Das letzte Einhorn: Abschiedstour im BMW M140i 3-Türer

Ende 2019 ist es soweit: BMW verabschiedet sich beim 1er von Heckantrieb und Sechszylinder. In China rollt die Einser Limousine bereits auf der UKL-Plattform vom Band - in Europa wiegt die Abkehr von alten Tugenden umso schwerer. Eine letzte Fahrt im BMW M140i.

Aus, Ende, vorbei: Noch in diesem Jahr stellt BMW beim 1er die Weichen auf Neuanfang und damit so manche Bayern-Tugend kräftig auf die Probe. Kein Heckantrieb mehr, kein Sechszylinder und der Dreitürer fliegt sowieso raus. Die Kunden wollen angeblich mehr Platz und Komfort, BMW hingegen wünscht sich pro abgesetztem Fahrzeug eine höhere Marge. Die neue Frontantriebsarchitektur soll dafür Mittel zum Zweck sein und wird zukünftig nicht nur MINI sowie die kleinen X- und Van-Modelle der Münchner beherbergen, sondern eben auch dem 1er eine Basis bieten.

BMW-M140i-front

Nächster Einser ohne Heckantrieb

Der aktuelle Einser BMW gilt derzeit noch als eine Art Inkarnation des jungen Wilden in der Kompaktklasse. Gerade als M Performance Modell begehrt er akustisch immer wieder auf, trinkt gerne einen über den Durst und seinen Sixpack versteckt er elegant hinter einem sportlichen Businessdress. Nun aber wird er genau von der Art Automobil abgelöst, das er eigentlich nie sein wollte. Was hat man sich in München einst dafür gerühmt, den heißesten „Hot Hatch“ im Portfolio zu haben. Einen, der über Hinterradantrieb verfügt, ein knackiges Schaltgetriebe zu bieten hat und sogar mit einem sahnigen Sechszylinder aufzuwarten weiß.

BMW-M140i-back

Reihensechszylinder Meisterwerk

Doch wollen wir nicht in allzu große Wehmut verfallen – schließlich gibt es ihn noch, den BMW M140i. Und mit ihm einen der wohl besten Reihensechszylinder-Motoren unserer Zeit. Ja, der B58 (im M135i noch N55) wird uns im Einstiegs-BMW fehlen. Seine Laufruhe, sein Durchzugsvermögen und das sonore Klangbild sind eine Schau. 340 PS (250 kW) leistet der Dreiliter-Direkteinspritzer, der seine maximale Leistung erst bei rund 5.500 U/min zur Verfügung stellt. Davor und ab 1.520 U/min schwimmt der stärkste Serien-1er, dank seines Twin-Scroll-Abgasturboladers, bereits auf einer satten Drehmomentwelle von 500 Newtonmetern.

BMW-M140i-engine

Leistungsstark und manchmal sparsam

Bei allem Respekt für diesen Motor: Wer den M140i schnell (nicht rasend) bewegt, der muss mit Verbräuchen auf M3-Niveau zurechtkommen. So schaffen spaßbefreite Asketen am Gaspedal zwar moderate 8 - 9 Liter, realistisch sind im Alltag aber eher 11 – 13 Liter auf 100 Kilometer. Als störend empfanden wir auch, dass der lediglich 52 Liter fassende Kraftstofftank die Reichweite deutlich limitiert. Aber sind es wohl jene Kompromisse, die man eingehen muss, will man in die BMW M Performance Liga aufsteigen. Eine Riege unterhalb der echten M-Modelle geht es dafür aber schon ordentlich zur Sache – und ca. 4,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sind beileibe nicht langsam.

BMW-M140i-detail

Schnell aber nervös

Auf der Bundesautobahn ist man daher öfters allein unterwegs, gerade wenn man das satte Sprintvermögen des M140i gänzlich ausschöpfen kann. 250 Kilometer pro Stunde schafft der kompakte Münchner zwar ohne Müh und Not, er offenbart bei derlei Geschwindigkeiten allerdings andere Schwächen. So liegt der Einser oftmals sehr unruhig auf der Straße, die Vorderachse wirkt zu leicht und schnell stellt sich ein recht nervöses Fahrverhalten ein. Dagegen umso besser: Die Kurvenqualitäten des 1er BMW. Nur die Rückmeldung und Gewichtung der elektromechanischen Lenkung mag uns (sowohl in Comfort als auch in Sport+) nicht restlos überzeugen.

BMW-M140i-side

M Sportbremse könnte bissiger sein

Eine weitere Problematik betrifft die Bremsanlage des BMW M140i. Für den gierigen Kurvenräuber ist die serienmäßige M Sportbremse zu teigig, der Bremspunkt damit zu unpräzise und insgesamt fehlt es der Anlage etwas an Biss. Fein abgestimmt ist hingegen die 8-Gang-Automatik von ZF, die, unabhängig vom Motor im 1er, eine hervorragende Arbeit verrichtet. Die Zackigkeit eines Direktschaltgetriebes leistet der Wandler zwar nicht, in Sachen Fahrkomfort ist er jedoch ganz weit vorne dabei. Auch das Fahrwerk federt im Comfort-Modus, passend zum unaufgeregten Getriebe, allerhand Unebenheiten aus der Fahrbahn – die Sportstellung nervt auf schlechten Straßen hingegen mit einer recht verkrampft wirkenden Abstimmung.

BMW-M140i-interior

BMW 1er glänzt mit top Ergonomie

Mit dem Einstieg in das Interieur des M140i begibt man sich zugleich auf eine Art Zeitreise. Das Kombiinstrument kommt überwiegend analog daher, Gestensteuerung kennt der 1er ebenfalls nicht und auch ein Head-Up-Display ist dem Münchner bis dato fremd. Wir finden: Gut so! Denn bei aller zuvor geäußerten Krittelei - das fahrerorientierte Cockpit der Baureihe F20/21 gilt, mit Ausnahme der bescheidenen Sicht auf den Bordcomputer, als Vorbild an Bedienerergonomie. Alles ist da, wo man es erwartet. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Das serienmäßig mit Leder bezogene Sportgestühl passt wie angegossen, die Einstellungsmöglichkeiten sind zahlreich und das dick ummantelte Lenkrad liegt bestens in der Hand. Schade: Im tagtäglichen Griffbereich findet man auch zum Modellreihenschluss weiterhin billig wirkende Plastikelemente.

BMW-M140i-back2

iDrive weiterhin konkurrenzlos

Wenn man auf BMWs iDrive zu sprechen kommt muss man dagegen festhalten: An dieser Navigationseinheit beißen sich manch andere Premiumhersteller nach wie vor die Zähne aus! Die Sprachbedienung arbeitet nahezu frei von Fehlern, versteht selbst salopp formulierte Eingaben und reizt nicht mit ständigen Rückfragen. Die neue Kacheloptik kommt dagegen etwas verschachtelt daher – das funktionierte vor ein paar Jahren noch etwas intuitiver. Am Ende bleibt noch der Blick auf das Platzangebot, das bei einem Dreitürer generell etwas speziell ausfällt. Vorne sitzt man daher im M140i stets fürstlich, die üppigen Fensterflächen wirken beinahe coupéartig und der Einstieg über die großen Türen gelingt einfach. Was man von der Sitzplatzakrobatik nach hinten jedoch nicht behaupten kann. Wer also Kind und Kegel schnell von A nach B befördern will – der greift besser zum Fünftürer.

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Fazit

Wo Licht, da Schatten. Der BMW 1er F20/F21 ist mit Sicherheit nicht das perfekteste Auto aller Zeiten aber gerade das macht ihn so besonders. Was zunächst eigenartig klingt, erschließt sich spätestens mit Blick auf die gleichgeschalteten Mitbewerber im Kompaktwagensegment. Speziell als charakterstarker BMW M140i begehrt der Münchner dank Hinterradantrieb und seinem feudalen Reihensechszylinder ein letztes Mal auf, will nicht Everybody's Darling sein und gibt wenig auf allerhand Konventionen. Die durchwegs ausgereifte und solide Technik wird im Detail nur durch die teigig wirkende M Sportbremse getrübt. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

Technische Daten*

  • Modell: BMW M140i 3-Türer F21
  • Motor: Reihensechszylinder Turbo, 2.998 ccm
  • Leistung: 340 PS (250 kW) bei 5.500 U/min
  • Drehmoment: 500 Nm zwischen 1.520 und 4.500 U/min
  • Antrieb: Hinterradantrieb, Achtgang-Automatikgetriebe
  • Verbrauch (kombiniert): 7,4 l Super/100 Km
  • Emissionsklasse: Euro 6 d-TEMP
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 4,6 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeregelt)
  • Abmessungen (L/B/H): 4.324 mm / 1.765 mm / 1.411 mm
  • Leergewicht: 1.545 Kg
  • Grundpreis in Österreich: 52.856 Euro

*Herstellerangaben

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