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Test DS3 Crossback E-Tense: Exzentrischer Elektriker

Das PSA-Premiumlabel DS Automobiles bringt den DS3 Crossback E-Tense mit Elektroantrieb zum Händler. Im Alltag offenbart der Franzose Vor- und Nachteile.

Ansprüche und Ansichten wandeln sich. Das gilt auch für die automobile Rollenverteilung. Die Damen und Herren in der Generaldirektion, Abteilungsleiter oder Rechtsanwälte fuhren jahrzehntelang eine große Limousine, später auch mal Kombi. Ein Fahrzeug eben, dass ihren Premiumanspruch untermauerte. Ein Klein- oder Kompaktwagen durfte als zweite Mobilmachung neben der Garage parken, damit wurden die Kinder in die Schule und die Einkäufe nach Hause gefahren. Pragmatisch durfte er sein, „der Kleine“, manchmal eigensinnig und so nannte man bei Fiat den Panda gerne auch „die tolle Kiste“. Aber per Definition nobel waren die kleinsten Fahrzeugsegmente lange Jahre nicht.

Das änderte sich hierzulande erst nach und nach, spätestens aber mit der Markteinführung des ersten BMW MINI Anfang der 2000er. Damals fuhren die Südeuropäer schon lange Premium im Miniaturformat. Wer erinnert sich nicht an so manche Italienurlaube und das Staunen, wie elegant der Hotelbesitzer im schicken Anzug aus seinem Lancia Y10 (mittlerweile Ypsilon – ja, den gibt es in Italien immer noch!) stieg?

DS3 Crossback E-Tense 2020 Front links Street

Eigenes DS-Händlernetz

Mit dem höheren Anspruch der Kunden lässt sich Geld verdienen. Umso mehr, wenn man zur Erfüllung dieser Wünsche tief in ein Konzernregal greifen kann. Zum Beispiel in das von PSA, der Mutter von Citroen, Opel und Peugeot. Und auch von DS. Die einstige Modellbezeichnung für legendär-revolutionäre (wenn man ins Jahr 1955 zurückblickt) und aufgerüschte (neuzeitliche) Citroen-Modelle ist die jüngste Marke im Verbund. DS soll als Premiumlabel etabliert werden, in Asien und Europa. Den nötigen langen Atem hat das Management oft betont, mit den ersten eigenen DS-Modellen wird auch ein Netz an Händlern, pardon „DS Salons“ aufgebaut.

In Europa kam der DS7 Crossback (hier im Test) zuerst auf den Markt, ihm folgte 2019 der hier zu sehende kleinere DS3 Crossback. Er baut auf der CMP genannten Kompaktplattform von PSA auf, teilt sich die technische Basis unter anderem mit Opel Corsa, Peugeot 208 und 2008. Die Architektur wurde von vornherein auch für den Einsatz eines Elektroantriebs vorgesehen, der derzeit auf breiter Ebene eingeführt wird. Der DS 3 Crossback E-Tense (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 18,3 kWh/100 km, CO2-Emissionen 0g/km²) schöpft seine Energie aus einer 50 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie, die im Fahrzeugboden sitzt. Bis zu 332 Kilometer Reichweite sollen laut Hersteller möglich sein.

DS3 Crossback E-Tense 2020 Heck rechts

16,8 kWh Testverbrauch

Diese Angabe erscheint glaubhaft, denn im Testalltag mit überwiegend städtischem Verkehr wurde die WLTP-Normangabe von 18,3 kWh Strom für 100 Kilometer sogar unterboten. 16,8 kWh nannte der Bordcomputer, 16,9 kWh die Strommenge aus der Ladesäule (ohne Berechnung von möglichen Ladeverlusten). Effizient ist der PSA-Elektroantrieb also, wobei der genannte Verbrauch mit Fahrten im Normal-Fahrmodus erzielt wurde. Dann leistet die E-Maschine maximal 80 kW (109 PS) und bietet bis zu 220 Nm Drehmoment. Hurtiger geht es im Sport-Modus voran, wenn bis zu 100 kW (136 PS) und 260 Nm anliegen.

Den von vielen größeren Elektroautos bekannten Tritt in den Rücken gibt es dagegen nicht, vielmehr einen zwar ordentlichen, aber stets gut dosierten Vortrieb – mit dem man trotzdem als Erster von der roten Ampel wegkommt. Als dritte Stufe steht ein Eco-Fahrprogramm zur Verfügung. Dann wird der gut 1,6 Tonnen schwere Mix aus Kleinwagen, Crossover und SUV jedoch spürbar träge. Lediglich 60 kW (82 PS) und 180 Nm sorgen aber immer noch dafür, dass man im fließenden Verkehr kein Hindernis darstellt.

DS3 Crossback E-Tense 2020 Int Display E Eco

Maximal 150 km/h schnell stromert der DS3 Crossback E-Tense über die Bundesautobahn, im Sport-Modus summt er in 9,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Wichtiger im Alltag als überbordende Geschwindigkeitsorgien ist der aus den regulären Modellen bekannte Automatikwählhebel, der im DS3 Crossback E-Tense das Reduktionsgetriebe bedient. Ein Zug am lederbespannten Handschmeichler (Premium, wir hatten das) aktiviert den Modus zur Rekuperation von Energie. Nach einigen Kilometern Training lässt sich damit ohne Betätigung der Bremse an Kreuzungen heranrollen und abbiegen. Ein „One-Pedal-Feeling“ (wie etwa der Jaguar I-Pace) mit Rekuperation bis zum Stillstand bietet das System aber nicht. Leider fehlen einstellbare Stufen der Energierückgewinnung, idealerweise mit Paddels hinter dem Lenkrad.

Das recht hölzerne Fahrwerk des normalen DS3 Crossback wird im E-Tense bedingt durch die schweren Batterien zwar etwas sämiger. Mit dem optionalen 18-Zoll-Felgen des Testwagens in der „Performance Line“-Ausstattung rumpelt aber auch der elektrische Franzose teils unbeholfen über Querfugen oder Wurzelaufbrüche.

DS3 Crossback E-Tense 2020 Int Cockpit

Große Displays, harte Kunststoffe

Mit dem optionalen Navigationssystem wächst das zentrale Infotainmentdisplay im Cockpit auf das stattliche Format von 10,3 Zoll. Zusammen mit dem digitalen Kombiinstrument ist der DS3 Crossback also in hohem Maße digitalisiert – so, wie es moderne Premiumansprüche eben verlangen. Die werden dann aber sogleich mit einer teils verwirrenden Bedienung und träge reagierenden Bedientasten im Rautenformat auf eine harte Probe gestellt. Apropos hart: Dieses Adjektiv beschreibt leider auch die Kunststoffe an Armaturenbrett und den Türverkleidungen, die von Alcantara-Einlagen mit schicken Nähten nur teilweise überschminkt werden.

Fahrer und Beifahrer sitzen, mit dem Kompromiss des hohen Bodens wegen dem Batteriebauraum, kommod, im Fond wird es an Knien und Kopf eng. Außerdem schränkt die Designspielerei der Finnen in der Gürtellinie die Aus- und Rundumsicht ein. Der Kofferraum misst wie bei den Verbrennervarianten 350 Liter. Ein Vorteil der Konzeption einer Plattform für beide Antriebsarten. Unverständlich aber: Die beiden serienmäßigen Ladekabel bekommen kein Extrafach, sie liegen einfach im Gepäckabteil herum und könnten dort, vor allem nach Ladevorgängen bei Schmuddelwetter, die Ladung schmutzig und nass machen.

DS3 Crossback E-Tense 2020 Front rechts Strommast

Fazit

Während der größere DS7 Crossback bei den fahraktiven Komponenten wenigstens ein harmonisches Fahrwerk als Besonderheit mitbringt, will sich der DS3 Crossback allein durch sein exzentrisches Auftreten von seinen Mainstream-Geschwistern und der Konkurrenz abheben. Die grelle Schminke kann das Premiumversprechen aber nur teilweise einlösen, den DS-Zuschlag dürften also vor allem Designliebhaber zahlen. Der geräumigere Peugeot e-2008 ist etwas, die Kleinwagen Opel Corsa-e und Peugeot e-208 sind dagegen deutlich günstiger als der DS3 Crossback E-Tense, den es in Österreich ab 39.790 Euro zu kaufen gibt. Mit ihnen teilt er sich einen gut abgestimmten Elektroantrieb mit einer alltagstauglichen Reichweite. Durch die Möglichkeit dreiphasig laden zu können verlieren auch Wartezeiten am Schnelllader ihren Schrecken. Mit bis zu 100 kW kann der Akku in einer halben Stunde bis zu 80 Prozent aufgeladen werden. Währenddessen kann man zum Beispiel im schicken Anzug am doppelten Espresso nippen. (Text und Bild: Bernd Conrad)

Technische Daten*

  • Modell: DS3 Crossback E-Tense
  • Motor: Elektromotor
  • Leistung: maximal 100 kW (136 PS)
  • Drehmoment: maximal 260 Nm
  • Antrieb: Frontantrieb, Reduktionsgetriebe
  • Verbrauch kombiniert: 18,3 kWh/100 km²
  • CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km²
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 9,1 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,12 m/1,80 m/1,53 m
  • Gewicht: ca. 1.625 kg
  • Grundpreis DS3 Crossback E-Tense AT: ab 39.790 Euro

*Herstellerangaben

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