Sportwagen mit Rucksack: Der Porsche Panamera GTS Sport Turismo im Test

Allradgetriebene Sportlimousinen mit Kombirucksack sind hierzulande beliebt. Meist sind sie auf der Geraden aber besser dran als in der Kurve. Der Porsche Panamera GTS Sport Turismo verfolgt hier einen anderen Ansatz und sieht sich selbst einer sportlichen Tradition verpflichtet.

S GO 3809, oder auch der Wüstenprinz genannt, ist heimgekehrt. Er war eines der ersten Pressefahrzeuge, das schon während der Fahrpräsentation im Königreich Bahrain unter Beweis stellen musste, welche Qualitäten so ein Porsche Panamera GTS der zweiten Generation zu bieten hat. Erstmals gibt es ihn nun auch als schicken Sport Turismo zu erwerben und es schien in der ein oder anderen TV Produktion zu diesem Auto, dass auch Rallye Legende Walter Röhrl höchstselbst dem flotten Sportkombi allerhand abgewinnen konnte. Nach rund einer Woche mit dem mambagrünen Turismo geben wir Walter bedingt Recht, der einst aussagte: Leistung fehlt halt!

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Panamera GTS erstmals als Sport Turismo

Huch! 460 PS aus vier Liter Hubraum und acht Zylindern reichen unsereins nicht aus? So ganz wollen wir das nicht stehen lassen; aber die Power, sie liegt gerade noch im richtigen Maße an und wäre nicht das satte Drehmoment von 620 Newtonmeter, wir würden in gewissen (Kurven-)Situationen laut nach ein paar mehr Lipizzanern rufen. Aber so ist das nun einmal mit der schreibenden Zunft: Nie genug, immer mehr und ewig was zu meckern. Dabei steht die GTS-Familie bei Porsche naturgemäß nicht für brachiale Leistung, sondern für eine Komposition aus fein austarierten Bauteilen. Jene, die in sich greifen, harmonieren und eine echte Spreizung zwischen Komfort und Sport ermöglichen.

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Brachial in der Kurve

Um dies zu leisten verfügt der Panamera GTS Sport Turismo serienmäßig über ein adaptives Luftfahrwerk, welches sich unbedingt durch das optionale Porsche Dynamic Chassis Control Sport (PDCC Sport) samt Torque Vectoring (PTV Plus) erweitern lässt. Unbedingt meinen wir dabei ernsthaft, waren wir doch sehr überrascht, wie sehr sich der Panamera durch die 48-Volt-Wankstabilisierung in den zerfurchten Asphalt enger Passstraßen krallen kann. Die in zwei Stufen erhärtenden Dämpfer stemmen sich im Sport Plus Modus vehement gegen die kurvenäußeren Fliehkräfte, die zielgenaue elektromechanische Lenkung (unter Zuhilfenahme einer optional mitlenkenden Hinterachse) benötigt beinahe einen Waffenschein und der 4,0-Liter-BiTurbo-V8: er macht in seiner perfekten Gesamtabstimmung plötzlich vollends Sinn!

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4,1 Sekunden auf 100, Topspeed 289 km/h!

Walter hin, unsere verqueren Leistungsansichten her: Du brauchst nicht zwingend 550 oder 680 Turbo-Pferde, wenn du 460 GTS Rösser mittels des feudalen und blitzschnell schaltenden 8-Gang-PDKs im Bug gezähmt bekommst. Vor der Tangente später bremsen, am Scheitelpunkt später einlenken und noch innerhalb Kurve früher Gas geben: der GTS Sport Turismo macht seinem Namen alle Ehre! Wir müssen an dieser Stelle auch erwähnen, dass der Panamera mit samt des Fahrers grazilem Leib rund 2.100 Kilo auf die Waage bringt. Auf dem Fahrersitz ist davon herzlich wenig zu vernehmen, nur der Beifahrer bemerkt: Im miamiblauen Cayman GTS ging das vor einiger Zeit flotter!

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Sport Turismo mit großem Kofferraum

Freilich, wäre schlimm wenn nicht und dabei wurde verkannt, dass hinten ebenfalls zwei Grazien Platz nehmen können, die derlei sogar noch Raum für ihre Reiseutensilien finden. Der Kofferraum, er ist mit 520 Liter ein wenig größer als im Fließheck, bei umgelegter Sitzanlage mit maximal 1.390 Liter aber durchwegs flexibler in der Nutzung. Sind diese Angaben bei einem Porsche wichtig? Ja, sind sie! Denn der Panamera GTS Sport Turismo ist wie gemacht für die lange Strecke. Rollt bei Bedarf geschmeidig ab und hält dank der optionalen Doppelverglasung auch die unliebsame Umwelt von einem fern.

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Dezenter Motorklang

Beim Motorklang haben es die Herren Ingenieure dann aber dennoch zu gut gemeint, mit der Geräuschabsorption. Knall, Peng, Plotz! Nicht beim Panamera GTS mitsamt seiner ab Werk montierten Sportabgasanlage. Es ist eher ein kerniges Räuspern mit einem dezenten Ploppen, das hier und da aus den vier Endrohren entfleucht. Doch bleibt die fehlende Klangfarbe eine eher kleine Krittelei, würde zu viel Lärm auf Dauer wohl nur nerven. Denn wer sich am Gaspedal zurückhält, der kann durchaus eine ganze Weile im Sport Turismo verbringen. So ist ein WLTP-Verbrauch, dank vermehrter Segeleinlagen des Antriebsstrangs, von gut und gerne zehn Liter durchaus möglich zu erreichen. Unterm Strich haben wir allerdings ehrliche 12 Liter erfahren, die gemessen am Gebotenen mehr als in Ordnung gehen. Ebenfalls für die große Reise gedacht: Ein Kraftstofftank der im Bestfall mit satten 90 Liter befüllt werden kann.

Porsche-Panamera-GTS-Sport-Turismo-cockpit

Reichhaltiger Innenraum

Mit Blick auf die inneren Werte unseres Testwagens gleich die Entwarnung: Ja, es gibt andere Farben als schwarz, gemischt mit schwarz und silbernen Akzenten. Im Detail kann sich der Panamera Interessent wirklich lange mit dem Konfigurator beschäftigen und selbst recht gewagte Farbkombinationen sind ab Werk möglich. Es steht natürlich auch ein Lenkrad mit Lederbezug zur Verfügung, dessen Einbau wir wohl dem Alcantara-Handteil aus haptischen Gründen vorziehen würden. Die Ergonomie im Panamera ist dabei ohne Fehl und nur mit wenig Tadel. Alle Anzeigen sind gut ablesbar, das Porsche Communication System ist mit etwas Eingewöhnung flugs zu bedienen, nur: ob es sein musste, dass die mittlere Lüftungsdüse ausschließlich per Touchscreen zu bedienen ist?

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Platz für vier Personen

Es ist wohl jener Tribut, den man heute zollen muss, will man ein modernes Cockpit entwerfen. Dagegen gefällt uns gut, wie sie es bei Porsche mit den verbliebenen Knöpfen und den Sensortasten gelöst haben. Man möge der Mittelkonsole vorwerfen, sie sei ein wenig überladen – doch hat alles seine Berechtigung. Die Dame im Navigationssystem könnte derweil etwas mehr hochdeutsch verstehen und das Ablagefach in der Mittelkonsole ist von eher bescheidener Fülltiefe. Dagegen harmonieren die reichlich vorhandenen Assistenzsysteme sehr gut mit dem Fahrer, lassen sich im Bedarfsfall aber zur Gänze deaktivieren. Teilautomatisch chauffieren will man sich im Panamera GTS ohnehin nicht lassen, bereitet das selbstbestimmte Fahren in diesem Wagen dafür einfach viel zu viel Fahrfreud´!

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Fazit

Der Porsche Panamera GTS Sport Turismo ist eine waschechte Sportlimousine, die gerade in einer grellen Farbe lackiert dick aufträgt, aber durchwegs hält, was der erste Auftritt verspricht. Trotz seines Gewichts, trotz seiner Abmessungen: Porsche hat es geschafft, sehr viel Neunelfer-DNA in einen gut nutzbaren Kombinationskraftwagen zu transferieren. Das alles hat freilich seinen Preis und so kostet unser Testwagen am Ende auch augentränende 178.839,95 Euro! (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

Technische Daten*:

  • Modell: Porsche Panamera GTS Sport Turismo
  • Motor: Achtzylinder-Motor, 3.996 ccm
  • Leistung: 460 PS (340 kW)
  • Drehmoment: 620 Nm
  • Antrieb: Allradantrieb, 8-Gang-Porsche PDK
  • Verbrauch: 10,6 l Super/100 Kilometer
  • Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 4,1 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 289 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 5,05 m/1,94 m/1,43 m
  • Gewicht: ca. 2.170 Kg
  • Grundpreis: 141.349 Euro (Deutschland)

*Herstellerangaben

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