Erster Test: Vergleichstest: Mercedes, Porsche, Land Rover – Luxus mal drei

Oberklasse – das waren früher immer stattliche Limousinen, mit denen Kanzlerinnen, Präsidenten und Firmenbosse vorgefahren sind. Die gibt’s heute freilich immer noch. Und mit der S-Klasse hat Mercedes wieder einmal die Messlatte ganz weit nach oben gelegt.

Inzwischen aber tummeln sich noch mehr Modelle in der Nobelliga: Porsche tritt seit einiger Zeit mit dem Kombi-artigen Panamera an, und Range Rover buhlt mit einem wuchtigen SUV um die Gunst der gut betuchten Käuferschaft. Wir haben die drei unterschiedlichen Luxus-Schlitten zum Vergleich gebeten. Sie wollen gediegenen Luxus und modernste Technik? Dann führt an der S-Klasse von Mercedes kaum ein Weg vorbei. Die Stuttgarter Limousine ist seit jeher der Goldstandard in der Oberklasse und glänzt in der aktuellen Ausgabe mit High-Tech vom Feinsten. Besonders beim autonomen Fahren behauptet Mercedes seine Führungsrolle: Die S-Klasse hält nicht nur den Abstand zum Vordermann und lenkt in der Kurve mit, sie passt auch das Tempo an die Straßenbedingungen an.

Zum einen wird die Info von den Verkehrsschildern direkt an den Tempomat weitergegeben, der sich entsprechend justiert, zum anderen bremst der Benz vor Kurven, Kreisverkehren und Abbiegungen automatisch ab; vorausgesetzt, man ist mit aktivierter Navigation unterwegs. So kann man sich recht gemütlich in den federweichen Ledersesseln zurücklehnen und dem Auto weitgehend die Arbeit überlassen. Klar: Die Lenkung muss man selber noch in der Hand haben, das will der Gesetzgeber so. Zumindest im Stau aber fährt die S-Klasse auch schon mal ein Stück ganz allein und insgesamt werden lange Strecken durch die Rundum-Unterstützung um einiges entspannter.

Rundum-Wohlfühl-Programm

Apropos Entspannung: Rückenschmerzen sind auf dem Oberklasse-Gestühl so gut wie unmöglich – wenn es doch mal zwickt, steuert die Massage-Funktion direkt dagegen. Auf Wunsch auch mit einer Hotstone-Massage, die gleichzeitig mit Wärme arbeitet. Wärme gibt’s außerdem nicht nur durch die Sitzheizung. Auch die Armauflagen in der Tür und sogar in der Mittelkonsole sind beheizt und sorgen im Winter für wohliges Ambiente.

Für noch mehr Stimmung sorgt das Ambiente-Licht, das sich in zahlreichen Farben ganz nach Lust und Laune justieren lässt. Und mehr noch: Über die sogenannte Energizing-Comfort-Funktion kann man diverse Programme auswählen, die Licht, Musik, Klimasteuerung, Beduftung und auch die Massagefunktion aufeinander abstimmen. Ob das in der Praxis wirklich jemand nutzt, ist fraglich – funktionieren tut es aber allemal.

Sparsames Flaggschiff

Einen richtigen Nutzen hat dagegen die Elektrounterstützung für den Antrieb: Der von uns getestete S 500 fährt mit einem 435 PS starken Reihensechszylinder vor, der dank des 48-Volt-Bordnetzes zusätzlich 16 kW/22 PS mobilisieren kann. Möglich macht’s der integrierte Startergenerator: Ein kleiner E-Motor, der direkt an der Kurbelwelle ansetzt und nicht nur boosten kann, sondern auch den herkömmlichen Anlasser ersetzt. Und er dient der Rekuperation, also der Energie-Rückgewinnung, was sich am Ende im Spritverbrauch widerspiegelt.

Mercedes verspricht 7,4 Liter im WLTP-Durchschnitt, wir haben im Mittel circa neun bis zehn Liter verbraucht. Das ist zwar deutlich mehr als angegeben, aber für eine schwere Oberklasse-Limousine mit jeder Menge Wumms unter der Haube immer noch respektabel. Schließlich legt sich der S 500 mächtig ins Zeug: Seine 520 Newtonmeter Drehmoment – verwaltet von einer Neungang-Automatik – wuppen ihn in nur 4,8 Sekunden auf Tempo 100.

Doppelherz-Technik

Unter fünf Sekunden ist ein Spitzenwert für ein derartiges Flaggschiff, und doch ringt das dem Porsche Panamera nur ein müdes Lächeln ab. Auf unseren Hof rollte der außergewöhnlich schnittige Zuffenhausener nämlich als Turbo S E-Hybrid: Der an der Steckdose aufladbare Porsche hat ohnehin schon einen stattlichen Vierliter-V8 mit 550 PS unter der Haube, der zusätzlich von einem 100 kW/136 PS starken E-Motor unterstützt wird. Der sorgt zusammen mit dem 14,1-kWh-Akku nicht nur dafür, dass der Panamera bis zu 50 Kilometer – in der Praxis eher 30 bis 40 – rein elektrisch fahren kann. Vielmehr steigert er auch die Gesamt-Power des Porsches auf 680 PS und unwirkliche 850 Newtonmeter Drehmoment.

Einmal losgelassen, sorgt die Doppelherz-Technik dafür, dass der Panamera nach vorne schnellt, als gäbe es kein Morgen mehr. Während es den Passagieren beim Kavalierstart die Falten im Gesicht strafft, zückt der Schutzmann schon nach 3,4 Sekunden den Strafzettelblock. Dann nämlich hat der Panamera bereits Landstraßentempo erreicht und marschiert munter weiter bis auf 310 km/h. Da kann der Benz nicht mithalten, in Stuttgart regelt man bei Tempo 250 elektronisch ab. Das faszinierende: Egal bei welcher Geschwindigkeit man Gas gibt, der Panamera mobilisiert immer noch ein paar Reserven und zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen.

Vorsicht vor der Kraft

Die sollte auch der Fahrer nicht zeigen, denn für unaufmerksame Lenker ist die enorme Kraft mitunter durchaus eine Herausforderung. Vor allem im Sportmodus reagiert der 2,4 Tonnen schwere Porsche so bissig auf Gasbefehle, dass er trotz Allradantrieb auf nassem Untergrund schnell mit dem Heck wackelt. Wer seinen rechten Fuß im Griff hat, kann aber auch ganz gemütlich dahingleiten und dank der Allradlenkung wedelt er auch ziemlich agil um die Kurven.

Ganz klar, der Porsche ist ein Selberfahrer-Auto. Was aber nicht heißt, dass man es sich nicht auch im Fond gemütlich machen kann. Trotz der flotten Karosserie ist der Panamera schon mit kurzem Radstand ziemlich geräumig und bietet jede Menge Komfort; wer zum längeren Executive-Modell greift, kann auf jeden Fall problemlos die Beine übereinanderschlagen. Und mit 405 Litern Gepäck geht unter die flache Heckscheibe zwar weniger als in die S-Klasse (knapp über 500 Liter), aber trotzdem genug für die Urlaubsreise. Wer mehr Stauraum braucht, kann auch zum Panamera Sport Turismo greifen; dann ist das Heck noch ein bisschen Kombi-artiger und schluckt zwar offiziell nur 20 Liter mehr, lässt sich aber noch besser beladen.

Teurer Turbo-Hybrid

In Sachen Luxus-Ambiente und Verarbeitung spielt der Porsche auf Mercedes-Niveau mit, auch bei den Fahrerassistenzsystemen und beim Infotainment haben die Zuffenhausener ordentlich aufgeholt. Deutlich vor dem Benz ist der Panamera allerdings beim Preis: Der Turbo S E-Hybrid schlägt mit 185.736 Euro zu Buche, dagegen sind die 103.691 Euro für den S 500 fast schon ein Schnäppchen. Immerhin: Im Unterhalt ist auch der Panamera recht günstig. Nicht nur wer regelmäßig den Akku lädt und mit Strom fährt spart, auch der V8 braucht dank E-Unterstützung nicht übermäßig viel Sprit und begnügt sich bei moderater Gangart mit rund zehn Litern.

Davon ist der Range Rover weit entfernt: Das britische SUV nimmt sich, in der von uns getesteten V8-Kompressor-Version mit 525 PS unter der Haube, schon auf dem Papier knapp 13 Liter; wer sich nicht zurückhalten kann, sollte besser gleich zwanzig Liter einkalkulieren. Das ist happig für ein gut zweieinhalb Tonnen schweres Fünf-Meter-Dickschiff. Aber nicht ungewöhnlich. Immerhin: Wer sparen will, kann auch den Range Rover mittlerweile als Plug-in-Hybrid ordern. Der ist mit 120.000 Euro in der Anschaffung aber nur ein paar Tausender günstiger als der V8.

Sportliches Dickschiff

Dafür blubbert der Achtender so richtig schön tief und sorgt bei jedem Gasstoß für ein wohliges Kribbeln im Bauch. Und mit seinen 625 Newtonmetern Drehmoment hat der Range trotz der heftigen Masse recht leichtes Spiel: An die Sportwagenwerte des Porsches kommt er zwar nicht ran, aber auch der Brite ist in knapp fünfeinhalb Sekunden auf Tempo 100 und läuft ebenfalls 250 Sachen. Allerdings sollte man frühzeitig auf die Bremse treten, und auch Kurven nimmt der Range bei weitem nicht so flott wie die S-Klasse oder der Panamera.

Richtig gediegen geht es im Innenraum zu: Auf der Mittelkonsole gibt es quasi keine Schalter mehr, und das Infotainmentsystem ist prinzipiell auf dem neuesten Stand; allerdings braucht der Rechner im Hintergrund manchmal etwas lange. Und auch das digitale Kombiinstrument lässt sich nicht ganz so intuitiv bedienen wie bei den anderen beiden – das allerdings sind Kleinigkeiten, an denen sich kein Range-Rover-Fahrer stören würde.

Und auch in Sachen Verarbeitung und Materialauswahl gibt es keine Kritik, hier spielt er in der ersten Liga mit. Einen einmaligen Vorteil bietet dagegen die erhöhte Sitzposition: Weder im Panamera noch in der S-Klasse hat man soviel Überblick. Und natürlich geht auch das Ein- und Aussteigen um einiges leichter. Und: Im Ernstfall kommt der allradgetriebene Range mit seiner großen Bodenfreiheit auch deutlich weiter, als die beiden süddeutschen Oberklasse-Vertreter. Vielleicht will man ja doch mal abseits der Straße unterwegs sein

Oberklasse muss nicht immer die klassische Limousine sein. Zwar ist die S-Klasse von Mercedes – zusammen mit 7er BMW und Audi A8 – auch heute noch Maßstab und Schrittmacher im Segment der Nobel-Kutschen, doch dass es auch anders geht, beweisen unter anderem Porsche und Range Rover. Die zweite Stuttgarter Luxus-Marke bringt mit dem Panamera reichlich Schwung in die Oberklasse, die Limousine mit der großen Heckklappe wirkt um einiges sportlicher und schnittiger, bietet aber kein bisschen weniger Komfort. Und der Range Rover setzt mit seiner wuchtigen Erscheinung ein ganz eigenes Zeichen – und bietet mehr Übersichtlichkeit und den leichteren Einstieg. Dabei ist er nicht nur was für Naturburschen, auch vor der Oper und auf den Großstadtboulevards macht der Brite eine gute Figur. Und geht es zum Skifahren oder Wandern in die Berge, kommt er von allen dreien am weitesten. Diese Fähigkeit ist schließlich auch echter Luxus.

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