Kia EV4 Hatchback (2026): Guter Kumpel für jeden Tag

Der Kia EV4 Hatchback (2026) auf einen Blick:
Was uns gefällt:
Die unkomplizierte Handhabung im Alltag.
Was wir vermissen:
Ein Frunk wäre eine feine Sache.
Ideal, wenn ...
… man auch im Winter eine praxistaugliche Reichweite sucht.
Die Alternativen
VW ID.3, Opel Astra Electric, Renault Mégane, Peugeot e-308
Stärken
- Großzügiges Platzangebot
- Komfortables Fahrverhalten
- Hohe Winterreichweite
Schwächen
- Geringe DC-Ladeleistung
- Assistenzsysteme teilweise nervig
- Schwer einsehbare Lenkstockhebel
Hinweis zum Testfahrzeug
Das Testfahrzeug wurde von Kia Austria zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen ist eine 100-%-Tochter von Kia Europe und als offizieller Importeur der Marke in Österreich tätig.
Klare Kante mit Charakter
Speziell in der Farbe Weiß erinnert uns die futuristische Front des Kia EV4 ein wenig an die Sturmtruppen aus dem Film „Krieg der Sterne“. Die Motorhaube ist dank ihres markanten Knicks tief nach unten gezogen und wird außen von senkrecht stehenden Leuchteneinheiten mit Voll-LED-Scheinwerfern eingerahmt. In der getesteten Top-Ausstattung GT-Line verstärken spezielle Stoßfänger, schwarze Details und 19-Zoll-Räder den sportlichen Auftritt.
In der Seitenansicht streckt der lange Radstand die Proportionen sichtbar. Die aufrecht stehende C-Säule setzt einen bewussten Kontrapunkt zur flach abfallenden Heckscheibe. Am Heck greifen die klar gezeichneten Leuchten die vertikale Frontgrafik wieder auf. Insgesamt steht der Kia EV4 satt auf der Straße, betont niedrig, wie es sich für einen Vertreter der Kompaktklasse gehört.
Unaufgeregt souverän unterwegs
Ist nach dem Deaktivieren diverser Fahrassistenten erst einmal Ruhe im Fahrzeuginneren eingekehrt, zeigt der Kia EV4 seinen eigentlichen Charakter. Das Fahrwerk ist eindeutig in Richtung Komfort abgestimmt. Fahrbahnunebenheiten und Querfugen filtert der Kompakte gelassen heraus. In schnelleren Kurven würden wir uns jedoch etwas mehr Straffheit wünschen. Für allzu sportliche Ambitionen ist der Kia EV4 aber ohnehin nicht ausgelegt.
Dazu passt auch der ausgewogene Antrieb: Mit einer Leistung von 150 kW / 204 PS lädt der Fronttriebler zum komfortablen Dahingleiten ein, ohne dabei eine gewisse Dynamik vermissen zu lassen. In 7,7 Sekunden ist aus dem Stand Tempo 100 erreicht – damit ist der Kia EV4 jeder Alltagssituation gewachsen. Die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h bleibt in Österreich eher ein theoretischer Wert.
Viel Platz für einen Kompakten
Der Innenraum der getesteten GT-Line präsentiert sich in einer erfrischenden Zweifarb-Kombination aus Schwarz und Hellgrau. Das passt gut zum durchwegs modernen Erscheinungsbild des Kia EV4 und zieht sich stimmig durch das gesamte Interieur bis hin zu den komfortablen Sitzen. Die horizontale Displaylandschaft fügt sich harmonisch in das Armaturenbrett ein. Sie besteht aus zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen und einem dazwischen liegenden 5,3-Zoll-Touchfeld für die Klimasteuerung. Darunter befindet sich dezent integriert eine Leiste mit Tasten zur direkten Ansteuerung von Menüpunkten des Infotainment-Systems – schaut gut aus und funktioniert auch so.
Die Tasten und Drehregler am Lenkrad haben alle einen eindeutigen Druckpunkt und sind daher exakt zu bedienen. Ein echtes Manko ist jedoch der Umstand, dass die beiden oberen Lenkstockschalter nahezu vollständig vom Lenkrad verdeckt werden. Dadurch gestaltet sich vor allem die Einstellung des Scheibenwischers sehr gewöhnungsbedürftig. Das Navigationssystem arbeitet insgesamt zuverlässig, bei der Ladeplanung gibt es jedoch Verbesserungspotenzial: Zum einen werden die Ladestopps vom System viel zu früh vorgeschlagen, zum anderen erhält man keine Auskunft, mit welchem Ladezustand bzw. welcher Restreichweite der Zielort erreicht wird.
Der Radstand von 2,82 Metern ist für die Kompaktklasse ein Top-Wert – die eingangs erwähnte Konkurrenz kann hier nicht mithalten. Dementsprechend großzügig ist die Beinfreiheit im Fond. Auch beim Kofferraumvolumen hat der Kia EV4 Hatchback die Nase in seiner Klasse vorne. 435 Liter sind ein guter Wert, der durch Umklappen der Rücksitze auf 1.391 Liter anwächst. Praktisch ist dabei der höhenverstellbare Ladeboden, der für eine ebene Fläche sorgt und zusätzliche Variabilität ermöglicht. Einen zusätzlichen Frunk unter der Motorhaube findet man auch beim Kia EV4 nicht. Dafür darf der kompakte Stromer mit der größeren 81,4-kWh-Batterie bis zu 1.000 Kilogramm schwere Anhänger ziehen, was in dieser Klasse keineswegs selbstverständlich ist.
Effizient auch im Winter
Trotz winterlicher Temperaturen geht der Kia EV4 äußerst sparsam mit dem Strom um. So stellt sich über die gesamte Testdauer laut Anzeige ein Durchschnittsverbrauch von 20,6 kWh/100 km ein. Der Wert ist umso beachtlicher, da die Hälfte der Strecke auf der Westautobahn zurückgelegt wurde. Eine Fahrt vom Bezirk Kitzbühel über das kleine deutsche Eck nach Wien erledigt der Kia EV4 mühelos mit einer Akkuladung. Bei der Wiener Westeinfahrt stehen noch 14 Prozent Restkapazität auf der Uhr. Im Stadtverkehr pendelt sich der Verbrauch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bei rund 18 kWh/100 km. Damit ist auch im Winter eine kombinierte Reichweite von 400 Kilometern durchaus realistisch.
Im Gegensatz zu seinem größeren Bruder, dem Kia EV6, verfügt der EV4 nur über ein 400-Volt-Bordnetz, was zu keiner berauschenden Ladeleistung führt. Da der kompakte Stromer die versprochenen maximalen 128 kW im Test jedoch über einen längeren Zeitraum hält (bis 65 Prozent SoC), ist das Laden des 81,4-kWh-Akkus von 10 auf 80 Prozent mit einer durchschnittlichen Ladeleistung von 106 kW in 33 Minuten erledigt. Mit Wechselstrom lädt der Kia EV4 mit den üblichen 11 kW.
Fazit
Vom Design her ist der Kia EV4 Hatchback ein Statement, das sicherlich polarisiert. Ansonsten ist der Kompakte ein ausgewogenes Elektroauto, das sich sehr gut in den Alltag integrieren lässt. Die weitgehend unkomplizierte Bedienung, viel Platz und die überdurchschnittliche Reichweite machen ihn zu einem guten Kumpel für jeden Tag.
Der Kia EV4 mit der Basisausstattung und der kleineren 58,3-kWh-Batterie startet in Österreich knapp unter 40.000 Euro. Für den größeren 81,4-kWh-Akku kommen 5.200 Euro dazu. Die getestete Version mit der Top-Ausstattung GT-Line startet bei 55.040 Euro. Für die Lackierung und das Glasschiebe-/Hubdach kommen gut 1.000 Euro dazu. Der echte „GT“ mit Allradantrieb wurde bereits heuer auf der Brüsseler Motor Show präsentiert und soll im Laufe des Jahres auf den Markt kommen. (Bild und Text: Armin Hoyer)
Technische Daten
| Modell | Kia EV4 Hatchback (2026) |
|---|---|
| Leistung | 150 kW / 204 PS |
| Drehmoment | 283 Nm |
| Motor | Permanenterregte Synchronmaschine |
| Antrieb | Frontantrieb, 1-Gang-Getriebe |
| Batteriekapazität (brutto) | 81,4 kWh Lithium-Ionen |
| Elektrische Reichweite | 400 km (realistisch im Winter), 625 km (WLTP) |
| Ladeleistung (AC/DC) | 11 kW AC / 128 kW DC |
| Ladedauer (AC/DC) | 10–100 % in 7:15 h / 10–80 % in 31 min |
| Verbrauch kombiniert (WLTP) | 14,9 kWh/100 km |
| CO₂-Emissionen kombiniert | 0 g/km |
| Beschleunigung (0–100 km/h) | 7,7 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h |
| Abmessungen (L/B/H) | 4,43 m / 1,86 m / 1,49 m |
| Radstand | 2,82 m |
| Kofferraumvolumen | 453–1.391 l |
| Leergewicht | 1.896 kg |
| Grundpreis (AT) | ab 39.590 Euro |
| Testwagenpreis (GT-Line) | ab 55.040 Euro |
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