Audi SQ5 Sportback TDI im Test: Innere Werte

Der Audi SQ5 Sportback TDI im Überblick
Stärken
- - Bärenstarker V6-Diesel
- - Sehr gutes adaptives Luftfahrwerk
- - Niedrige Verbräuche möglich
- - Hochwertige Verarbeitung
Schwächen
- - Teuer in der Anschaffung
- - Sehr lange Optionsliste
- - Eingeschränkte Übersichtlichkeit
- - Ablenkende Infotainment-Bedienung
Verspäteter Partygast
Sie sind die Krönung der erfolgreichsten Fahrzeuggattung im modernen Automobilbau: SUV-Coupés. Gerne auch Crossover-Coupés genannt. Für viele sind sie aber schlicht Lifestyle-Laster. Denn aus einer per se dem Zeitgeist geschuldeten Nische ein noch nischigeres Produkt zu schaffen ist mit Lifestyle noch nett umschrieben.
In Ingolstadt war man zwar etwas später auf der Party, hat nun aber auch ein Hochbau-Coupé der oberen Mittelklasse im Angebot – und das sogar mit einem besonders potenten Dieselmotor. Und während besonders letzterer mit Blick auf die strategische Ausrichtung von Audi erstaunt, so hat er uns nach 14 Tagen im Test doch tatsächlich nachhaltig überzeugt. Sogar an der Zapfsäule.
Der Audi SQ5 Sportback TDI ist ein Showstar mit echten Talenten
Optisch zieht unser Audi SQ5 Sportback TDI (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 8,5-8,1 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 223-212 g/km²) alle Register. Grelles Orange-Metallic wechselt sich mit edlen, aber optionalen Hochglanz-Schwarz-Elementen ab. Dabei darf sich das leistungsstärkste S-Modell natürlich mit hexagonalen Kühlergrill-Gittern besonders dynamisch inszenieren. Mit dem verchromten Vierrohr-Auspuff, dessen Blenden in guter, jüngerer Audi-Tradition sprichwörtliche Blender sind, kann ihn ein jeder sofort als Alphatier der Baureihe identifizieren. Wer dazu die aufpreispflichtigen glanzgedrehten 21-Zoll-Räder mit roten Audi Sport-Schriftzügen bestellt, der räumt auch die letzten Zweifel am eigenen automobilen Status aus.
Im Innenraum sind die Insignien der Macht etwas subtiler verteilt. Geprägte Logos auf den feinen Leder-Sportsitzen, dazu die obligatorische Rautensteppung. Das Paket der Carbon-Interieurleisten ist natürlich fein anzusehen, den Aufpreis sollte man aber gut abwägen. Über jeden Zweifel erhaben ist das Bang & Olufsen-Soundsystem, das je nach Titelwahl sowohl druckvoll aufspielen kann, aber auch feine Töne detailreich aufzulösen weiß.
Die neue Generation Infotainment ist nicht frei von Schwächen
Eine glasklare Auflösung bietet auch die Kombination aus großem Navi-Bildschirm und digitalem Cockpit. Doch der Verzicht auf den bewährten MMI-Dreh-Drück-Steller und der Übergang zu rein touch-basierter Bedienung ist nicht immer ein Gewinn. Man lernt den Umgang der Menüstruktur zwar schnell, auch die ordentliche Sprachbedienung hilft hier gut, doch die Treffsicherheit ist besonders auf schlechter Fahrbahnoberfläche deutlich niedriger als mit der alten Bedieneinheit.
Beim Thema „niedrig“ bietet sich die Überleitung zum Platzangebot an. Denn dem Sportback-Naturell folgend spart auch das Q5 Coupé ab der B-Säule an der Dachhöhe, um einen eleganteren Heckauslauf zu ermöglichen. Doch innen bleibt der Raum überraschend großzügig. Vor allem wenn man – wie im Testwagen – auf ein Glasdach verzichtet, so bietet auch der Fond des Audi SQ5 Sportback TDI ausreichend Raum für Erwachsene. Gleiches gilt für den Kofferraum, dessen Volumen mit 500 Litern bis zur Laderaumabdeckung beinahe exakt dem Maß des konventionellen Bruders entspricht.
Nicht nur Lademeister, sondern auch Ladermeister
Allerdings ist der primäre Einsatzzweck eines S-Audis nicht auf maximales Ladevolumen ausgelegt, sondern auf maximales "Ladervolumen". Davon hat der im Detail frisch überarbeitete Dreiliter-V6 auch gleich zwei; eine Abgasturbine und einen elektrisch angetriebenen Verdichter für einen besonders schnellen Druckaufbau. Was in der Theorie gut klingt hat in der Praxis aber nicht immer den gewünschten Effekt. Denn besonders die Euro 6d ISC-FCM AP-Abgasnorm zieht dem SQ5 TDI aus dem Drehzahlkeller die Zähne.
Wo früher noch kräftig eingespritzt werden konnte, um dem Drehmoment Beine zu machen, muss man heute penibel auf die Abgaswerte achten. Mit der SCR-Twindosing-Abgasreinigung lässt Audi hier im Übrigen nichts mehr anbrennen und liefert mit die saubersten Diesel auf dem Markt. Der kleine Gedenkmoment des Motors tritt besonders bei dynamischer Fahrweise zu Tage, denn vor allem die unbändige Kraft, die der 251 kW/341 PS starke Motor obenrum entwickelt, lässt seinen Antritt aus dem Drehzahlkeller etwas schwach erscheinen.
Souveränität auf der Langstrecke ist sein absoluter Trumpf
Doch einmal in Fahrt fällt dieser Umstand kaum mehr ins Gewicht. Stattdessen wird er von einer absoluten Souveränität abgelöst. Denn die 700 Newtonmeter, die der Dreiliter-TDI über einen weiten Bereich an alle vier Räder verteilt, werfen das orangefarbene SUV-Coupé jederzeit lässig nach vorn. Die Sprintzeit von gut fünf Sekunden auf 100 km/h wirkt realistisch und auf der Autobahn gibt es diesseits echter Sportwagen kaum schnellere Verkehrsteilnehmer.
Und wahrlich, auf der Autobahn ist der Audi SQ5 Sportback TDI daheim. Das Zusammenspiel aus bärenstarkem und trotzdem sehr sparsamem Motor (Testverbrauch: 8,7 l/100 km) und der optionalen Luftfederung ist absolut bemerkenswert. Trotz der gigantischen 21-Zoll-Felgen rollt der Sportback locker und geschmeidig ab und findet in jeder Situation die passende Dämfperhärte. Wer will, kann sich im Menü sein Wunschsetup zusammenstellen. Wir waren mit dem Fahrkwerk auf "Comfort" und dem Antrieb auf "Dynamic" sehr zufrieden.
Denn hier ist man jederzeit im Genuß des vollen Potenzials des Antriebs, bleibt bei Lenkung und Fahrwerk aber auf der bequemen Seite. Man nimmt dem Showstar quasi seine Allüren und setzt stattdessen voll auf seine echten Talente.
Fazit
Der Audi SQ5 Sportback TDI ist ein Auto, das aus dem Zeitgeist heraus geboren wurde. Doch steckt hinter der Lifestyle-Fassade nicht nur ein aufgeblasenes Hochbau-Coupé, der Ingolstädter überzeugt durch seine inneren sowie technischen Werte. Der totgeglaubte Dieselmotor darf noch einmal eine mehr als beeindruckende Vorstellung abliefern, seine 341 PS und 700 Nm sind jederzeit ein Quell der Fahrfreude. An der Zapfsäule erwartet den Audi-Piloten dabei ebenfalls keine böse Überraschung, wie ein flott gefahrener Durchschnitt von 8,7 Liter auf 100 Kilometer beweist. (Text und Bild: Fabian Mechtel)
Technische Daten*
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