Cupra Born (2026) im Test: Gut wie ein VW, nur schöner und feuriger

Auch beim Born hat die spanische Edel-Tochter Cupra den Vortritt. Noch vor dem ID.3 Neo, dem Technik-Zwilling von VW, kommt der kompakte Stromer auf den Markt. Wir haben das Elektro-Auto schon getestet und uns einen Vorgeschmack auf den ID.3 Neo geholt.

Der Cupra Born auf einen Blick


Was uns gefällt

Das markante und junge Cupra-Design.

Was wir vermissen

Mehr echte Tasten für die Bedienung.

Ideal wenn …

… man in der Stadt oder im urbanen Umfeld lebt.

Die Alternativen

ID.3 Neo, Volvo EX30, Kia EV4, Renault Megane E-Tech


Stärken

  • Sportliche Optik
  • Straffes Fahrwerk, direkte Lenkung
  • Bis zu 630 Kilometer Reichweite

Schwächen

  • Umständliche Bedienung
  • Teigige Bremsen
  • Hoher Preis

Born dynamisch vorne

Cupra Born ist Teil der Elektro-Offensive von VW

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Nun ist das anstehende Facelift des VW ID.3 namens Neo nicht unbedingt ein großes Ereignis. Aber das runderneuerte Modell gehört zur brandneuen Elektro-Offensive der Wolfsburger, zu der auch die bezahlbaren Kleinwagen ID.Polo und ID.Cross zählen. Insofern darf der ID.3 dann doch seinen Schatten vorauswerfen. Der hört in diesem Fall auf den Namen Born und ist das (fast) baugleiche Modell der spanischen Performance-Schwester Cupra. Der Stromer wurde nach einem Stadtviertel in Barcelona benannt, so wie der Kleinwagen Raval, der wiederum eng mit dem ID.Polo verwandt ist.

Born Interieur

Beim Einparken hilft das Smartphone mit

Die Maße des neuen Born haben sich nur geringfügig verändert. Mit einer Länge von 4,33 Metern bleibt das Auto kompakt. In südlicheren Gefilden geht es ja meistens etwas enger her, deshalb hat man dem Auto das Einparken per Handy beigebracht. Das Kofferraumvolumen liegt bei 385 respektive 1.267 Litern. So weit so gleich. Auffällig ist, wie bei Cupra üblich, der markige Auftritt des Facelifts. Stark präsentieren sich die mit Matrix-Scheinwerfern ausgestattete Frontpartie, die jetzt an eine Hai-Nase erinnert, und das neue dreiteilige Tagfahrlicht, das laut Design-Chef Diez von den Augen eines schlafenden Reptils inspiriert wurde. Erstmalig leuchten die Logos rot, vorne wie hinten. Und auch der Heck-Diffusor strahlt mehr Charakter aus.

Born Kofferraum

Das Interieur – besser, aber immer noch nicht perfekt

Im Innenraum hat Cupra an der Qualität gefeilt. Sicht- und fühlbar an den besseren Türtafeln, die nicht mehr aus Billig-Kunststoff bestehen. Ansonsten gilt: Digital ist der wahre Chic: Sowohl Tacho- als auch Infotainment-Bildschirm wachsen auf 10 respektive 12,9 Zoll. Bei der Bedienung hat Cupra respektive Volkswagen stark nachgebessert. Zwar entdecken wir unterhalb des Hauptbildschirms immer noch die ungeliebten Slider, aber mittlerweile sind sie wenigstens beleuchtet. Vom Lenkrad sind sie hingegen verschwunden und durch Tasten und Knöpfe ersetzt worden. Hier hat der ID.3 Neo die Nase vorn. Ebenso wie bei den neuen ID.Polo und ID.Cross verabschiedet sich Volkswagen auch beim ID.3 endlich von den Slidern. Lobenswert auch: Es gibt wieder vier (statt zwei) Kippschalter, um die Fenster zu öffnen. Akustisch wird das Interieur aufgewertet mit einer besseren (optionalen) HiFi-Anlage von Sennheiser und mit einem neuen digitalen Motorsound, der sich klangliches Vorbild bei der eingebauten E-Maschine und der Formel E holt.

Born dynamisch hinten

Hohe Reichweiten, aber ist das realistisch?

Apropos Motor: Die Baureihe startet mit 190 PS und einem 58-kWh-Akku in der Basis, danach folgt die Version Endurance mit einer 79-kWh-Batterie und 231 PS. An der Spitze rangiert der VZ mit knackigen 326 PS und dem identischen Energiespeicher. Die Reichweiten steigen und sollen jetzt zwischen 484 und 630 Kilometer liegen. Bei unseren Testfahrten mit dem VZ haben wir 18,1 bis 18,9 kWh verbraucht, da sind Zweifel angebracht. Aufgeladen wird mit bis zu 185 kW (105 kW kleiner Akku). Im Idealfall füllt sich der Akku in 29 Minuten von 10 auf 80 Prozent.

Born Unteraufmacher

5,6 Sekunden von 0 auf 100: Der VZ ist ein Ballermann

Ansonsten waren wir zufrieden. Zum Beispiel mit der direkten (Progressiv-)Lenkung. Das Auto folgt direkt und schnell dem Lenkimpuls. Und auch das Fahrwerk ist perfekt. Tempo-Buckel rasieren die adaptiven Dämpfer weg. Das Ganze ohne Schwanken und Wanken, dafür mit einer feinen Härte und einer guten Rückmeldung von der Straße gewürzt. Allerdings sind die Bremsen gewöhnungsbedürftig. Sie fühlen sich schwammig an. Fast gefühllos. Und das bei einem feurigen Spanier. Meistens drückt man das Pedal deshalb schärfer, als es notwendig wäre. Schade, dass es zum wesentlich ausgewogeneren One-Box-System der nächsten VW-Generation nicht gereicht hat. Die Beschleunigung macht ordentlich Spaß. Mit 545 Nm Drehmoment zieht der VZ, also der Ballermann der Born-Modelle, in 5,6 Sekunden von 0 auf 100. Das ist um eine Sekunde schneller als beim Vorgänger. Fühlt sich auch deshalb gut an, weil der Born am Heck angetrieben wird. Beim Nachfolger stellt Cupra vermutlich auf Frontbetrieb um. Und dann verschwinden auch die Trommelbremsen hinten.

Cupra Born IMD 214

Erstes Fazit

Das new born Baby sieht schärfer aus als der Vorgänger, bietet ordentlich Reichweite und fährt sich top. Der Preis für die Basis liegt bei 35.990 Euro, für das Muskelpaket VZ werden noch mal 11.000 Euro Aufpreis fällig. Wer so viel Geld locker machen kann, bekommt ein E-Auto mit viel Saft und Kraft, ordentlich Platz und einem ausgeprägten Charakter. Gut wie ein VW – nur schöner und feuriger. (Text: Rudolf Bögel. Fotos: Hersteller)

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Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.

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