Gebrauchtwagentest: Mini Countryman – Kleiner Dickling

Und auch der TÜV ist in der Regel zufrieden. Karosserie und Innenraum
Für einen Mini ist der fünftürige Countryman extrem geräumig. Für ein SUV eher eng geschnitten. Vier Erwachsene haben in dem 4,10-Meter-SUV aber bequem Platz, auch dank der guten Sitze und der verschiebbaren Fondbank. Der Gepäckraum bietet mit 350 Litern unteres Golf-Klasseformat, auch die Maximalgröße bei umgeklappter Rückbank (1170 Liter) ist allenfalls durchschnittlich. Der Premiumanspruch der Marke wird vom Innenraum nur bedingt erfüllt; der gibt sich zwar verspielt und originell, Materialien und Verarbeitung können jedoch ebenso wenig voll überzeugen wie die etwas umständliche Bedienung. Neben dem Fünftürer gibt es seit 2013 auch einen technisch weitgehend identischen Dreitürer namens Paceman, der äußerlich schicker, im Fond aber etwas enger ist.
Motoren
Wie in der dreitürigen Limousine stammen die Benziner des Countryman aus BMWs Kooperation mit dem französischen PSA-Konzern (Peugeot und Citroen). Das 1,6 Liter große Grundtriebwerk gibt es in Sauger- und Turbovarianten in vier Leistungsstufen. Die schlechteste Wahl ist dabei die schwächliche Basisausführung mit 98 PS (One), Fahrspaß gibt es erst in der nächsten Stufe mit 120 PS (Cooper). Richtig lustig wird es noch eine Stufe höher mit 184 PS (Cooper S). Wem es nicht zu sportlich sein kann, wählt das John Cooper Works (JCW) Modell mit 218 PS. Die drei verfügbaren Diesel haben ebenfalls 1,6 Liter Hubraum, stammen aber von BMW selbst. Hier reicht aufgrund des fülligen Drehmoments bereits das Basistriebwerk mit 90 PS (One D) für einfache Ansprüche aus. Allrounder ist die 112 PS (Cooper D) starke Variante, wahrer Luxus der Top-Diesel mit 143 PS (Cooper SD). Serienmäßig treiben die Vierzylinder die Vorderräder an, gegen Aufpreis gibt es für die stärkeren Varianten Allradantrieb. Serienmäßig ist dieser nur beim JCW-Topmodell an Bord. Für die Kraftübertragung sorgt immer ein manuelles Sechsganggetriebe, bis auf den Basis-Diesel können alle Motoren alternativ mit einer Sechsgang-Automatik kombiniert werden.
Ausstattung und Sicherheit
Ab Werk bekommen alle Countryman-Modelle das gleiche mit. Dazu zählen Klimaanlage, CD-Radio, sechs Airbags und Start-Stopp-System (außer Mini One). Je nach Motorisierung gibt es dann noch ein paar Design-Extras wie spezielle Felgen dazu, der Cooper S wartet außerdem mit Sportsitzen auf. Wie bei allen Modellen der Marke ist die Optionsliste lang, bietet aber dafür Feinkost, die bei anderen zeitgenössischen Mini-SUV nicht zu bekommen ist. Dazu zählen Xenon-Scheinwerfer, Teillederpolster und Design-Aufwertungen ohne Ende. Assistenzsysteme der neuesten Generation gibt es nicht, dafür sorgen fünf Sterne beim EuroNCAP-Crashtest für ein gutes Sicherheitsgefühl.
Qualität
Der Countryman teilt nicht nur Teile der Technik und die Retro-Optik mit dem normalen Mini, sondern auch seine technischen Probleme. Vor allem der notorische Ölverlust am Antrieb ist durch das Größenwachstum nicht behoben worden. Der TÜV vergibt hier bereits bei der ersten HU überdurchschnittlich häufig eine Rüge. Interessenten sollten sich daher nicht nur Motor und Unterboden anschauen, sondern auch einen Blick auf den Stellplatzboden und eventuelle Ölflecke werfen. Im statistischen Mittelfeld liegt die Mängelquote bei Auspuff und Abgasanlage, in allen anderen Bereichen schneidet der in Österreich bei Magna Steyr gebaute Mini-Crossover besser ab als der Durchschnitt. Nicht HU-relevant, aber ebenfalls ein Problem: Der anfällige Turbo, der zweimal zu einem Rückruf führte. Der Vorbesitzer sollte die Reparatur belegen können, ansonsten drohen schwere Motorschäden. Weiterer Schwachpunkt ist die Kupplung, die schnell verraucht. Im Zweifel kauft man daher von einem Fahrer mit sensiblen Füßen und angemessenem Fahrstil. Der Countryman ist das richtige Auto für Mini-Fans mit erhöhtem Platzbedarf. Weil schon beim Neuwagen Image und Marke mitbezahlt werden mussten, ist auch ein Gebrauchter in Relation zum objektiv Gebotenen recht teuer. Reine Nutzwertkäufer sehen sich besser nach einem Opel Mokka oder Peugeot 2008 um. Alle anderen sollten mindestens 13.000 Euro im Budget haben. (sp-x)
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