Stark Varg EX (2026) im Test: Elektrische Enduro-Supermacht

Stark Varg EX (2026) auf einen Blick
Was uns gefällt
Beeindruckende Offroad-Performance im stylischen Gewand.
Was wir vermissen
Mehr Reichweite für längere Touren.
Ideal wenn …
… man sein Offroad-Bike auch auf öffentlichen Straßen nutzen möchte.
Die Alternativen
KTM Freeride E und Sur-Ron Ultra Bee (beide mit deutlich geringerer Leistung)
Stärken
- Edles Design
- Kraftvoller, leiser Antrieb
- Hochwertige Komponenten
Schwächen
- Mäßige Reichweite
- Kratzempfindliche Kunststoffteile
- Eingeschränkte Straßeneignung
Reinrassiges Offroad-Bike mit Straßenzulassung
Die Stark Varg EX ist mit ihren langen Federwegen, der schlanken Bauweise und den grobstolligen Reifen auf den ersten Blick als Offroad-Bike erkennbar. Die erforderlichen Anpassungen für die Straßenzulassung sind sehr gut gelungen. Der lichtstarke LED-Scheinwerfer und die vorderen Blinker sind bündig in die Lichtmaske integriert. Hinten übernehmen die zwei kleinen LED-Blinker auch die Funktion des Rück- und Bremslichts.
Die Stark Varg EX verfügt über eine Straßenzulassung und kann mit dem A1-Führerschein ab 16 Jahren oder dem B-Führerschein mit Code B111 (in Deutschland mit B196-Erweiterung) gefahren werden. Das Gleiche gilt für die Supermoto-Version „SM“. Als dritte Variante wird die Stark Varg als reine Motocross-Maschine „MX 1.2“ für die Nutzung abseits öffentlicher Straßen angeboten. Alle drei Versionen sind in den Farben Weiß, Grau und Rot erhältlich.
Bildergalerie: Stark Varg EX (2026)

Antrieb und Fahrwerk auf Wettkampfniveau
Die vollelektrische Stark Varg EX wird von einem neun Kilogramm leichten Permanentmagnet-Synchronmotor mit wassergekühltem Aluminiumgehäuse angetrieben. Die maximale Leistung beträgt 59 kW (80 PS). Es stehen fünf unterschiedliche Fahrmodi zur Verfügung, bei denen die Motorleistung stufenlos zwischen zehn und 80 PS sowie die Motorbremswirkung und damit die Rekuperation zwischen null und 100 Prozent variiert werden können. Der Fahrmodus kann während der Fahrt jederzeit über die linke Bedieneinheit umgeschaltet werden.
Bei der Stark Varg EX kommen ausschließlich hochwertige Komponenten zum Einsatz. KYB liefert die voll einstellbare 48-mm-Closed-Cartridge-Gabel mit 300 Millimetern Federweg und den dreifach verstellbaren Stoßdämpfer mit identischem Federweg. Die Reifendimensionen betragen vorne 90/90-21 und hinten 140/80-18. Verzögert wird mit Brembo-Bremsen ohne ABS. Vorne kommt ein 2-Kolben-Bremssattel mit 260-mm-Scheibe, hinten ein 1-Kolben-Bremssattel mit 220-mm-Scheibe zum Einsatz. Die Sitzposition entspricht ganz der einer klassischen Sportenduro. Die äußerst hohe Sitzposition von 966 Millimetern wird dank der schmalen Sitzbank etwas relativiert, sodass auch mit einer Körpergröße von 178 Zentimetern ein sicherer Stand möglich ist.
Zuhause abseits befestigter Straßen
Runter von der Straße und rein ins Gelände – das ist die Welt der Stark Varg EX. Auf Schotterwegen mit zum Teil großen Steinen schiebt die 120 Kilogramm leichte Enduro mit hervorragendem Grip mächtig an – nur begleitet vom Surren des Elektromotors. Während des Tests stellt sich auf diesem Untergrund eine Maximalleistung von 60 PS als ideal heraus. Damit bleibt die Power auch bei richtigem Andrücken gut dosierbar und beherrschbar. Kontrollierte Powerslides aus Kurven heraus erfolgen sanft und vorhersehbar. Mit 80 PS ist die Kraftentfaltung derart brachial, dass sie für unseren Geschmack etwas zu unberechenbar wird. Neben den fünf Fahrmodi steht eine Schiebehilfe vorwärts und rückwärts zur Verfügung, die sich im unwegsamen Gelände als durchaus nützlich erweist.
Die Bremsen lassen sich auf losem Untergrund auch bergab sehr gut dosieren. Es reicht zumeist vollkommen, die Vorderradbremse mit einem Finger zu bedienen, um ausreichend Verzögerung zu erzielen. Je nach Einstellung wird man dabei von der Motorbremse zusätzlich unterstützt. Der am Testbike montierte Michelin Enduro Medium 2 mit X-Grip Mousse bietet auch bergab optimalen Halt und rutscht selbst in Schräglage kaum. Die selten benötigte Hinterradbremse ist serienmäßig mit dem linken Lenkerhebel zu bedienen, kann gegen Aufpreis aber auch als Fußbremse nach unten verlegt werden.
Straßenbetrieb mit Kompromissen
Als straßenzugelassene Enduro ist die Stark Varg EX im Alltag auf öffentlichen Straßen einsetzbar. Der Geradeauslauf und die Richtungsstabilität sind auch bei höheren Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h vollauf gegeben. Der geländeorientierte Michelin Enduro Medium 2 ist für den Straßeneinsatz aber nur sehr bedingt geeignet. Ab 60 km/h wird die Fahrt zur holprigen Angelegenheit, die auf Dauer nicht zu empfehlen ist. Wer öfter auf der Straße fahren möchte, sollte beim Kauf besser den Pirelli MT 21 Rallycross mit Schlauch auswählen.
Ist die maximale Leistung im Bereich von 60 bis 80 PS eingestellt, ist Vorsicht beim Beschleunigen geboten. Will man bei vollem Abrufen der Leistung das Vorderrad am Boden halten, ist eine Gewichtsverlagerung weit nach vorne unbedingt erforderlich. Bei stärkerem Herausbeschleunigen aus Kurven sind Powerslides vorprogrammiert. Eine kurze Tour auf der Straße kann durchaus Spaß machen, viel mehr ist aufgrund der gebotenen Reichweite ohnehin nicht möglich. Aber dazu später.
Ein Smartphone als Display
Als Display und zentrale Bedieneinheit kommt bei der Stark Varg EX ein wasserdichtes Android-Smartphone mit Varg-App zum Einsatz, das in die Halterung eingeklinkt wird und sich automatisch mit dem Bike verbindet. Neben der Anzeige aller wichtigen Fahrparameter dient es zur Turn-by-Turn-Navigation und Aufzeichnung der gefahrenen Strecken. Weiters bietet es umfangreiche Möglichkeiten zur Leistungsanpassung. Neben der flexiblen Einstellung der Maximalleistung und der Motorbremswirkung ist es auch möglich, die drehzahlabhängige Leistungskurve und Rekuperation anhand einer aus zehn einzelnen Punkten bestehenden Kurve individuell einzustellen. So findet man für den jeweiligen Einsatzzweck stets das optimale Setup.
Nach 80 Kilometern ist Schluss
Bei moderater Fahrweise mit 40 PS Leistung beträgt die realistische Reichweite der Stark Varg EX auf der Landstraße rund 80 Kilometer. Dabei kann bis zu 100 km/h schnell gefahren werden. Bei einer Fahrt auf eine Alm mit rund 1.600 Höhenmetern und 50 Prozent Schotteranteil (Rest Asphalt) bleibt der Aktionsradius annähernd gleich. Während einer zweiwöchigen Standzeit entlädt sich der Akku des Testmotorrads ohne Inbetriebnahme erstaunlicherweise von 46 auf 21 Prozent SoC.
Das Ladegerät ist in einen Motorradständer integriert, auf dem das Bike abgestellt werden kann. Der Akku verfügt über ein Magnesiumgehäuse mit Wabenstruktur und eine Kapazität von 7,2 kWh. Im Test dauert das Laden von 15 auf 100 Prozent an einer Haushaltssteckdose mit einer maximalen Ladeleistung von 3 kW exakt 1:58 Stunden. Für unterwegs ist optional ein 2,2 Kilogramm leichtes, tragbares Ladegerät verfügbar. Mit dem angebotenen Schnellladegerät kann eine komplette Ladung mit bis zu 7,4 kW Ladeleistung in einer Stunde durchgeführt werden.
Verfügbarkeit und Preise
Die Stark Varg EX kann online auf der Webseite von Stark Future konfiguriert und bestellt oder direkt über einen Händler bezogen werden. Im Falle der Online-Bestellung erhält man das Motorrad in einem großen Versandkarton inklusive Werkzeug für die Montage. Sich für diesen Weg zu entscheiden, ist nur dann zu empfehlen, wenn man über technisches Verständnis und praktische Erfahrung verfügt. Alle anderen sollten unbedingt einen Händler aufsuchen und ihr Wunschmotorrad fachkundig zusammenbauen lassen.
Die Stark Varg EX mit 60 PS Maximalleistung startet in Österreich und Deutschland bei 13.090 Euro. Für 1.000 Euro mehr gibt es die 80-PS-Variante Alpha. Die am Testbike montierten Michelin Enduro Medium 2 mit X-Grip Mousse kosten 290 Euro extra, der vordere Bremsscheibenschutz weitere 100 Euro. Will man die Turn-by-Turn-Navigation und alle Einstellungsmöglichkeiten der Leistungsmodi (10-Punkte-Kurve) nutzen, benötigt man ein Pro-Abo für 12,99 Euro im Monat. Die Kunststoffteile erwiesen sich im Test als ziemlich kratzempfindlich, ein komplettes Set kann jedoch für 179 Euro geordert werden.
Fazit 8,0/10
Auch wenn die Stark Varg EX ihre Stärken nur abseits befestigter Straßen voll ausspielen kann, ist sie für gelegentliche Fahrten auf der Straße durchaus geeignet – und sei es auch nur für die Verbindung zwischen zwei Offroad-Etappen. Wie es mit den 80 Elektro-PS zur Sache geht, ist nur schwer zu beschreiben – „einfach brutal“ trifft es vielleicht am besten. Dank der umfangreichen Einstellmöglichkeiten kann die brachiale Leistung jedoch je nach Bedarf gezähmt werden. Wie bei allen Elektromotorrädern ist die Reichweite das größte Manko. Für sportliche Einsätze ist die Stark Varg EX deshalb bestens geeignet, für längere Touren hingegen eher nicht. (Text und Bild: Armin Hoyer)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.

