Bovensiepen 05 GT im ersten Test: Er ist wieder da (1)

Mit dem 05 GT bringt Bovensiepen Ende 2026 sein zweites Modell auf die Straße: M5-Touring-Basis, 800-Hybrid-PS, ein feineres Design und ein klarer Verweis auf alte Alpina-Tugenden. Wir konnten bereits eine erste Runde mit dem neuen Super-Gran-Turismo drehen.

Der neue Bovensiepen 05 GT auf einen Blick


Was uns gefällt

Die Nähe zum einstigen Alpina-Gedanken, kombiniert mit bis zu 800 System-PS.

Was wir vermissen

Mehr Eigenständigkeit in den digitalen Anzeigen.

Ideal, wenn …

… man einen BMW M5 Touring will, der weniger brutal auftritt.

Die Alternativen

Klassisch, dezent, aber auch schwächer: Mercedes-AMG E 53 Hybrid T-Modell.


Stärken

  • Starker Antritt, angenehme Straßenlage
  • Zurückhaltendes Design
  • Leder in Manufakturqualität

Schwächen

  • Sehr hohes Fahrzeuggewicht
  • Hoher Aufpreis ggü. M5 Touring
  • Keine spezifischen Grafiken / Menüs im Infotainment

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BMW M5 Touring als technische Basis

Da war selbst die Verwirrung für einen Moment verwirrt: Als das Tuch vom neuen Bovensiepen 05 GT gezogen wurde, stand plötzlich ein Automobil vor uns, das von seiner Machart sehr vertraut wirkte. Ja, das wird man besonders am Münchner Petuelring, aber auch in Garching nicht allzu gern lesen, doch der Gedanke drängt sich auf: Ersetzt man die 0 im Namen durch ein B, ist die Nähe zu einem früheren Fahrzeug aus Buchloe kaum zu übersehen.

Dabei basiert das zweite Modell des auf dem Papier noch jungen Manufakturherstellers Bovensiepen nicht auf einem braven Serien-BMW, sondern erneut auf einem Fahrzeug der M GmbH. Erst war es der Bovensiepen Zagato, der als technischen Unterbau ein BMW M4 Competition Cabrio nutzt. Nun folgt also der 05 GT, dessen Grundlage ein BMW M5 Touring ist.

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Maximal 800 System-PS - aber mit Garantie

Bekanntermaßen leidet dieser nicht gerade an Leistungsschwäche. Dennoch war man im Allgäu der Überzeugung, dass ein paar zusätzliche Pferdestärken nicht schaden könnten. Gegenüber dem regulären Allrad-M5 sollen 73 Extra-Gäule in der Motorelektronik gefunden worden sein. Zumindest, wenn man dem vorläufigen Datenblatt Glauben schenken darf. Auf der ersten Ausfahrt über den Salzburgring hegten wir allerdings Zweifel, ob der 4,4-Liter-V8-Biturbo, der von einem Elektromotor im Achtgang-Automatikgetriebe unterstützt wird, tatsächlich 800 System-PS und 1.100 Nm leistet. Vielleicht sind wir angesichts der zunehmenden Elektrifizierung aber einfach schwerst verwöhnt.

Dass wir hier keine Leistungsauswüchse im Stil von G-Power erleben, hat übrigens auch mit der BMW-Werksgarantie zu tun. Während G-Power dem V8-Hybrid durch weitreichende technische Eingriffe mehr als 1.000 PS entlockt, wählt Bovensiepen einen anderen Weg: weniger brachial, dafür näher an dem, was sich mit gutem Gewissen und einer Garantie von zwei plus einem Jahr im Umfeld der BMW-Standards an zahlungskräftige Kunden verkaufen lässt.

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Weniger Brutalismus, mehr klassischer Gran Turismo

Schließlich will man diese bei einem Einstandspreis von 198.500 Euro nicht durch technische Ausfälle verprellen. Damit kostet der Bovensiepen 05 GT immerhin 51.300 Euro mehr als ein BMW M5 Touring. Neben der Leistungssteigerung inklusive angepasster Ansaugluftführung erhält der geneigte Kunde unter anderem ein aufwendig designtes Bodykit. Verantwortlich für die Außengestaltung ist unter anderem Euan McPherson, der zusammen mit Designerlegende Frank Stephenson (BMW X5 E53, Mini R53 etc.) den aktuellen 5er geradezu enthässlicht hat.

Durch die behutsamen, aber wirkungsvollen Eingriffe ins Außendesign wurde dem M5 Touring vor allem jene optische Wucht genommen, für die ihn viele Influencer und Social-Media-Kommentatoren gefeiert haben. Die zahlungskräftige Zielklientel hingegen, die mit dem stellenweisen Brutalismus bei BMW nichts mehr anfangen kann, findet im Bovensiepen 05 GT nun eine deutlich zurückhaltendere Alternative.

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Das Gewicht bleibt der Elefant im Raum

Dem "Fine-Driving"-Anspruch von Bovensiepen gerecht wird man zudem über ein weicher abgestimmtes Fahrwerk, das auf angepasste Stützlager, Eibach Federn und eine spezielln Dom-Stirnwandstrebe setzt. Weicher bedeutet jedoch nicht, dass man das 2,6-Tonnen-Trumm nicht sehr freudig durch die Schikanen am Salzburgring peitschen kann. Freilich merkt man weiterhin die fehlende Wankstabilisierung, aber das haben wir schon schlechter erlebt.

Klar muss einem dennoch sein, dass aus einem Jumbo nie und nimmer ein Kampfjet werden kann. Da können sich die 21 Zoll großen Pirelli P Zero mit „BOV“-Kennung noch so sehr in den Asphalt krallen und die Allradlenkung aus der Mittellage heraus noch so präzise ansprechen: Das Gewicht bleibt stets der Elefant im Raum. Den krönenden Abschluss am Heck bildet derweil die Titan-Abgasanlage von Akrapovič, wobei V8-Connaisseure bemängeln könnten, dass selbst beim 05 GT der Sound nach innen künstlich verstärkt wird. Eine Sache, die dieses Auto sicherlich nicht gebraucht hätte.

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Innenraum mit viel Leder, aber noch zu vielen M-Logos

Sehr wohl gebraucht hätte es jedoch ein erweitertes Detailverständnis - besonders bei dem aufgerufenen Basispreis. Es ist für eine noch junge Manufakturmarke dann doch eher schädlich, wenn Digitalcockpit, Infotainment-Einheit und selbst der gläserne iDrive-Controller weiterhin zahlreiche BMW M-Logos zeigen.

Wenngleich sich der Innenraum umfangreich mit edelstem Lavalina-Leder beziehen lässt und für die Kontrastnähte sowie Stickereien bis zu 1,8 Kilometer Garn aufgewendet werden - an einem mit Echtleder bezogenen Armaturenbrett wird aufgrund scharfer Zulassungsbestimmungen derzeit noch gearbeitet.

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Erstes Fazit

Der Bovensiepen 05 GT führt den alten Alpina-B5-Gedanken weitestgehend fort - nur eben ohne ein Alpina zu sein. Nach dem Verkauf der Markenrechte an BMW sind bei der Familie Bovensiepen offenbar auch die letzten Denkverbote gefallen. Etwa jenes, wonach ein Auto aus Buchloe einst nicht stärker sein durfte als eines aus Garching. Mehr denn je tritt man damit gegen die M GmbH an, ohne ihr formal wirklich Konkurrenz zu machen. Schließlich muss auch Bovensiepen den M5 ganz regulär bei BMW bestellen.

Erleben wir hier somit eine Win-win-win-Situation für Hersteller, Veredler und Kunden? Nicht ganz. Denn Letzterer muss seinen Wunsch nach weniger Aufdringlichkeit und mehr Individualisierung teuer bezahlen. Schließlich kostete der letzte BMW Alpina B5 GT Touring mindestens 145.500 Euro und damit rund 50.000 Euro weniger. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 Chefredakteur des AutoScout24 Magazins und verantwortet die inhaltliche sowie strategische Ausrichtung der Redaktion einschließlich der Weiterentwicklung aller Content-Formate, insbesondere im Bereich Video. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Automobiljournalismus und beschäftigt sich mit aktuellen Mobilitätstrends, neuen Antriebstechnologien sowie der Entwicklung des Automobilmarktes. Privat gilt seine besondere Leidenschaft klassischen Fahrzeugen - sein Traumwagen bleibt der Audi RS 6 Avant C5 in Goodwood Grün.

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