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Erster Test Alfa Romeo Tonale PHEV Q4: Prinzip Hoffnung

Der Tonale gilt als Heilsbringer für die Italiener. Doch im ersten Test schwächelte der Mild-Hybrid. Kann der jetzt gefahrene 280 PS starke Plug-in Hybrid das Ruder rumreißen und aus dem gewöhnlichen Alltags-SUV doch noch einen emotionalen Alfa Romeo machen?


Der Alfa Romeo Tonale Plug-in Hybrid Q4 auf einen Blick


Pro

Stärken

  • Emotionales Design
  • Gutes und sicheres Handling
  • Wertige Verarbeitung
  • Modernes Infotainment
  • Moderater Benzinverbrauch
Contra

Schwächen

  • Teuer in der Anschaffung
  • Unharmonischer Antrieb
  • Rauer Vierzylinder
  • Langsame Automatik
  • Kein 100-prozentiger E-Modus

Alfa-Romeo-Plug-in-Hybrid-Front-Side

Die Zeit läuft

Um es kurz zu machen: Alfa Romeo bleibt innerhalb des Stellantis-Konzerns nicht mehr viel Zeit das Ruder, maßgeblich sind hier die überschaubaren Absatzzahlen gemeint, rumzureißen. Man will in der niederländischen Zentrale schließlich Erfolge sehen.

Nur mit welchen Autos soll das heute gelingen? Giulia und Stelvio stolpern von einem lebenserhaltenden Facelift zum nächsten, bekommen wohl erst ab 2025 je einen Nachfolger spendiert. Nächstes Jahr feiert das Cuore Sportivo derweil 100 Jahre Rennsport-Geschichte und stellt wahrscheinlich einen stark limitierten neuen Sportwagen vor. Man munkelt es könnte ein Maserati MC20-Klon werden. Andere behaupten es gibt die Freigabe für etwas Eigenes – dann aber nur mit dem bekannten 2,9-Liter-V6 der Quadrifoglio-Modelle. Und dann wäre da noch der hier erneut getestete Alfa Romeo Tonale. Als kleines SUV im stark wachsenden C-Segment der angebliche Heilsbringer für die Italiener, der auf einer bald 20 Jahre alten Fiat-GM-Plattform aufbaut.

Alfa-Romeo-Plug-in-Hybrid-Rear

2022 ist nicht 2019

Im Kampf um Dekarbonisierung, Margenerhalt und Prestigewahrung setzt Alfa auf ein Auto, das schon vor Jahren hätte fertig sein sollen und das während der Wirren des FCA-Verkaufs an die französische Groupe PSA einfach liegen gelassen wurde. Der Tonale wäre 2019 ein zeitgemäßes Auto gewesen. Heute, 2022, ist er vor allem durch die Machart seines Antrieb überholt. Wir hatten es im ersten Test der Mild-Hybrid-Variante im Mai schon intensiv beschrieben. Damals galt noch das Prinzip Hoffnung - auf den ebenfalls zu spät kommenden Plug-in Hybrid, beseelt mit mehr Antriebsfreude.

Doch nach den ersten Fahrten um und auf dem Stellantis-Testgelände im italienischen Balocco müssen wir resigniert feststellen: Auch dem 280 PS starken Allrad-PHEV (Kraftstoffverbrauch kombiniert, gewichtet: 1,48-1,13 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 34-26 g/km)² mit entsprechender Zusatzbezeichnung Q4 fehlt es spürbar an Leistung, Emotion und damit an Alfa-DNA. Was traurig ist. Denn trotz der alten SCCS-Basis (2005 bei Fiat eingeführt) ist die Fahrwerksabstimmung ziemlich gut gelungen, das Griplevel selbst auf feuchter Straße enorm und auch die direkte Lenkung macht ihre Sache einigermaßen gut, wirkt stellenweise nur etwas zu synthetisch.

Alfa-Romeo-Plug-in-Hybrid-Interieur

Der Tonale wäre ein tolles Elektroauto geworden

Wir gehen sogar so weit und meinen: Der Tonale wäre ein tolles Elektroauto geworden. Denn arbeitet die 90 kW/122 PS E-Maschine an der Hinterachse allein am Vortrieb, ist beinahe alles gut. Klar, auch ihr fehlt es an Power. Doch die lautlose Beschleunigung bis maximal 135 km/h gefällt, der Innenraum ist gut gedämmt und weder klappert und noch scheppert irgendwas.

Erst wenn sich der 132 kW/180 PS starke 1,3-Liter-Benziner, zeitweise unterstützt von einem elektrischen Startgergenerator, lauthals hinzugesellt, wird es im Alfa Tonale ungemütlich. Zusammen mit dem unsäglich langsam reagierenden Sechsgang-Wandlerautomaten entsteht ein unharmonischer Fahreindruck. Der tiefe Tritt aufs Gaspedal wird weiterhin mit einer Gedenksekunde quittiert, die subjektiv zwar geringer ausfällt als beim Mild-Hybrid, doch danach passiert halt für 280 PS viel zu wenig. Wenngleich das Motorenduo, sachte gefahren, für den Alltag gerade noch ausreichen könnte – für den namensgebenden Alpenpass oder gar die Alfa-Teststrecke ist das nicht genug.

Längsdynamisch sollte so kein Alfa Romeo unterwegs sein.

Alfa-Romeo-Plug-in-Hybrid-Dynamic

Querdynamischer Könner mit nervösem Warnblinker

Spätestens auf dem Rundkurs meldet sich auch die Bremse zu Wort. Ein etwas zu tiefer Druck aufs Brake-by-Wire-Bremspedal und die Warnblinker springen an. Die Verzögerungsleistung geht in Ordnung, der Pedalweg als solcher wirkt hingegen wenig natürlich. Dafür muss erneut gelobt werden wie gut das Fahrwerk abgestimmt ist, wie steif die Karosserie konstruiert wurde. Der Alfa Romeo Tonale lenkt in selbst enge Schikanen willig ein, behält noch grob überfahren die Contenance, um dann nach dem Kurvenscheitel einfach nicht vom Fleck zu kommen.

Was uns an dieser Stelle noch einmal zum elektrischen Antrieb führt. Es gibt keinen echten E-Modus, der Benziner schaltet sich gerade bei kalten Außentemperaturen selbst im energiesparenden „a.-Modus“ längere Zeit zu. Die elektrische Reichweite der 15,5-kWh-Batterie beträgt derweil realistische 50 bis 60 Kilometer - je nach Einsatzzweck. Ein kombinierter Verbrauch um sechs Liter auf 100 Kilometer geht auch im Mitbewerberumfeld noch in Ordnung, wäre technisch aber mittlerweile selbst ohne schwere und teure PHEV-Technik möglich gewesen. Geladen wird derweil mit 3, maximal aber mit 7,4 kW per AC-Wechselstrom.

Alfa-Romeo-Plug-in-Hybrid-Rearseats

Qualitativ gut, aber nichts für Großgewachsene

Im Innenraum gibt es keine Unterschiede zum bereits im Frühjahr getesteten Mild-Hybrid zu vermelden. Die Qualität ist gut, die Sitzposition vorne ist für größer gewachsene zu hoch, genauso wie für Nordeuropäer die Platzverhältnisse insgesamt überschaubar und damit überschaubarer als bei der Konkurrenz aus München, Stuttgart und Wolfsburg ausfallen. Im Beifahrer-Fußraum fehlt es zudem an Bewegungsraum für die Füße.

Alfa-Romeo-Plug-in-Hybrid-Rear-Dynamic

Erstes Fazit

Beim Alfa Romeo Tonale regiert weiterhin das Prinzip Hoffnung. Diesmal hoffen wir als letzte Alternative* auf den viel gescholtenen Diesel, der mit konstant mehr Drehmoment vielleicht endlich ein souveränes Fahren ermöglicht. Ein Test dazu folgt Anfang 2023. Plug-in Hybrid und Mild-Hybrid bekommen von uns für halbwegs ambitionierte Alfisti hingegen keine Empfehlung. Schade. Denn in Sachen Querdynamik hätte der Tonale weiterhin das Zeug in bester Markentradition ein echter Alfa Romeo zu sein.

*Den Tonale-Abklatsch Dodge Hornet gibt es (zum Unmut von Alfa Romeo) in den USA übrigens mit einem 268 PS starken 2,0-Liter-Vierzylinder samt 9-Gang-Automatik und Allrad zu bestellen (Fahrzeug steht nicht zum Verkauf, Homologation ausstehend)². Und zwar ganz ohne Elektrifizierung. Vielleicht ist das noch eine Exit-Strategie für die Italiener, falls es in Europa mit den kleinen Motoren nicht so klappt, wie erhofft. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)

Technische Daten*

  • Modell: Alfa Romeo Tonale Plug-in Hybrid Q4
  • Motor: Vierzylinder-Benziner, 1.332 ccm + E-Motor
  • Systemleistung: 280 PS (206 kW)
  • Drehmoment Verbrenner: 240 Nm
  • Antrieb: elektrischer Allrad, 6-Gang-Automatik
  • Verbrauch kombiniert, gewichtet: 1,48-1,13 l/100 km²
  • CO2-Emissionen kombiniert: 34-26 g/km²
  • Elektrische Reichweite: bis zu 69-82 km²
  • Beschleunigung (0–100 km/h): 6,2 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 206 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,53 m/1,84 m/1,60 m
  • Gewicht: ca. 1.835 kg
  • Grundpreis Alfa Romeo Tonale PHEV: ab 49.500 Euro

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