Gebrauchtwagen-Check Audi e-tron Sportback 55 quattro (2022): Elektrisches Luxusschiff

Der Audi e-tron Sportback 55 quattro (2022) auf einen Blick:
Was uns gefällt
Hochwertiger Innenraum und Top-Fahrwerk.
Was wir vermissen
Eine Reichweite, die zu einem komfortablen Reisefahrzeug passt.
Ideal, wenn ...
… man elektrische Oberklasse zu einem attraktiven Preis fahren möchte.
Die Alternativen
BMW iX, Mercedes-Benz EQE SUV, Tesla Model X
Stärken
- Elegantes Coupé-Design
- Fahrwerk mit Luftfederung
- Hochwertiger Innenraum
Schwächen
- Verbrauch und Reichweite
- Durchschnittliche Ladeleistung
- Hohes Gewicht
Hinweis zum Testfahrzeug
Das Testfahrzeug wurde vom FAHR | WERK Zell am See zur Verfügung gestellt. Das Autohaus bietet neben Gebrauchtfahrzeugen aller Marken auch individuell nach Kundenwunsch konfigurierte Neuwagen an.
Premium-SUV im Coupé-Gewand
Der Audi e-tron Sportback 55 quattro schafft mit seiner abfallenden Dachlinie den Spagat zwischen muskulösem SUV-Auftritt und geschmeidig wirkendem viertürigen Coupé. Die Proportionen lassen den knapp fünf Meter langen und 2,6 Tonnen schweren Koloss weniger massiv erscheinen, als er tatsächlich ist. Die kraftvoll gezeichnete Karosserie und die 21-Zoll-Räder des Testfahrzeugs unterstreichen die dynamische Wirkung zusätzlich. Insgesamt wirkt der Auftritt auch nach mehreren Jahren noch zeitlos und elegant.
Wie die klassische SUV-Version des Audi e-tron quattro wird auch der Sportback in drei unterschiedlichen Leistungsstufen angeboten. Den Einstieg bildet der e-tron 50 mit 230 kW (313 PS) und einer 64-kWh-Batterie (netto). Darüber rangiert der getestete e-tron 55 mit 300 kW (408 PS) und 86 kWh Akkukapazität (netto). Die Topversion e-tron S kommt auf eine Systemleistung von 370 kW (503 PS) und nutzt ebenfalls den größeren der beiden Akkus. 2023 folgt das Facelift in Form des Audi Q8 e-tron mit größerer Batterie und höherer Reichweite, dessen Produktion Anfang 2025 eingestellt wird.
Bildergalerie: Audi e-tron Sportback 55 quattro (2022)

Antrieb trotzt dem Hüftspeck
Der Audi e-tron Sportback 55 quattro wird an Vorder- und Hinterachse von jeweils einem Elektromotor angetrieben. Der Allradler verfügt im Boost-Modus über eine Systemleistung von 300 kW (408 PS) und 664 Nm Drehmoment. Damit beschleunigt das Schwergewicht in gerade einmal 5,7 Sekunden auf Tempo 100. Im Test beeindruckte, wie mühelos die Beschleunigung vonstattengeht. Bei der Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h wird elektronisch abgeregelt.
Im Alltag ist der Antrieb überwiegend heckbetont ausgelegt, bei Bedarf wird die Vorderachse zugeschaltet. Die adaptive Luftfederung lässt sich mit den zahlreichen Fahrmodi sehr variabel abstimmen – von komfortabel weich bis sportlich hart. Während des Tests zeigte sich der Audi e-tron Sportback 55 quattro als universell einsetzbares SUV-Coupé. Vom ambitionierten Sportler bis zum luxuriösen Reisegefährt reichen die Einsatzmöglichkeiten. Wenn da nur nicht der hohe Verbrauch wäre – aber dazu etwas später.
Zurückhaltender Innenraum mit Stil
Dem Anspruch eines luxuriösen Begleiters wird der Audi e-tron Sportback 55 quattro auch im Innenraum gerecht. Sechs Jahre nach dem Erscheinen vermitteln hochwertige Materialien und gute Verarbeitung immer noch ein klar auf Premium getrimmtes Ambiente. Dazu passt auch die vergleichsweise zurückhaltende Displaylandschaft. Über den unteren der beiden zentralen Touchscreens erfolgt die Klimaregelung. Durch die Anordnung direkt auf der Mittelkonsole geht jedoch Stauraum verloren, der zur praktischen Ablage eines Smartphones verwendet werden könnte, die im e-tron fehlt.
Zwei weitere kleine Bildschirme links und rechts in den Türverkleidungen ersetzen den Blick in klassische Außenspiegel. Die optionalen Kameraspiegel galten beim Erscheinen des Audi e-tron als technische Innovation, die sich jedoch aus praktischen Gründen nicht durchgesetzt hat. Das zeigt sich auch im Test: Der Blick zurück durch die beiden kleinen Bildschirme ist zwar möglich, wirkt aber unnatürlich und ist daher äußerst gewöhnungsbedürftig.
Aufgrund der Fahrzeuggröße sind die Platzverhältnisse im Innenraum insgesamt großzügig bemessen. Die Sitze bieten guten Komfort und Seitenhalt. Mit einem Radstand von 2,9 Metern ist auch im Fond für viel Platz gesorgt. Beim Sportback ist die Kopffreiheit durch die abfallende Dachlinie etwas eingeschränkt, was allerdings nur groß gewachsenen Passagieren auffallen wird.
Kleine Abstriche muss man bei der Coupé-Version auch beim Kofferraum machen. Mit 555 Litern gegenüber 600 Litern beim klassischen SUV steht aber immer noch reichlich Stauraum zur Verfügung. Die große, weit aufschwingende Heckklappe erleichtert das Beladen. Klappt man die Sitze um, erweitert sich das Ladevolumen auf 1.595 Liter. Bis zu 1,9 Meter lange Gegenstände können dann verstaut werden. Unter der Fronthaube bietet ein mit einer Klappe verschlossener Frunk zusätzliche 60 Liter, die gut zum Verstauen des Ladekabels geeignet sind.
Reichweite als größtes Manko
Die 86 kWh Batteriekapazität des Audi e-tron Sportback 55 quattro sind grundsätzlich ein brauchbarer Wert. Kombiniert man diese jedoch mit einem 2,6-Tonner, der sich im Langzeitverbrauch laut Display-Anzeige durchschnittlich 28 kWh/100 km genehmigt, bleiben gerade einmal 300 Kilometer realistische Reichweite übrig. Kein sehr brauchbarer Wert für ein komfortables Reisefahrzeug, das sich ansonsten sehr gut für die Langstrecke eignen würde.
Die maximale DC-Ladeleistung von 150 kW ist für heutige Verhältnisse zwar nur noch ein durchschnittlicher Wert, ermöglicht es aber, die Antriebsbatterie in einer halben Stunde von 5 auf 80 Prozent aufzuladen. Ein akzeptabler Zeitraum, der jedoch auf der Langstrecke des Öfteren eingeplant werden muss. An einer Wallbox ist mit dem optional verfügbaren 22-kW-On-Board-Ladegerät eine vollständige Ladung in rund fünf Stunden erledigt.
Aviloo Batterietest: Leicht unterdurchschnittlich
Das Ergebnis des Aviloo Batterietests zeigt einen Gesundheitszustand (SoH) der Hochvoltbatterie von 94,1 Prozent. Damit liegt der Wert beim getesteten Audi e-tron Sportback 55 quattro leicht unter dem Durchschnitt vergleichbarer Fahrzeuge. Da der praktische Reichweitenverlust gegenüber dem Neuzustand nach einer Laufleistung von 67.300 Kilometern bei unter 20 Kilometern liegt, spielt das im Alltag keine wesentliche Rolle.
Für die Komponenten der Hochvoltbatterie bietet Audi eine Garantie von bis zu 160.000 Kilometern oder 8 Jahren. Sollte der Netto-Restenergieinhalt bis zum Erreichen dieser Kilometerleistung beziehungsweise während dieses Zeitraums unter 70 Prozent des Neuzustandes sinken, werden Mängel an den Batteriekomponenten behoben oder der Akku ausgetauscht.
>> Der Aviloo Batterietest zum Audi e-tron Sportback 55 quattro als PDF <<
Fazit 8.4/10
Seitens Designs, Komfort und Fahrleistungen wird der Audi e-tron Sportback dem Premium-Image der Marke voll und ganz gerecht. Etwas anders sieht es bei Verbrauch und Reichweite des Oberklasse-SUV aus. Die Version mit dem kleineren 64-kWh-Akku (e-tron 50) können wir aufgrund der sehr geringen Reichweite von etwa 200 Kilometern nur bedingt empfehlen. Die Wahl sollte beim Kauf auf ein Modell mit dem größeren Akku fallen. Wer nämlich mit rund 300 Kilometern Reichweite das Auslangen findet, kann einen vier bis fünf Jahre alten Oberklasse-SUV um ein Drittel des Neupreises erstehen. Ab 30.000 Euro (in Deutschland auch schon deutlich darunter) ist man dabei und kann damit in Anbetracht des Gebotenen ein echtes Schnäppchen erzielen.
Das Testfahrzeug zeigt sich optisch in einem guten Zustand. An der Front sind der Laufleistung entsprechend einige Steinschläge zu erkennen. Die leichten Kratzer an der Karosserie sind erst auf den zweiten Blick erkennbar. Etwas stärkere Gebrauchspuren weisen die Seitenwangen des Fahrersitzes und eine Kunststoffverkleidung im Einstiegsbereich auf. (Text und Bild: Armin Hoyer)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
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