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Horex

Informationen zu Horex

In der Welt der Motorräder gibt es Geschichten und Legenden, die dürfen nicht vergessen werden. Eine davon ist die Geschichte des Horex-Motorrads, dessen Wiedergeburt vor rund zehn Jahren ein mutiger Schwabe in Angriff nahm und der jetzt, im vergangenen Herbst Insolvenz anmelden musste. Doch der guten Ordnung halber das Ganze mal von Anfang an: Die Horex-Fahrzeugbau AG wurde 1923 von Fritz Kleemann im hessischen Bad Homburg v.d.H. gegründet. Der Name Horex entstand aus dem Zusammenlegen der Buchstaben Ho, für Bad Homburg und Rex, dem Namen der elterlichen Konservenglasfabrik. Kleemann war ein fleißiger Mann denn bereits im ersten Jahr des Bestehens der Horex-Fahrzeugbau baute er das erste Horex Motorrad, eine 248 Kubikzentimeter Hubraumvolumen Maschine, die sich auch prompt im Rennsport bewährte. Der einzige Zylinder bestand aus Leichtmetall und hatte eine eingeschrumpfte Laufbuchse. Neun Jahre später war ein Parallelzylindermotor mit oben liegender Nockenwelle entwickelt worden, dessen Kurbelwelle und Nockenwelle dreifach gelagert waren. Durch einen 90 Millimeter Hub und eine 65 Millimeter Bohrung ergaben sich so etwa 600 Kubikzentimeter Hubraum und der Motor konnte eine Leistung von rund 24 PS erzielen. Eine 800 Kubikzentimeter Version brachte es auf etwa 30 PS und war im Motorsport recht erfolgreich. In den Jahren 1936 bis 1938 entstand der lange Zeit legendäre Einzylinder-Langhub-Viertaktmotor SB 35 mit einem Hubraumvolumen von 350 Kubikzentimeter. Während des Krieges ruhten die Motorradentwicklungen und Produktionen, und erst 1948 begannen die Ingenieure wieder damit, das Modell SB 35 zu bauen. Zwei Jahre später wurde die Weiterentwicklung des SB 35 Motorrads vorgestellt, das den Produktnamen Regina erhielt und über eine ganze Reihe technischer Neuerungen verfügte. Nun gab es eine Hinterradfederung und das Vorderrad lag in einer Teleskopgabel. In den darauf folgenden zwei Jahren schaffte es das Horex-Modell Regina auf eine verkaufte Stückzahl von 20.400 Maschinen. Damit war es zunächst das meistverkaufte Motorrad weltweit. Der Ruhm währte aber nicht lange, die Verkaufszahlen sanken Jahr um Jahr. Der Absatzrückgang musste gestoppt werden, ergo wurde zusätzlich zur 350er Regina eine 250er Regina sowie eine 400 Kubikzentimeter Maschine auf den Markt gebracht. Bedingt ständig wachsende Absatzschwierigkeiten kam 1956 das Aus für die Horex Motorradfabrik. Vier Jahre später, man hatte sich inzwischen auf eine Moped-Fertigung sowie Zulieferarbeiten für Daimler Benz verlegt, übernahm dann 1960 die Daimler Benz AG die gesamte Fabrik und Anlagen und besiegelte das endgültige Aus. Namensrechte gingen an Friedel Münch, ebenfalls ein renommierter Name in der Motorradbranche, über, der eine Horex-Maschine mit der Bezeichnung 1400 TI in Einzelfertigung für Motorradliebhaber baute. In den Folgejahren wechselten die Namensrechte mehrfach ihre Besitzer, zuletzt besaß die in Chemnitz ansässige Hörmann-Rawema GmbH bis 2009 die Namensrechte und sie beschäftigte sich hauptsächlich damit, historische Horex-Motorräder zu rekonstruieren.

Auferstehung

Man kann es drehen und wenden, wie man will, wenn sich ein Schwabe etwas in den Kopf gesetzt hat, dann führt er es auch aus. So wie Clemens Neese, der nach 20 Jahren seinen Job in der IT-Branche an den Nagel hängte, seine Freunde und ehemaligen Kollegen um sich scharte und für sein Projekt, ein Motorrad zu bauen, begeisterte. Klar dabei war, dass es bedingt durch die Vielfalt der auf dem Markt befindlichen Motorradmarken und Modelle ein außergewöhnliches Bike sein musste. Und so wurde 2010 in Garching bei München das Unternehmen Horex Motorradmanufaktur gegründet. Ziel war es, eine Sechszylindermaschine auf den Markt zu bringen. Bedingt durch einen wirkungsvollen Businessplan konnten die Gründer etliche Millionen Fördergelder erhalten. Nicht nur das zugeflossene Kapital, auch die technologische Unterstützung durch einen Designer und Motorenentwickler der Münchener Hochschule sowie weitere, namhafte Motorradexperten und Forschungsinstitute gaben dem jungen Unternehmen kräftigen Vortrieb. Darüber hinaus besaß Neese auch das Patent auf seinen Sechszylinder VR-Motor.

Der Sechszylinder VR-Motor

Das von Neese gewünschte Alleinstellungsmerkmal des neu entwickelten Horex-Motorrads ist zweifellos der Motor, der eine ganze Reihe von außergewöhnlichen Konstruktionsmerkmalen in sich vereint. Das VR steht sowohl für einen V-Motor als auch für einen Reihenmotor, ist also die offensichtlich geglückte Kombination beider Bauweisen. Ermöglicht wird das durch die eng beieinander stehenden Blöcke mit je drei Zylindern, deren V-Winkel nur 15 Grad beträgt. Damit gewinnt der Motor nicht nur jede Menge Platz, auch ließen sich alle sechs Brennräume in einer Ebene anordnen. Jeder Zylinder verfügt über zwei Einlassventile und ein Auslassventile, die radial um die Zündkerze angeordnet sind, was zu den linsenförmigen Brennräumen führt und für optimale Verbrennung sorgen kann. Die Ventile werden durch drei parallel zueinander angeordnete Nockenwellen direkt angesteuert. Alle sechs Zylinder ergeben in Summe ein Hubraumvolumen von 1,2 Litern und werden von einem direkt angetriebenen Radialkompressor aufgeladen. Die Leistung des Sechszylinders wird mit zirka 160 PS angegeben.

Die Horex Motorräder

Insgesamt konnten die Ingenieure und Konstrukteure um Neese drei Motorräder konzipieren und mit Stolz der Öffentlichkeit präsentieren. Das waren die Horex VR6 Classic, die Horex VR6 Roadster und der Horex VR6 Cafe Racer 33 limited. Letztere Maschine darf im Nachhinein mehr als Gag betrachtet werden, denn diese Maschine wurde nie wirklich gebaut. Die Idee war es, nur 33 Stück herzustellen und pro Maschine einen Verkaufspreis von 33.333 Euro zu erzielen. Die Horex VR6 Roadster hingegen gab es real und wurde von den Experten der Motorrad-Zeitschriften auch ausgiebig getestet. Eindeutige Urteile: Tolle Maschine, hervorragende Motortechnik und überzeugendes, edles Design, von den positiven Fahreigenschaften ganz zu schweigen. Was waren nun die Ursachen für den Niedergang? Da darf man getrost den Preis nennen, der mit weit über 20.000 Euro zu Buche schlägt und Otto Normalverbraucher zurück schrecken lässt. Nun, für diese Klientel waren die Maschinen ja auch nicht konzipiert, sondern für Fans der Marke Horex, die sich immer noch gerne und schmunzelnd an die Comic-Figur des Werner erinnern, der auf einer Horex durch die Landschaft bretterte und dessen Erschaffer das legendäre Rennen zwischen einer Horex und einem Porsche inszenierte. „Das muss kesseln“ war damals der Wahlspruch und dem wurden die neuen Maschinen ja auch gerecht. Jedoch ist die Käuferschicht für Superbikes dünn gesät und so konnten weder die benötigten Stückzahlen gefertigt geschweige denn verkauft werden. Deshalb ereilte das Unternehmen Horex das Schicksal, dass die Banken und Investoren nicht mehr mitmachten und die Geldhähne zu drehten. So kam es im Herbst 2014 zum Insolvenzantrag, der sich nun in der Abwicklung befindet. Was zunächst aus der langen, historischen Vergangenheit des Unternehmens Horex bleibt, ist ein Horex Museum in Bad Homburg, der Geburtsstätte des Horex Unternehmens.
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