch das Serienfahrwerk. Als gut zu dosieren empfanden wir hingegen die Brembo-Bremse, die stets eine ordentliche Verzögerungsleistung liefert.

Ford-Mustang-Bullitt-Brake

Fahrdynamisch ein Rohdiamant

Was sich zunächst alles sehr nüchtern liest, endet in purer Herzenswärme, wenn man alle Teile im Einklang miteinander bedient. Der Ford Mustang Bullitt ist zunächst nach außen dargestellt wahrlich Everybody’s Darling. Jeder liebt ihn, jeder interessiert sich für ihn. Dennoch hat er sich seine ganz eigenen Ecken und Kanten bewahrt, geht nicht immer perfekt um jede Kehre, will gezähmt und noch eigenhändig gefahren werden. Glattgebügelt können andere, der Bullitt ist mehr ein Rohdiamant, den man tagtäglich aufs Neue schleifen muss. Und das Wunderbarer daran: es wird nicht langweilig, den großvolumigen und toll klingenden Achtzylinder immer und immer wieder gen 7.000 Touren zu drehen. Es hämmert, bollert und krakelt aus den vier Fanfahren am Heck, manches Mal suchen die hinteren Pneus schon ziemlich grob nach Halt und dann erkennen wir, wie hinter den ganzen Bullitt-Logos eben doch der Geist von Steve McQueen hervorblitzt.

Ford-Mustang-Bullitt-Tacho

Toller Tacho, schwache Bedienung

Blitzen tut auch das, was sich vor uns im Kombiinstrument abspielt. Einige werfen Ford beim Tachometer Stilbruch vor, wir meinen: ganz großes Kino! Insbesondere wer sich für die Sportansicht entscheidet, bekommt eines der feinsten Digitalinstrumente präsentiert, die man derzeit in einem Auto erwerben kann. Nein, in Sachen Funktionalität und Bedienung sind andere weiter. Doch geht es hier rein um die Darstellung. Klassisch, ohne Schnörkel und gut ins hier und jetzt übersetzt. Das Lenkrad liegt so gut in der Hand wie der Digitaltacho aussieht, nur stören insgesamt die vielen (teils unnötigen) Knöpfe. Gerade in einem Mustang Bullitt hätte man sich etwas mehr Nacktheit am Volant gewünscht. Sei’s drum: Der weitere Innenraum ist aus dem herkömmlichen Mustang GT bekannt, für einen Amerikaner angenehm verarbeitet und lässt im Falle des Bullitt eigentlich nur eine nennenswerte Aufpreis-Option zu:

Ford-Mustang-Bullitt-Recaro

Ein Muss: Recaro-Sportsitze

Die Recaro-Sportsitze, gut geschnitten und manuell zum Einstellen, sollten es in diesem Wagen schon sein. Sie passen auch für großgewachsene Naturen und fühlen sich gleichzeitig auf Langstrecken sehr kommod an. Sitzheizung und Kühlung gibt es dann allerdings keine, was aber zu verschmerzen ist. Dafür tönt es ziemlich gut aus der B&O Soundanlage, die beim Bullitt serienmäßig ist. Ebenso wie das SYNC Multimediasystem. Es geht als einfaches Navigationssystem mit Multimediaunterstützung in Ordnung, setzt aber betont keine Maßstäbe. Und für alle, die trotz der aufgeweichten Limitierung planen, einen Ford Mustang Bullitt auch aus Aspekten der Werterhaltung zu kaufen: Als Außenfarbe würden wir Iridium-Schwarz Mica empfehlen. Warum? Da wir binnen zwei Wochen Testzeitraum mehr als eine Hand voll grüner Bullits gesehen haben.

Ford-Mustang-Bullitt-Rear

Fazit

Der Ford Mustang Bullitt ist ein reinrassiger Charmebolzen. Jung wie alt sind von ihm fasziniert, drehen sich nach ihm um und sind selbst im mittlerweile gar nicht mehr so autofreundlichen Deutschland vom ihm begeistert. Das überrascht, ist der Mustang der sechsten Generation doch mittlerweile eine gängige Größe in unserem Straßenbild. Seine Fahrleistungen überzeugen dagegen vor allem mit Blick auf seinen immer noch günstigen Einstandspreis um 67.493,34 Euro. Damit kostet der Bullitt glatt 7.000 Euro mehr, als der reguläre Ford Mustang GT. Das Aufgeld lohnt sich vor allem für jene, die eine Spur individueller und klanggewaltiger unterwegs sein wollen. Freilich fühlt man sich mit dem Druck auf den Startknopf auch ein wenig wie Filmlegende Steve McQueen. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

Technische Daten*

  • Modell: Ford Mustang Bullitt
  • Motor: Achtzylinder-V, 5.038 ccm
  • Leistung: 460 PS (338 kW) bei 7.000 U/min
  • Drehmoment: 529 Nm bei 4.600 U/min
  • Antrieb: Hinterradantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe
  • Verbrauch: 12,4 l S /100 Km
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 4,6 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 263 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,78 m/1,92 m/1,38 m
  • Gewicht: 1.826 Kg
  • Grundpreis Österreich: 67.493,34 Euro inkl. NoVA

*Herstellerangaben

Wollen Sie jetzt durchstarten?

Alle Artikel

Gebrauchtwagentest: Ford Kuga – Solider Gebrauchter

Testberichte · Ford

Erster Test: Ford Fiesta ST – Frecher Drei-Käse-Hoch

Testberichte · Ford

Gebrauchtwagentest: Ford C-Max – Eine gute gebrauchte Wahl

Testberichte · Ford
Mehr anzeigen