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Straßenkreuzer: Der Ford Explorer im Test

Der Ford Explorer feiert in Deutschland ein wahrhaft riesiges Comeback. Mit Hybrid-Antrieb, 457 PS Systemleistung und schierer Größe zielt er auf die deutschen Big-Player, die hierzulande bereits einen schweren Stand haben. Kann er überzeugen? Wir haben es ausprobiert. Fahrbericht!

Es gibt Autos, von denen man meint, dass es einfach keine gute Idee wäre, sie auf Deutschlands Straßen zu testen. Der Papierform zufolge gehört der neue Ford Explorer jedenfalls dazu. Mehr als fünf Meter lang, mehr als zwei Meter breit. Deutlich über zwei Tonnen schwer und 457 PS stark. Das klingt nach einem Auto, das völlig aus der Zeit gefallen ist, auf das selbsternannte Umweltschützer am liebsten eindreschen würden und für das man stets "nette" Kommentare an der Tankstelle erhält und selbige in gewohnter Regelmäßigkeit ansteuern muss (Kraftstoffverbrauch kombiniert: ab 3,1 l/100 km²; Stromverbrauch kombiniert: 20,5 kWh/100 km²; CO2-Emissionen kombiniert: ab 71 g/km²).

Erstmals seit 20 Jahren wieder auf deutschem Boden

Und doch muss man - sehr schnell - diese Vorurteile, die häufig gegenüber Autos amerikanischer Produktion gehegt werden, ablegen, wenn es um den Ford Explorer geht. Der Explorer ist ein Auto, das hierzulande beinahe in Vergessenheit geraten ist. Gut zwanzig Jahre ist es nämlich her, dass der letzte Explorer auch in Europa vertrieben wurde, seither war Funkstille auf dem deutschen Markt. Jetzt scheint man ihn bei Ford neu entdeckt zu haben, sodass man Ende des vergangenen Jahres ankündigte, das SUV auch wieder nach Deutschland zu bringen.

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457 PS und 825 Newtonmeter Systemleistung

Es ist hier auch nur die PS-stärkste Variante verfügbar, während Ford so frei ist, auf dem amerikanischen Markt auch einen Explorer als Vierzylinder und 305 PS anzubieten. Dass man einen deutschen Explorer lediglich mit 457 PS bekommt, ist aber nicht dem Umstand geschuldet, dass wir hierzulande so häufig und gerne aufs Gas treten, sondern dass der drei Liter große zwangsbeatmete V6 von einem Elektromotor mit 101 PS unterstützt wird. Dies ergibt eine Systemleistung von eben jenen 457 PS. Und führt ganz nebenbei zu nahezu fantastischen Papierwerten in Sachen Verbrauch und Schadstoffaustoß. 48 Kilometer rein elektrische Reichweite springen dank der 13,1 kWh starken Batterie ebenfalls noch heraus.

Doch wie verhalten sich mehr als 10 Quadratmeter einfache Blechfläche (der Explorer misst 5,05 Meter in der Länge und zwei Meter in der Breite - ohne Außenspiegel) auf der deutschen Straße? Das durften wir während 14 Tagen mit dem Dickschiff herausfinden.

Aufgepumpter Edge oder waschechter X7-Konkurrent?

Der erste optische Eindruck ist: Mächtig. Erhaben könnte man auch sagen. Auch wenn ein aktueller X5 oder Cayenne rein formal nicht mehr viel kleiner daherkommen, hebt sich unser silberfarbener Testwagen deutlich ab, wirkt massiger, größer, auch im Vergleich mit einem Mercedes GLS oder einem BMW X7. Optische Raffinessen bleiben derweil aus, sowohl außen als auch innen ist der Ford vergleichsweise schlicht gestaltet. Es kann also durchaus passieren, dass ihn Außenstehende als aufgepumpten Ford Edge identifizieren. Was unter Understatement-Gesichtspunkten nicht immer schlecht sein muss.

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Im Innenraum fallen die sesselartig ausgearbeiteten Vordersitze auf, die über einen mehr als großzügigen Verstellbereich verfügen und sehr bequem sind. Das Interieur ist luftig, der Größe angemessen, könnte man auch sagen. Die Sitze sind stets belüftet und beheizt, verfügen über Massagefunktion und sind somit perfekt für die Langstrecke geeignet. Der Fahrer blickt auf ein aufgeräumtes Cockpit, der Instrumententräger wird von zwei Bildschirmen dominiert, die fein auflösen und schön animieren, ohne dabei mit zu vielen (ablenkenden) Informationen aufzuwarten. Der große Touchscreen in der Mitte wirkt in seinem Hochformat auf den ersten Blick ungewöhnlich, das dahinterliegende System lässt sich aber einfach bedienen und ist übersichtlich aufgebaut. Im Hinblick auf die hierzulande häufig angstvoll beäugte Verarbeitungsqualität lässt sich ebenfalls wenig Negatives berichten, wenngleich man festhalten muss, dass die Passgenauigkeit einiger Zierteile hier und da verbesserungswürdig ist.

Erste Reihe: königlich. Zweite Reihe: Strafbank.

Verbesserungswürdig stellt sich auch der Sitzkomfort in der zweiten Reihe dar, der im Vergleich zu den Vordersitzen deutlich abfällt und die ein wenig an eine Strafbank erinnert. Sie gewährt darüber hinaus Zugang zur dritten Sitzreihe, deren Lehnen sich elektrisch aufstellen lassen und jedenfalls zwei Kindern ausreichend Platz bieten. Werden beide Sitzreihen nicht benötigt, bilden sie bei Bedarf eine LKW-artige ebene Ladefläche, was noch lange nicht jedes SUV dieser Größe schafft.

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Plug-In-Hybrid mit viel Durchhaltevermögen

Startet man den Explorer, so scheint dieser versucht, trotz seiner Größe so wenig Aufheben wie möglich um sein Dasein zu machen. Wie die meisten Plug-In-Hybriden wird stets im Elektromodus gestartet, der kleine Batteriebalken im Instrumentendisplay weist 40 Kilometer Reichweite bei vollgeladener Batterie aus, die tatsächlich - so viel sei vorweggenommen - realistisch ist. Je nach Fahrweise waren in unserem Test bis zu 120 Stundenkilometer rein elektrisch möglich. Sobald stärker beschleunigt wird, schaltet sich automatisch der drei Liter große V6 hinzu. Interessant: Auch im reinen Elektromodus sind die Schaltvorgänge der Zehngangautomatik zu spüren. Der Explorer rekuperiert bei Bergabfahrten und Bremsungen, der Fahrer hat jedoch keine Möglichkeit, auf die Stärke der Rekuperation Einfluss zu nehmen.

Autobahntaugliche Fahrleistungen

Dafür umso mehr auf die Stärke der Beschleunigung. Drückt man den rechten Fuß gen Bodenblech, melden sich immerhin 457 PS Systemleistung zu Wort. Das mag sich angesichts der schieren Masse, die bewegt werden möchte, nach gar nicht so viel anhören, führt aber zu durchaus beachtlichen Fahrleistungen, die auch gestandene Fahrer großvolumiger Diesel bis zur Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h in ungläubiges Staunen versetzen. Die Art und Weise, wie 825 Newtonmeter Systemdrehmoment innerhalb von sechs Sekunden dieses Trumm auf Landstraßentempo (und darüber hinaus) bringen, ist auch vom Fahrersitz aus mehr als beeindruckend.

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Beachtliche Verbrauchswerte bei entspannter Fahrweise

Selbstredend sind dann die Verbrauchswerte weit weg von dem, was Ford in den Datenblättern angibt. Mit Verlaub, mit 3,1 Litern Superbenzin (Werksangabe) haben wir den Explorer auch mit zurückhaltender Fahrweise natürlich nie bewegt, die Mär der Plug-In-Hybride. Und doch erreichten wir auf langen Strecken immerhin Werte um 7,8 Litern pro 100 Kilometer, was unseres Erachtens ein beachtlicher Wert für ein Auto dieser Größe und dieser Leistung ist. Derweil kann man damit rechnen, dass im Schnitt stets mindestens 20 Prozent einer Autobahnfahrt ohne Verbrennungsmotor bewältigt werden können, auch wenn der Akku leer ist. Natürlich spielt dem Explorer hier auch die spezifische Topografie der Strecke in die Karten, da der Motor stets - ähnlich einem Mild-Hybrid - bei Bergabfahrten abgeschaltet wird.

Das wird er nur dann nicht, wenn der Fahrer den Antriebsstrang mittels Drehschalter in den Sport-Modus versetzt. Dann arbeiten beide Motoren zwecks höchstmöglicher Leistungsausbeute zusammen. Das wirkt sich naturgemäß auf den Verbrauch aus, der dann seltenst unter 12 Liter pro 100 Kilometer liegt. Und nicht nur das ist uns aufgefallen, sondern auch, dass "Sport" und "Explorer" einfach nicht zusammen passen. Die Welt des Amis ist das komfortable Reisen.

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Sport kann er nicht, Komfort kann er überwiegend gut

Denn das kann er ziemlich gut. "Ziemlich" gut deshalb, weil unserer Meinung nach der Abrollkomfort durchaus noch komfortabler sein dürfte. Gerade über kurze Unebenheiten federt der Explorer vergleichsweise hölzern, was auch die vorzüglichen Sitze nicht genügend abdämpfen können. Dafür halten sich sowohl Wind- als auch Motorgeräusche stets vornehm im Hintergrund und lassen akustischen Raum für das (serienmäßige) Bang & Olufsen-Soundsystem, das mehr als ordentlich abliefert.

Er ist und bleibt zu groß

Für alles andere abseits deutscher Autobahnen ist der Explorer allerdings erstens zu unsportlich und zweitens viel zu groß. Auch auf normalgroßen Landstraßen traut man sich selten, einen LKW zu überholen, in der Stadt werden Parkhäuser und beidseitig beparkte Einbahnstraßen zum möglicherweise unbezwingbaren Nadelöhr. Und für Akzeptanz beim ungläubig schauenden Publikum in der Frankfurter Innenstadt sorgt nur, dass der Explorer beim Einparkversuch wenigstens gänzlich still ist.

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Fazit

Das ist tatsächlich seine größte Stärke: Die unbekannte Unaufgeregtheit im Auftreten, die die Konkurrenzprodukte nicht immer hinbringen. Hinzu kommt die durchaus attraktive Preisgestaltung des Explorer: Mit gut 75.000 Euro ist man hierzulande dabei, dann ist der Ford typisch Amerikaner "voll" ausgestattet. Das ist ein deutlicher Sprung zu besagter Konkurrenz, den man sich mit etwas weniger Komfort und - wer Wert darauf legt - natürlich weniger "Prestige" erkauft. Für uns wäre das eine Option, wenn wir hauptsächlich auf den hiesigen Autobahnen unterwegs wären und überall einen ausreichend großen Parkplatz zur Verfügung hätten (Text & Bild: Maximilian Planker).

Technische Daten*

  • Modell: Ford Explorer Plug-In-Hybrid Platinum
  • Motoren: 6-Zyl-Benziner, 2.956 ccm + E-Motor
  • Systemleistung: 457 PS (336 kW)
  • Systemdrehmoment: 825 Nm
  • Antrieb: Allrad, 10-Gang-Automatik
  • Benzinverbrauch kombiniert: ab 3,1 l/100 km²
  • Stromverbrauch kombiniert: 20,5 kWh/100 km²
  • CO2-Emissionen kombiniert: ab 71 g/km²
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 6,0 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 5,05 m/2,00 m/1,778 m
  • Gewicht: ca. 2.466 kg
  • Grundpreis AT: ab 81.400 Euro

*Herstellerangaben

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