Kia EV5 (2026) im Test: Wie stark ist der ID.4-Konkurrent?

Der Kia EV5 auf einen Blick
Was wir mögen
Dass ein neues Auto mit so wenig Drama auskommt.
Was wir vermissen
Die Konkurrenz auf Augenhöhe.
Ideal, wenn …
… man ein neues Familienmitglied sucht.
Die Alternativen
Eher noch der Skoda Enyaq, vielleicht das Tesla Model Y.
Großer Akku, bis zu 530 Kilometer Reichweite
Vor wenigen Tagen präsentierte Kia auf der Brüsseler Motor Show den neuen EV2 – möglicherweise einer der ganz großen Stars im bald hart umkämpften Elektro-SUV-B-Segment. Ebenfalls auf der Messe stand das Kompakt-SUV EV5, das wir wenige Tage später ausgiebig auf spanischen Straßen testen durften. Der elektrische Bruder des Kia Sportage wirkt bereits auf den ersten Blick vertraut, was auch daran liegen mag, dass die Südkoreaner ihre neue Designlinie mittlerweile auf alle neuen Modelle ausgerollt haben. Auch durch seine Länge von 4,61 Metern wildert er besonders im Revier von VW ID.4 und Skoda Enyaq.
Mit einem Basispreis von 45.990 Euro ist er zwar etwas teurer als die Marktbegleiter aus dem VW-Konzern, bietet dafür aber eine deutlich bessere Serienausstattung. Ein Plastiklenkrad und fehlende Fußmatten traut man sich bei Kia etwa nicht. Schon beim Probesitzen wird klar, dass man hier – ähnlich wie beim PV5 – an einem gänzlich runden Produkt gearbeitet hat. Bereits die Basisversion „Air“ liefert das volle Infotainment-Angebot, eine Zweizonen-Klimaautomatik, reichlich Assistenten und einen digitalen Schlüssel. Der 81,4-kWh-Akku soll laut WLTP für gut 530 Kilometer reichen.
Familientaugliche Ausstattung mit Massageoption
Getestet haben wir zunächst die 160 kW / 218 PS sowie maximal 295 Nm starke Fronantriebsvariante, während ebenfalls in Brüssel bereits die leistungsstarke GT-Variante mit Allradantrieb vorgestellt wurde. Doch schon die normale E-Maschine sorgt für einen soliden Vortrieb und drückt den Zweitonner in etwa 8,4 Sekunden von null auf 100 km/h. Abgeregelt wird bereits bei 165 km/h – wer mehr Action auf der linken Autobahnspur will, muss auf den Kia EV5 GT warten.
Allerdings passt die reduzierte Höchstgeschwindigkeit bestens zum Wesen des EV5, der primär darauf optimiert wurde, seinen Insassen ein gemütliches und sicheres Fortbewegungsmittel zu sein. Nicht nur der Einstieg gelingt spielend, auch zahlreiche Verstaufächer (inklusive des ausziehbaren Krimskramsfachs für die zweite Reihe) lassen Familienherzen höherschlagen. Dass man nicht in einem Sportwagen sitzt, merkt man auch an den (optional mit Klima- und Massagefunktion erhältlichen) Sitzen: Selbst für Fahrer jenseits der 1,90 Meter gut einstellbar, angenehm konturiert, aber eben ohne erwähnenswerten Seitenhalt.
Große Displays und viel Platz
Viel Wert legt Kia mittlerweile auch auf das Infotainment-Paket. Insgesamt beträgt die Bildschirmfläche, die neben dem Fahrer- und Mitteldisplay auch eines für die Klimabedienung umfasst, über 31 Zoll. Die Anzeigen sind gestochen scharf, die Bedienung gelingt grundsätzlich ohne Probleme. Das optionale Head-up Display sorgt derweil dafür, dass wichtige Fahrinformationen direkt im Sichtbereich des Fahrers angezeigt werden. Positiv erwähnenswert: echte Tasten für die Klimaanlage und auf dem Lenkrad. Negativ erwähnenswert: Die Schnellwahltasten unter dem Display sind nur noch sensorgesteuert. Wer nicht herumfingern möchte, kann im ersten Jahr nach dem Erwerb einen kostenlosen KI-gesteuerten Sprachassistenten nutzen – danach wird der Service kostenpflichtig.
Hinterbänkler gehen ebenfalls nicht leer aus: Die Lehnenneigung hinten ist serienmäßig, ausstattungsabhängig gibt es zudem Sitzheizung und eine dritte Klimazone. Der Kofferraum fasst indes 566 Liter bei aufgestellter sowie bis zu 1.650 Liter bei umgelegter Rückbank. In den Frunk passen zusätzlich bis zu 44,4 Liter. Besonderen Wert legte man bei der Präsentation des EV5 darauf, zu betonen, dass bei umgelegter Rückbank eine etwa zwei Meter lange Liegefläche entsteht, die auch übernachtungstauglich sein soll. Um die eigene Ordnungsliebe zu fördern, wird das neue Kia-Add-Gear-System angeboten, das mit seinen Erweiterungen an das YouClip-System von Dacia erinnert. Die Anhängelast beträgt bis zu 1.200 Kilogramm.
Fahreindruck, Verbrauch und Ladeleistung
Hatten wir erwähnt, dass der Kia EV5 der neue Freund jeder elektroaffinen Familie werden könnte? Mit Blick auf den Innenraum auf jeden Fall. Doch auch beim eigentlichen Fahren liefert der Kia eine solide Vorstellung ab. Proll-Attitüden sind ihm fremd, die 218 Elektro-PS dienen der souveränen Fortbewegung, und auch die Feder-Dämpfer-Abstimmung wirkt gelungen. Selbst über noch so schlechte spanische Straßen wird gediegen abgerollt, Wank- und Nickbewegungen halten sich in Grenzen. Die Lenkung ist auf den Stadtverkehr optimiert – leichtgängig und ausreichend präzise.
Verschiedene Rekuperationseinstellungen sollen das mechanische Bremsen beinahe obsolet machen, dafür stehen mehrere Stufen bis hin zum One-Pedal-Driving zur Verfügung. In Sachen Verbrauch gehen wir nach unserer kurzen Testfahrt von etwa 18 bis 20 kWh auf 100 Kilometer aus – je nach Fahrweise. Geht es dann doch einmal ans Laden, schafft der Kia EV5 eine maximale Ladeleistung von etwa 150 Kilowatt. Das ist leider nur Durchschnitt und der 400-Volt-E-GMP-Plattform geschuldet. Die Ladezeit von zehn auf 80 Prozent gibt der Hersteller mit rund 30 Minuten an. Anders als der PV5 verzichtet der EV5 zudem auf die Möglichkeit, an AC-Säulen mit bis zu 22 kW zu laden – hier sind maximal 11 kW möglich. Dafür können andere Geräte mittels V2L mit Strom versorgt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen zudem die Vehicle-to-Home- und Vehicle-to-Grid-Funktionen freigeschaltet werden.
Erstes Fazit
Der Kia EV5 ist ein Elektro-SUV, das vor allem dem Hausverstand gefallen dürfte. Er ist nicht nur rational im Design, sondern auch in seiner Alltagstauglichkeit. Verspielt ist an diesem Auto nichts – und das ist auch gut so. Alles erfüllt seinen Zweck, insbesondere die Familie mit Kind und Kegel gemütlich und sicher von A nach B zu bringen. Das Platzangebot ist großzügig, die digitalen Möglichkeiten sind auf der Höhe der Zeit, und durch die gute Serienausstattung kann man sich sogar trauen, zur Basisvariante zu greifen. Der einzig wirkliche Haken ist die vergleichsweise niedrige DC-Ladeleistung. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)
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