Erster Test: Dacia Logan MCV TCe 90 – Wenn Billiges besser wird

Doch mit der neuen Logan-Generation kommen modernere Errungenschaften und mehr Schick in die Autos und vermag mit klassischem Kombi-Format auch noch die Form gefallen. Geblieben sind hoher Nutzwert und der sensationell niedrige Preis. Bisher stand der Logan MCV für ein extrem gutes Raumangebot, welches er seiner besonders pragmatischen, eher vanartigen Kastenform zu verdanken hatte. So richtig ansehnlich war der Siebensitzer allerdings nicht, wenn auch nicht ganz so unerträglich bieder wie die nur zwischenzeitlich angebotene Stufenhecklimousine des Logan.
Doch nach sieben recht erfolgreichen Jahren wurde es Zeit für eine Neuauflage des MCV, die nun auch in Deutschland zu haben ist und die genau für den deutschen Autogaumen auch das beliebte Format eines Kombis bietet. Obwohl eigentlich in der Kleinstwagen-Preiskategorie angesiedelt, ist dieser neue MCV auf stattliche viereinhalb Meter Länge angewachsen und damit eigentlich schon rein längentechnisch ein Vertreter der Kompaktklasse.
Platz satt
Und auch vom Platzangebot ist der in Rumänien gebaute MCV fast auf dem Niveau eines Golf Variant. Bein- und Kopffreiheit sind vorne und hinten gut und passen zudem noch 573 Liter in den Standardkofferraum. Die Lehne der Rückbank lässt sich klassisch umlegen und etwas fummelig kann man zudem noch die Sitzfläche hochklappen, um so noch mehr Stauraum zu schaffen. Das dann nahezu ebene Gepäckabteil bietet über 1,5 Kubikmeter Fassungsvermögen. Sieben Sitze wie beim Vorgänger gibt es jedoch nicht mehr. Großfamilien sollten von daher besser zum 2012 erschienen Lodgy greifen.
Doch was allein schon die beim Hochklappen sehr windig anmutende Schaumstoff-Sitzfläche der Rückbank offenbart, zeigt sich weitestgehend auch beim restlichen Interieur: Das Spardiktat hinterlässt in diesem voll ausgestatteten Logan MCV überall seine Spuren. Ob nun die mickrige Innenverkleidung der Heckklappe, das haptisch eher abstoßende Leder der Sitze oder das allgegenwärtige Hartplastik – Auge und Hände entdecken wenig Schmeichelhaftes. Und auch die eigentlich solide Verarbeitung offenbart im Innenraum Spaltmaße, die bei Audi höchstens in der Außenhaut zu finden sind.
Einerseits Verzicht, andererseits Aufrüstung
Letztlich ist das nur eine Einstellungsfrage, denn angesichts der Einpreisung des Logan MCV gibt es dann doch keinen Grund zum Meckern. Und andererseits hat Renault (Dacia ist eine Marke des französischen Autobauers) sogar mit ein paar Feinheiten auch anspruchsvolleren Zeitgenossen durchaus einiges zu bieten. So finden sich im Armaturenbrett einige Chromrandungen und optional auch ein Navigations-Multimedia-Vielkönner mit großem Touchscreen. Sogar eine Armlehne für den Fahrer und höhenverstellbare Gurte vorne gibt es. Schließlich sind auch elektrische Fensterheber verfügbar, die aber wie beim Vorgänger weiterhin über Schalter im unteren Bereich der Mittelkonsole betätigt werden müssen und eher ungünstig positioniert sind.
Mit klassischem Zündschlüsseldreh wird der etwas dünnstimmig seine Verbrennungsarbeit aufnehmende 0,9-Liter-Dreizylinder zum Leben erweckt. Dank Turboaufladung sind immerhin 90 PS und die bei 2.500 Touren anliegenden 135 Newtonmeter angesagt. Trotz der Zwangsbeatmung fehlt dem Motor ein beherzter Punch und dreht das Zylindertrio beim Beschleunigen nicht ganz gleichmäßig aus, wie man es noch vom einstigen 1,6er-Saugbenziner im Vorgänger her kannte. Der gezähmte Charakter des TCe ist im per Knopfdruck zuschaltbaren Eco-Modus noch ausgeprägter, denn hier wird die Leistung zugunsten einer besseren Effizienz gekappt.
Schnell oder sparsam
Unterm Strich kommt man mit dem modernen Downsizing-Aggregat gut durch den Verkehr und kann der 1,1-Tonner in knapp 11 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprinten und 175 km/h schnell werden. Bergab konnten wir auf der Autobahn die Tachonadel sogar auf 190 km/h treiben. Dabei sorgen die hohen Motordrehzahlen im höchsten von fünf Vorwärtsgängen und die Windgeräusche allerdings für eine nicht mehr ganz so schöne Akustik.
Nach einer ausgedehnten, vorwiegend zügig gefahrenen Runde spuckte der Bordcomputer glatt neun Liter Verbrauch aus, nach einer anschließend möglichst effizient gefahrenen Tour zeigte dieser nur noch 5,2 Liter an. Wer es drauf ankommen lässt, kann also auch den niedrigen Normwert, der bei fünf Litern liegt, durchaus erreichen. Praktisch wird bei den meisten Fahrern die Wahrheit irgendwo zwischen fünf und neun Litern liegen.
Nichts für Dynamiker
Der Turbobenziner mit Zwerghubraum ist ein durchaus gutes Aggregat, so rechte Begeisterung mag er allerdings nicht wecken. Gleiches gilt für das Fahrwerk, welches mit angenehmen Komfortmanieren überzeugt und das selbst noch bei Höchstgeschwindigkeit eine sichere Straßenlage vermittelt. Bei Kurvenfahrten kann es jedoch kritischer werden, denn sobald diese einen herausfordernden Charakter haben, zum Beispiel eine S-Kurven-Kombination, wirkt der Unterbau schnell überfordert. Aber es gibt ja ESP, welches dann mit beherzten Eingriffen den Wagen halbwegs auf Kurs, jedoch nicht auf Ideallinie halten kann. Die deutliche Wankneigung und die kaum Seitenhalt bietenden Sitze verleiden ohnehin allzu ambitioniertes Kurvenräubern. Für den beschaulicheren Alltag darf man aber zufrieden mit der soliden Abstimmung sein.
Funktionalität, Qualitätsanmutung oder Perfomance – auch wenn wir hier zum Teil nur mäßig schmeichelhafte Aussagen treffen können, muss doch jegliche ablehnende oder kritische Haltung gegenüber dem Logan weichen, wenn man einen Blick in die Preisliste wirft, denn relativ zum Preis stimmt die Leistung und ist der neue MCV sogar eine echte Empfehlung wert. Schmale 7.990 Euro verlangt Dacia für die Basis, während der von uns getestete TCe 90 ab 11.090 Euro zu haben ist. Für die höchste Ausstattung Prestige werden nochmals 1.200 Euro fällig und ist der Rumänen-Kombi damit nahezu voll ausgestattet. Das klingt schon subjektiv nach Schnäppchen und ist er erst recht relativ betrachtet. Denn ein Golf Variant mit vergleichbarer Ausstattung kostet gut das Doppelte. Typisch Dacia ist es zunächst einmal wieder der Preis, mit dem der seit Sommer 2013 in Deutschland verfügbare Logan MCV für Furore sorgt. Kleines Geld, großes Auto – so das Motto für den besonders geräumigen Kombi.
Doch ist der MCV mehr als nur billig: Erstmalig bietet die Renault-Tochter für ihren Logan einige zuvor noch als entbehrlich eingestufte Ausstattungsdetails grundsätzlich ab Werk. Dazu gehören ESP, vier Airbags, eine ansehnliche Außenhaut und ein ausgewogeneres Fahrwerk. Und wer möchte, kann auch noch ein ordentliches Touchscreen-Navi und einen modernen Antrieb wie den TCe 90 Eco ordern.
Und selbst wenn alles im Ausstattungsprogramm verfügbare mit an Bord ist, bleibt der Karpaten-Kombi ein verblüffend günstiges, ja sogar ein preiswertes Auto.
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