Gebrauchtwagen-Check BMW i4 eDrive40 (2022): Elektrifiziertes Gran Coupé

Im Jahr 2021 erweiterte der BMW i4 die 4er-Baureihe um ein rein elektrisch angetriebenes Gran Coupé. Optisch weitgehend identisch mit den Verbrennern überzeugt der Stromer mit nahezu lautloser Fortbewegung, praxistauglicher Reichweite und moderatem Verbrauch.


Der BMW i4 eDrive40 (2022) auf einen Blick:

Was uns gefällt

Klassisches 4er-Design und hochwertiger Innenraum.

Was wir vermissen

Etwas mehr Beinfreiheit im Fond.

Ideal, wenn ...

… man das BMW 4er Gran Coupé elektrisch fahren möchte.

Die Alternativen

Tesla Model 3, Audi e-tron GT, BYD Seal.


BMW i4 edrive40 (2022)_Front

Hinweis zum Testfahrzeug

Das Testfahrzeug wurde von der Hans Geyhofer & Sohn Ges.m.b.H. mit Sitz in Wels zur Verfügung gestellt. Der Händler ist seit über 60 Jahren BMW Partner und verkauft neben Neuwagen rund 500 Gebrauchtfahrzeuge im Jahr.

Gran Coupé in Reinkultur

Der BMW i4 eDrive40 ist ein klassisches Gran Coupé mit vier Türen. Die lange Motorhaube, der flach auslaufende Dachbogen und die breite Spur verleihen ihm einen sportlich noblen Auftritt. Die geschlossene BMW-Niere unterscheidet ihn an der Front klar vom 4er und deutet auf den Elektroantrieb hin. In der Seitenansicht dominiert die coupéhafte Silhouette mit den rahmenlosen Türen. Am Heck setzt sich der elektrische Charakter subtil fort: Vom 4er Gran Coupé mit konventionellen Antriebsarten unterscheidet sich der BMW i4 durch einen spezifisch gestalteten Heckdiffusor anstelle der sichtbaren Abgasendrohre.

Bei Markteinführung im Jahr 2021 werden zwei Varianten angeboten: Neben dem getesteten BMW i4 eDrive40 mit Heckantrieb steht eine Allradversion in Form des i4 M50 mit einer Systemleistung von 400 kW (544 PS) zur Verfügung. Beide Modelle werden von einer Hochvoltbatterie mit einer Nettokapazität von 80,7 kWh mit Strom versorgt.

BMW i4 edrive40 (2022)_Heck-seitlich

Der BMW i4 basiert auf einer flexibel ausgelegten Fahrzeugarchitektur, die bereits von Beginn an auch für elektrifizierte Antriebe ausgelegt wurde. Im i4 wird diese erstmals für ein rein batterieelektrisches Modell im Kernsegment der Marke eingesetzt. Zeitgleich debütiert die fünfte Generation der BMW eDrive-Technologie mit einer integrierten Antriebseinheit aus Elektromotor, Leistungselektronik und Getriebe in einem gemeinsamen Gehäuse.

Fahrleistungen passend zu BMW

Der getestete BMW i4 eDrive40 wird von einem Elektromotor mit einer Leistung von 250 kW (340 PS) an der Hinterachse angetrieben. In Kombination mit dem maximalen Drehmoment von 430 Nm vergehen für den Sprint von 0 auf 100 km/h gerade einmal 5,7 Sekunden. Beim Erreichen der Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h endet die Beschleunigung – die Elektronik greift regelnd ein. Die Sprintqualitäten passen schon einmal recht gut zum sportlichen BMW-Image. Doch wie sieht es beim Fahrverhalten aus?

BMW i4 edrive40 (2022)_Seite

Elektroantrieb erhöht die Fahrdynamik

Auch hier gibt sich der BMW i4 eDrive40 keine Blöße. Mit einer Länge von 4,8 Metern liegt das Gran Coupé satt auf der Straße. Die flach im Fahrzeugboden integrierte Hochvolt-Batterie senkt den Schwerpunkt gegenüber den Verbrennern ab und trägt gemeinsam mit der ausgewogenen Achslastverteilung zu dem für BMW typischen Fahrverhalten bei. Der i4 liebt kurvige Landstraßen und zeigt sich von forscher Gangart auch ohne das optional verfügbare adaptive M-Fahrwerk ziemlich unbeeindruckt. Die serienmäßige Luftfederung an der Hinterachse trägt dazu bei, dass sich die Seitenneigung in Grenzen hält.

Auch beim Antritt und Durchzug vermittelt der BMW i4 eDrive40 stets ein sportliches Fahrgefühl. Begleitet wird dieses von einem turbinenartigen Motorsound, der uns ganz gut gefällt, jedoch je nach Belieben auch deaktiviert werden kann. Wer es noch sportlicher möchte, der greift zum i4 M50 mit noch mehr Leistung und Allradantrieb.

Premium-Innenraum mit Wohlfühlcharakter

BMW i4 edrive40 (2022)_Cockpit

Einsteigen und Wohlfühlen ist im BMW i4 eDrive40 Programm. Die feine Lederausstattung des Testfahrzeugs in der Farbe „Cognac“ wirkt edel und bildet in Kombination mit den Interieurleisten im Aluminium-Look einen gelungenen farblichen Kontrast zur ansonsten dunkel gehaltenen Innenausstattung. Die optionalen M Sportsitze sind straff gepolstert und bieten guten Seitenhalt.

Im BMW i4 kommt das sogenannte Curved Display erstmals in der 4er-Baureihe zum Einsatz. Die frei schwebend wirkende Einheit verbindet ein 12,3-Zoll-Instrumentendisplay und einen zentralen 14,9-Zoll-Touchscreen zu einer gebogenen, ergonomisch zum Fahrer ausgerichteten Displaylandschaft. In der Mittelkonsole rund um den Schalthebel befinden sich einige haptische Tasten sowie der bekannte iDrive Controller, der Dreh-Drück-Regler zur Steuerung des Infotainment-Systems.

Zwei Bilder nebeneinander
BMW i4 eDrive40 (2022) - Vordersitze BMW i4 eDrive40 (2022) - Ruecksitze

Da der BMW i4 nicht auf einer eigenen E-Plattform basiert, ergeben sich für die Fondpassagiere Nachteile beim Platzangebot. Einerseits ist die Beinfreiheit aufgrund des für die Verbrenner-Mittelklasse üblichen Radstands von 2,86 Metern vergleichsweise eingeschränkt, andererseits sorgt der Mitteltunnel für Komforteinbußen auf dem mittleren Sitzplatz. Natürlich darf man nicht vergessen, dass es sich beim i4 um ein Gran Coupé und keine Großraumlimousine handelt.

BMW i4 edrive40 (2022)_Kofferraum

Durch die weit öffnende Heckklappe ist der Kofferraum des BMW i4 eDrive40 sehr gut zugänglich und daher auch für sperrige Gegenstände geeignet. Mit einem Ladevolumen von 470 Litern bietet er solides Mittelklasse-Niveau. Unter dem Ladeboden verbirgt sich ein tief ausgeformtes Unterflurfach, das mehr als nur ein Ladekabel aufnehmen kann. Werden die Rücksitze umgelegt, wächst das Ladevolumen auf bis zu 1.290 Liter an. Auf einen Frunk unter der vorderen Haube muss hingegen verzichtet werden – dieser zusätzliche Stauraum ist aufgrund der Plattformarchitektur nicht vorgesehen.

Reichweite und Ladegeschwindigkeit zeitgemäß

Laut Anzeige im Fahrzeug hat sich der BMW i4 eDrive40 auf seinen bisherigen knapp 40.000 Kilometern im Schnitt 19,7 kWh/100 km genehmigt. Ein ansprechender Wert, mit dem in der Praxis rund 400 Kilometer Reichweite realistisch sind und auch ausreichend Langstreckentauglichkeit gegeben ist. Mit einer maximalen DC-Ladeleistung von 200 kW befindet sich der BMW i4 auch heute noch auf einem guten Niveau. In einer halben Stunde kann der Akku damit von 10 auf 80 Prozent aufgeladen werden. Zuhause an der Wallbox ist eine Vollladung mit 11 kW in 8,25 Stunden, also über Nacht, erledigt.

BMW i4 edrive40 (2022)_Aviloo-flash-test

Aviloo Batterietest: Genau im Mittel

Mit einem Gesundheitszustand (SoH) von 96,6 Prozent liegt das Ergebnis des Aviloo Batterietests genau im Mittel vergleichbarer Fahrzeuge. Damit verliert der BMW i4 eDrive40 nach 39.400 Kilometern Laufleistung und viereinhalb Jahren knapp 30 Kilometer an Reichweite gegenüber dem Neuzustand. Die bisherige Batteriealterung spielt somit keine relevante Rolle für den Alltag.

Für die Hochvolt-Batterie des BMW i4 eDrive40 gilt eine Garantie von bis zu 160.000 Kilometern oder 8 Jahren. Bis zum Erreichen dieser Kilometerleistung beziehungsweise während dieses Zeitraums werden Mängel an der Batterie behoben oder der Akku ausgetauscht, falls die nutzbare Kapazität unter 70 Prozent des Neuzustandes sinkt.

Batteriezertifikat Aviloo-flash-test_BMW i4 edrive40_ohne-fin

>> Der Aviloo Batterietest zum Hyundai Ioniq 5 als PDF <<

Fazit

Mit dem BMW i4 ist den Münchnern im Jahr 2021 ein überzeugender Einstieg in die batterieelektrisch angetriebene Mittelklasse gelungen. Verpackt in der klassischen Hülle des 4er Gran Coupé wirkt der Stromer von Beginn an vertraut und ist auch im Jahr 2026 noch eine zeitlose Erscheinung. Die Fahrleistungen sind der Marke schon in der getesteten Basisversion würdig – praxistauglicher Verbrauch und Reichweite machen ihn auch auf der Langstrecke zu einem souveränen Begleiter.

Das Testfahrzeug zeigt sich in einem optisch sehr guten Zustand. Bis auf ein paar kleine Steinschläge an der Front und leichte Falten in den Sitzwangen der vorderen Sitze sind keine Gebrauchsspuren zu entdecken. (Text und Bild: Armin Hoyer)

Technische Daten


Modell BMW i4 eDrive40 Gran Coupé (2022)
Leistung 340 PS (250 kW)
Drehmoment 430 Nm
Motor Permanenterregte Synchronmaschine
Antrieb Heckantrieb, 1-Gang-Getriebe
Batteriekapazität (netto) 80,7 kWh Lithium-Ionen
Elektrische Reichweite 400 km (realistisch), 590 km (WLTP)
Ladeleistung (AC/DC) 11 kW AC / 220 kW DC
Ladedauer (AC/DC) 0–100 % in 8:15 h / 10–80 % in 31 min
Verbrauch kombiniert (WLTP) 16,3 kWh/100 km
CO₂-Emissionen kombiniert 0 g/km
Beschleunigung (0–100 km/h) 5,7 s
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h (elektronisch abgeregelt)
Abmessungen (L/B/H) 4,78 m / 1,85 m / 1,45 m
Radstand 2,86 m
Wendekreis 12,50 m
Kofferraumvolumen 470–1.290 l
Leergewicht 2.125 kg
Neupreis (AT, 2022) ab 57.900 Euro
Testwagenneupreis (AT, 2022) 70.242 Euro

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Armin Hoyer

Armin Hoyer ist seit 2025 als freier Redakteur für das AutoScout24 Magazin in Österreich tätig. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Motorjournalist und Kommunikationsexperte im Automobil- und Zweiradbereich erstellt der Wahltiroler Content für die Mobilitätsbranche. Für AutoScout24 berichtet er schwerpunktmäßig über seine Erfahrungen mit gebrauchten und neu erschienenen Elektroautos sowie Motorrädern und informiert zudem über die Highlights der wichtigsten Messen des Jahres.

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