Hyundai Ioniq 3 im Test (2026): Kleinwagen mit großer Reichweite

Das Wichtigste zuerst
Der Hyundai Ioniq 3 drängt in das dichte Segment elektrischer Kleinwagen um den VW ID.Polo und Geely E2. Als aerodynamischer „Aero Hatch“ fällt er optisch auf. Ab 28.950 Euro bietet er viel Platz im Fond, moderne Assistenzsysteme (wie den 50m-Rückfahrassistenten) und ein schnelles Infotainment. Es gibt zwei Akkus (42 und 61 kWh) mit bis zu 497 km Reichweite. Das Fahrverhalten ist komfortabel, und mit bis zu 22 kW bei AC, sowie 119 kW bei DC setzt er sich beim Laden an die Spitze der Klasse.
Stärken, Schwächen, Alternativen
Was uns gefällt
Das Gesamtpaket: Lässiges Design, solide Technik.
Was wir vermissen
Ein Performance-Modell mit richtigem Punch.
Ideal, wenn …
… man keinen Stromer von der Stange fahren will.
Die Alternativen
VW ID.Polo, Geely E2, Renault 5 E-Tech
Stärken
- Charakterstarkes Design
- Sehr gute Lärmdämmung
- Wohnzimmer-Atmo im Interieur
Schwächen
- Knackiger Einstiegspreis
- Knapper Platz im Fond
- Hoher Verbrauch
Klein, kompakt, Stromer: Im härtesten Markt warten viel Konkurrenten
„Einer geht noch, einer geht noch rein.“ Obwohl es im B-Segment der elektrischen Kleinwagen schon recht eng ist, drückt sich nach dem E2 der Volvo-Mutter Geely jetzt auch noch der südkoreanische Autobauer Hyundai mit dem Ioniq 3 hinein. Da ist es mit dem VW ID.Polo und seinen Konzern-Ablegern Cupra Raval und Skoda Epiq schon recht ungemütlich. Dazu kommen noch der Kia EV2, die beiden Renaults 4 und 5 sowie der MG 4 Urban, die dort um die Kundschaft buhlen. Wer in dieser bunten Menge Erfolg haben will, muss auffallen.
Beim Ioniq-3-Design scheiden sich die Geister
Dieses Kriterium erfüllt der kompakte Stromer locker. Wenn Hyundai über sein neuestes Baby spricht, fällt ein Begriff, an den man sich erst gewöhnen muss. Der Ioniq 3 ist nämlich ein sogenannter „Aero Hatch“ – also eine Schrägheck-Limousine, die sich gnadenlos den Gesetzen der Aerodynamik unterwift. Vielleicht sieht das E-Auto deshalb auch so „spacig“ aus. Jedermanns Geschmack dürfte es jedenfalls nicht treffen. Von vorne vielleicht gerade noch, weil die schmalen Pixel-Leuchten an die größeren Brüder Ioniq 5 und 6 erinnern. Hinten wird es dann schon spezieller: Ab dem Spoiler stürzt die Karosserie mit einem recht kurzen Überhang geradezu schroff ab. Nur gebremst vom Spoiler, der mitten in der gläsernen Heckklappe sitzt. Wer es mag...! Uns hat die Seitenlinie gefallen. Rein und nüchtern, wie Stahl, soll sie getreu der koreanischen Design-Philosophie „Art of Steel“ sein – und so wirkt sie auch. Große, klare Flächen, nur unterbrochen von einer kühnen Diagonalen, die wie ein Blitz in der C-Säule einschlägt und sich bis in die Hecktüren ausbreitet.
Mini-Tacho nicht im Basismodell – das ist kleinlich
Da geht es im Inneren schon fast konventionell zu. Kleines Lenkrad, darüber ein 9,9-Zoll kleiner, flacher Digital-Tacho, den es so im Basismodell „Select“ nicht gibt. Hier muss man sich mit dem 12,9 Zoll Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts zufriedengeben, in dem Tempo, Batteriestand und Reichweite angezeigt werden. Ab „Trend“ thront er dann auf dem Cockpit. Das finden wir ein wenig kleinlich, zumal der Einstiegspreis mit 28.950 Euro nicht gerade auf Dumping-Niveau liegt. Ab der N-Line wächst auch der zentrale Infotainment-Bildschirm, dann sogar auf stattliche 14,6 Zoll. Das System arbeitet mit Android Auto, hat einen eigenen KI-Assistenten und ist schnell und logisch aufgebaut. Haptische Tasten für die Klimabedienung gibt es am unteren Bildschirmrand, sogar einen Drehknopf für die Lautstärke.
Mit diesem Assistenten holt Hyundai Mercedes ein
Genauso löblich: Nervende Assistenten muss man nur einmal gruppieren und kann sie dann jedes Mal mit einem einzigen Druck auf den Screen ausschalten. Apropos Assistenten: Hier legt Hyundai wirklich einen drauf. Das System hilft sogar beim Spurwechsel, auch Einparken mit dem Smartphone ist möglich. Und wer sich in einer engen Gasse ohne Ausgang verirrt hat, der muss nicht etwa selbst rangieren. Bis zu 50 Meter Weg merkt sich das Auto nämlich und rollt auf Wunsch selbstständig wieder zurück. Wir erinnern uns: Noch vor wenigen Monaten hat Mercedes-Benz uns dieses Feature stolz im GLC präsentiert. Und jetzt kann das sogar schon der kleine Ioniq 3. Tempus fugit, sagt da der kluge Lateiner. Die Zeit flieht. China- oder Korea-Speed, sagt man dazu heute.
Mit den verwendeten Materialien im Interieur waren wir einverstanden. Wohlgemerkt, das können wir nur für die höchste Ausstattungslinie N Evo sagen, mit der unser Testwagen ausgestattet war: viele unterschäumte Flächen, weiches Kunstleder und Hartplastik von der angenehmen Sorte. Dazu ein paar nette Farbakzente und ein offenes, mit Polster-Backen überzogenes Fach auf der Beifahrerseite des Armaturenbretts als Hingucker. Geradezu wohnlich. Platz gibt es in dieser Hütte auch. Hier hat sich Hyundai ein hohes Ziel gesteckt. „B-Segment-Größe, C-Segment-Platz“ lautet die Devise. Mit 4,16 Metern Länge setzt sich der Hyundai beim Vergleich mit dem ID.Polo an die Spitze: Das sind elf Zentimeter mehr als der Volkswagen.
Beim Kofferraum läuft der Chinese hinter der Blaskapelle her
Auch beim Radstand schlägt Asien Wolfsburg. 2,69 Meter contra 2,60 m. Vorn merkt man da keinen großen Unterschied zwischen den Konkurrenten. Da herrscht in beiden Fahrzeugen ein komfortables Limousinengefühl. Im Fond sitzt man im Ioniq 3 zwar besser als im ID.Polo, aber auch nicht so entspannt, wie Hyundai das sieht. Hinter dem Fahrersitz, der auf unsere Größe von 1,78 Metern eingestellt war, hatten wir ordentlich Platz. Zwischen Knie und Lehne passte eine Handbreit. Nach oben wurde es allerdings eng. Wer jenseits von 1,85 Meter Körpergröße ist, geht auf Tuchfühlung mit dem Dachhimmel. Beim Kofferraumvolumen liegt der Ioniq 3 mit 441 Litern auf Augenhöhe mit dem ID.Polo. Hier läuft der Geely E2 hinter der Blaskapelle her. Wenn man den Frunk mit 70 Litern jedoch dazurechnet, geht das Dreier-Duell wieder unentschieden aus.
Kleiner Akku, große Leistung – große Batterie, kleine Leistung
Mit zwei Antriebssträngen geht der Ioniq 3 ins Rennen: einmal mit einer 42-kWh-Batterie und einer Reichweite von bis zu 334 Kilometern und dann mit einem 61-kWh-Akku und 497 möglichen Kilometern. Kurios: Das Auto mit dem kleineren Energiespeicher hat mit 108 kW / 147 PS rund 9 kW / 12 PS mehr Power und spurtet auch aufgrund des besseren Gewichts in 8,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Liest sich nicht schlecht – ein richtiger Hot Hach wie die Karosserie vermuten lässt, wird aus dem der Ioniq 3 damit aber nicht. In der Stadt kann das Auto mithalten. Über Land und auf der Autobahn ist eher gemütliches Cruisen angesagt. Zumal der Hyundai erstaunlich gut gedämmt ist für einen Kleinwagen. Immerhin darf der kleine Südkoreaner mit 170 km/h über die Autobahn brettern. Beim Geely E2 ist da ja schon bei 130 Schluss und auch der ID.Polo muss ab 160 passen.
Sind 500 Kilometer Reichweite drin – unser Fahrtest
Hervorheben muss man die Lenkung. Präzise, feinfühlig mit guter Rückmeldung von der Straße. Und auch das Fahrwerk macht seine Sache gut. Gerade mal bei langen Bodenwellen schaukelt sich die Karosserie ein wenig hoch, ansonsten schlucken Dämpfer und Feder sogar hartnäckige Temposchwellen. Wie sieht es mit dem Verbrauch aus? Bei unseren Testfahrten hatten wir 16,7 kWh (offiziell 13,7 – 15,8 kWh) auf der Uhr. Da wird es dann schon eher eng mit den versprochenen knapp 500 Kilometern Reichweite. Führend sind die Südkoreaner beim Laden ihres 400-Volt-Systems. 22 KW (optional) mit AC, das bietet sonst keiner. Und 119 kW mit DC, da müssen die anderen auch passen.
Erstes Fazit
Wer entscheidet den Dreikampf für sich? Wenn es ums Geld geht – da ist der Geely E2 mit seinem Einstiegspreis von knapp unter 20.000 Euro nicht zu schlagen. Der ID. Polo von Volkswagen liegt mit knapp 25.000 Euro in der „Goldenen Mitte“. Das Basismodell unterbietet mit einer zugegebenermaßen schlechteren Grundausstattung den Ioniq 3 um 4.000 Euro. Beim Fahrwerk glänzt der VW mit dem besten Kompromiss aus straff und komfortabel. Der Hyundai steht hier kaum nach, während der E2 von Geely an dieser Stelle patzt. Wer scharfes Design will, sollte über den Hyundai nachdenken. Konservative Käufer sind mit dem Volkswagen bestens bedient. Und wer auf eine völlig neue Welt steht: Geely E2 – am besten im Leasing. (Text: Rudolf Bögel |Bilder: Hersteller)
Alle Artikel
Alle ansehen
Hyundai Ioniq 6 Facelift (2026): Länger, größer, weiter - und schöner!
Am Design des Hyundai Ioniq 6 schieden sich die Geister. Die Elektro-Limousine hat nicht unbedingt den Publikumsgeschmack getroffen. Das Facelift zum Modelljahr 2026 ist viel eleganter geworden. Dazu gibt es einen größeren Akku und mehr Reichweite. Erster Fahrtest von Zagreb nach Krakau.

Renault Twingo E-Tech vs. Hyundai Inster vs. Fiat 500 E: Elektro-Kleinwagen im Vergleich
Der neue Renault Twingo E-Tech startet 2026 mit Retro-Design und Elektroantrieb unter 25.000 Euro. Im Vergleich mit Hyundai Inster und Fiat 500e zeigt sich: Viel Charme, solider Innenraum – aber Schwächen bei Reichweite und Ladeleistung. Welcher E-Kleinwagen kann am meisten überzeugen?

Erster Test Hyundai Ioniq 9: Mit neuer Größe gegen BMW und Volvo
Ein SUV für Sieben: Mit dem Ioniq 9 bringt Hyundai einen familientauglichen Elektro-Kreuzer auf die Straßen, der vor allem bei der Premium-Konkurrenz von BMW und Volvo wildern will. Fahrbericht!