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Fiat 500 Hybrid im Test: Wie viel Elektro braucht der Mensch?

Mit dem Fiat 500 Hybrid versuchen die Italiener die Zeit bis zum neuen, vollelektrischen 500 zu überbrücken. Nischenlösung oder Kaufempfehlung? Wir finden es im Test heraus.

Im emotionalen Aufbauschen waren sie bislang immer gut, die Italiener. Egal ob bei Pizza, in der Politik oder eben bei Autos. Natürlich kann niemand ihnen das Wasser reichen. Und wenn, dann machten es die kühlen Deutschen, die komischen Franzosen oder die schrulligen Briten - aber eben ohne "Emozione".

Mit Emotionen spielt auch seit jeher der Fiat Cinquecento, was alleine schon viel klangvoller ist als das urdeutsche „Fünfhundert“. „Cinquecento“, da schwingt sie mit, die italienische Leichtigkeit, das viel zitierte Dolce Vita und im Traum sitzt Eros Ramazzotti auf dem Beifahrersitz, während der süße Cinquecento durch romantische Dörfer der Emilia Romagna steuert. Ja, das zu transportieren haben sie schon immer geschafft, die Italiener.

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Mit dem Charme des Ur-500

Was sie mit dem Cinquecento zweifellos auch geschafft haben: Einen ganz einzigartigen Lifestyle zu kreieren, der auch über 10 Jahre nach seiner Präsentation weder abflaut noch dem man in irgendeiner Art und Weise überdrüssig geworden ist. Im Gegenteil, sieht der kleine Fiat immer noch gut aus wie eh und je, ist zum Glück weder größer noch unpraktischer geworden und hat so viel von seinem ursprünglichen Charme bewahrt, ohne dabei alt im herkömmlichen Sinne zu wirken.

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Hybrid-Mogelpackung

Dass im jüngsten Modelljahr nun stets ein moderner „Hybrid“-Schriftzug an ihm prangt, zeigt dem Außenstehenden vermeintlich eindrucksvoll: Fiat hat es geschafft. Sie gehen mit der Zeit, sind innovativ und leidenschaftlich. Sie gehen mit gutem Beispiel voran, sich als Autohersteller auch auf alternative Antriebe einzustellen. Diese Imagepflege mag für Fiat bereits die halbe Miete sein, ist aber gleichzeitig maximal die halbe Wahrheit. Denn auch wenn der neue 500 irgendwann im Laufe dieses Jahres als Vollelektroauto kommen soll, ist der 500 „Hybrid“ nicht mehr und nicht weniger als eine Mogelpackung aller erster Güte. Da sind wir wieder beim Thema Aufbauschen.

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Magere Leistungsausbeute

Denn so wenig sich mal abgesehen von der Außenfarbe (Taugrün, 490 Euro) und den innen verbauten recycelten Materialien am 500 optisch geändert hat, so wenig tat sich nach Zahlen unter der Haube. Statt des 1.2 8V mit vier Zylindern werkelt dort nämlich jetzt ein ein Liter großer Dreizylinder mit unverändert 69 PS und nunmehr 92 Newtonmetern Drehmoment (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 4,1 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 93 g/km²). Er ist gekoppelt an einen 3,6 kWh Riemenstarter Generator samt 14 V Lithium-Ionen-Batterie, die – auch das ist neu – dafür sorgt, dass der 500 eine sehr lange Start-Stop-Phase mitmacht und ab rund 30 Stundenkilometer im Leerlauf bereits den Motor abschaltet. Das freut das Portmonee und von Motorenlärm genervte Stadtbewohner, hat aber mit einem Hybrid, liebe Italiener, nichts zu tun. Aber woher soll man das bei Fiat auch wissen, man hat es bislang ja auch noch nicht gebaut.

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Für die Stadt ausreichend, für die Autobahn ungenügend

Abgesehen davon zeigte sich der Antrieb während unserer siebentägigen Testphase von seiner eher müden Seite. Was im Stadtverkehr mit hohen Drehzahlen und der fast unerreichten Wendigkeit noch einigermaßen gut funktioniert, wird bereits auf der Landstraße zum Kampf gegen jede unsichtbare Steigung. Fleißige Schaltarbeit im gut geführten Sechs(!)ganggetriebe ist gefragt, damit der 1,1 Tonnen schwere 500 einigermaßen zeitnah auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit kommt. Ein Autobahneinsatz ist derweil allenfalls in der norddeutschen Tiefebene zu empfehlen. Der 500 Hybrid erkennt Steigungen, die das menschliche Auge nicht registriert und reduziert – trotz Vollgas – automatisch die Geschwindigkeit. Wie die Werksangabe von 167 km/h zu Stande gekommen sein soll, vermögen wir daher nicht zu beurteilen. Bei uns war spätestens nach 156 km/h Schluss.

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Keine wunderlichen Verbrauchswerte

Dass der 69-PSler im aktuellen Modelljahr alternativlos geworden ist, ist daher schade und für den geneigten Kunden, der eben doch ab und an eine größere Strecke zurücklegen muss, ein echtes K.O.-Kriterium. Da trauern wir dem fröhlichen Zweizylinder-Turbo hinterher, der bei nominell nur geringfügiger Mehrleistung einen deutlich lebhafteren Eindruck hinterließ. Ein besonders hohes Sparpotential konnten wir bei dem Mix aus Autobahn, Landstraße und Stadtverkehr nicht feststellen: Der Durchschnittsverbrauch betrug 5,5 Liter auf 100 Kilometer. Bei reinem Citybetrieb vermag sich das dank des hohen Stop-Anteils noch etwas zugunsten der Werksangabe korrigieren, die bei 3,9 Litern pro 100 Kilometer liegt.

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Die Vorzüge des Kleinen

Gewohnt sind wir die zweifellosen Vorzüge des 500, die dieser auch nach seinem kleinen Facelift nicht verloren hat. So bleibt der Wendekreis minimalistisch, die Übersichtlichkeit hoch, das Fahrwerk macht einen erwachsenen, komfortablen Eindruck und das Infotainmentsystem arbeitet zuverlässig und überaus zügig. Ebenso gewohnt sind wir die viel zu hohe Sitzposition und den etwas knappen Verstellbereich des Lenkrads (nur horizontal), was gerne im ganz neuen Modell noch geändert werden darf.

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Fazit

Preislich beginnt der Fiat 500 Hybrid in Österreich bei 15.490 Euro, was uns ob der gebotenen Leistung für ein reines Stadtauto als fair erscheint. Die 18.890 Euro der „Launch Edition“ und 20.710 € für unseren deutschen Testwagen, der unter anderem mit Xenon Scheinwerfern, Klimaautomatik, Parksensoren sowie Regensensor und Navigationssystem aufwartete, sind aber in Anbetracht des müden Antriebs nicht mehr zu rechtfertigen. Es bleibt daher bei einem etwas zwiespältigen Eindruck, den der 500 Hybrid hinterlässt. Für den Einsatzzweck als Kleinwagen für die City ist er perfekt, aber als höhere Ausstattungslinie zu teuer. Und für alles andere ist er nicht ohne täglichen Grimm nutzbar, da kann der Eros noch so schön vom Beifahrersitz aus singen. (Text & Bild: Maximilian Planker)

Technische Daten*:

  • Modell: Fiat 500 Hybrid Launch Edition
  • Motor: Dreizylinder-Motor, 999 ccm
  • Leistung: 70 PS (51 kW)
  • Drehmoment: 92 Nm
  • Antrieb: Vorderradantrieb, 6-Gang-Schaltgetriebe
  • Verbrauch kombiniert: 4,1 l/100 km²
  • CO2-Emissionen kombiniert: 93 g/km²
  • Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 14,7 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 3,55 m/1,63 m/1,49 m
  • Gewicht: ca. 1.060 Kg
  • Grundpreis AT: 18.890 Euro (Launch Edition)

*Herstellerangaben

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